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Wie kommt Löschwasser auf den Roßweiner Ullrichsberg?

Die Anwohner des Roßweiner Ortsteiles fragen sich, ob ihnen bei einem Brand ausreichend geholfen werden kann. Ist ihre Sorge berechtigt?

Die Grundstücke im Roßweiner Ortsteil Ullrichsberg schlängeln sich von der Mulde aus an einem Berg nach oben. Auch dort muss Löschwasser ankommen.
Die Grundstücke im Roßweiner Ortsteil Ullrichsberg schlängeln sich von der Mulde aus an einem Berg nach oben. Auch dort muss Löschwasser ankommen. © Dietmar Thomas

Roßwein. Wer als Untrainierter zügigen Schrittes vom Bahnübergang aus durch den Ortsteil Ullrichsberg laufen soll, der dürfte am Ende ins Schnaufen geraten. Immerhin geht es straff bergauf. Und hinauf auf den Berg müsste im Brandfall auch das Löschwasser.

Wie es mit der Löschwasserversorgung bei ihm im Ort aussieht, das wollte ein Ullrichsberger in der vergangenen Ratssitzung von Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) und den Stadträten wissen.

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Auch andernorts sind Anwohner beunruhigt

Er erzählte von einer vorhandenen Steigleitung, die noch bis vor ein paar Jahren von Feuerwehrleuten regelmäßig betriebsbereit gehalten und gespült worden sei. Davon allerdings hätten die Anwohner seit längerem nichts mehr mitbekommen. Deshalb sorgten sie sich jetzt darum, dass die Feuerwehr auf diese Steigleitung und somit auf ausreichend Löschwasser zurückgreifen kann.

Der Rathauschef kann dies durchaus nachvollziehen. Probleme in der Löschwasserversorgung seien beispielsweise bei einem Brand 2020 in Oberneusorge zutage getreten. Auch in Gleisberg haben Einwohner schon Befürchtungen geäußert, dass zu wenig Löschwasser für einen Hausbrand anliegen könnte.

Für den Ullrichsberg sieht es danach aber genauso wenig aus wie etwa in Gleisberg. Im Moment rücke das Tanklöschfahrzeug mit Wasser an Bord aus, wenn ein Brand in Ullrichsberg gemeldet wird. Voraussichtlich ab 2023 komme ein weiteres Löschfahrzeug hinzu. Und noch ein weiteres Fahrzeug mit einem 9.000 Liter-Tank ist in einer Sammelbestellung mit der Gemeinde Wilsdruff geordert.

Wann genau das die Löschwassersituation in Roßwein und den Ortsteilen verbessern kann, vermag der Bürgermeister noch nicht zu sagen. Sicher ist, dass die Kommune dafür Kosten in Höhe von rund 280.000 Euro einplanen muss. Das ist der Eigenanteil.

Viele Möglichkeiten der Löschwasserversorgung

Allein auf Fahrzeuge verlassen sich Roßwein und auch andere Städte und Gemeinden nicht. Während der Erstangriff mit Wasser aus Fahrzeugen läuft, wird – wo es möglich ist – ein Pendelverkehr für Löschwasser eingerichtet. Das war zum Beispiel auch in Oberneusorge der Fall.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, Wasserverbindungen über lange Wegstrecken herzustellen. „Dafür hält die Gleisberger Abteilung der Feuerwehr zwei Kilometer Schlauch bereit“, sagte Veit Lindner.

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Trotz all dieser Optionen trifft die Kommune weitere Vorsorge. Gerade werde eine neue Trinkwasserleitung zwischen der Klinge und dem Ortsteil Ullrichsberg gebaut. „In diesem Zuge haben wir den Bau eines Oberflurhydranten beauftragt“, sagte Michael Klöden. Er ist bei der Stadtverwaltung für den Brandschutz zuständig.

Zwischen dem Gebiet Klinge und dem Roßweiner Ortsteil Ullrichsberg lässt der Wasserverband gerade die Trinkwasserleitung erneuern. Das will die Kommune nutzen, um nahe dem ersten Gut einen Oberflurhydranten zur Löschwasserversorgung zu installieren. Letzt
Zwischen dem Gebiet Klinge und dem Roßweiner Ortsteil Ullrichsberg lässt der Wasserverband gerade die Trinkwasserleitung erneuern. Das will die Kommune nutzen, um nahe dem ersten Gut einen Oberflurhydranten zur Löschwasserversorgung zu installieren. Letzt © Dietmar Thomas

Ist die Saugstelle bei einer Flut verschwunden?

Mit der wahrscheinlich in den 1970er-Jahren gebauten Steigleitung, die der Ullrichsberger angesprochen hat, gibt es Klöden zufolge ein Problem: Im Augenblick könne die Saugstelle beim besten Willen nicht mehr gefunden werden.

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Danach hätten Feuerwehrleute zu Wasser schon einmal Ausschau gehalten, aber nichts entdeckt. Die Wasserentnahmestelle muss sich an der Mulde befinden. Die Öffnung ist Klöden zufolge so groß wie ein B-Schlauch, etwa zehn Zentimeter.

„Doch in den letzten Jahren ist in den Uferbereichen auch durch Hochwasser einiges passiert. Material wurde angeschwemmt, hier und da aber auch weggeschwemmt“, erklärte Klöden. Trotzdem soll noch nicht aufgegeben und versucht werden, der Sache auf den Grund zu gehen.

Irgendwo am Ufer der Mulde vor Niederstriegis muss sich noch eine Saugstelle für die Steigleitung befinden. Diese wurde etwa in den 1970er-Jahren zur Löschwasserversorgung des Ortes Ullrichsberg gebaut.
Irgendwo am Ufer der Mulde vor Niederstriegis muss sich noch eine Saugstelle für die Steigleitung befinden. Diese wurde etwa in den 1970er-Jahren zur Löschwasserversorgung des Ortes Ullrichsberg gebaut. © Dietmar Thomas

Nicht zuletzt gibt es inzwischen die Möglichkeit, auf einem abgegrenzten Grundstück eine faltbare Löschwasserzisterne aufzubauen. Ein solches Projekt hat die Veolia Wasser Deutschland GmbH vor einiger Zeit in Schmorren (Gemeinde Ostrau) vorgestellt.

Ob solch eine Wasserfassung auch für Ullrichsberg oder einen anderen Roßweiner Ortsteil infrage kommt, muss die Verwaltung im Einzelfall prüfen.

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