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Wo noch Platz für Firmen ist

Im Landkreis gibt es derzeit 119 bebaubare Gewerbeflächen. Aber viele Unternehmen suchen etwas anderes.

Das Gewerbegebiet Fuchsloch in Döbeln ist nach Berbersdorf in Striegistal das zweitgrößte in Mittelsachsen.
Das Gewerbegebiet Fuchsloch in Döbeln ist nach Berbersdorf in Striegistal das zweitgrößte in Mittelsachsen. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen/Döbeln. Die Firma Blackstone fertigt künftig im Döbelner Gewerbegebiet Fuchsloch Batterien im 3 D-Verfahren . Und JT Energie Systems stellt in Freiberg Energiesysteme für Fahrzeuge her.

Es sind die beiden größten Neuansiedlungen in Mittelsachsen in den vergangenen zwölf Monaten. „Blackstone investiert 30 Millionen Euro und schafft 35 Arbeitsplätze. Bei JT Energy Systems sind es 22,5 Millionen Euro und 200 Arbeitsplätze“, sagt Cindy Krause, Geschäftsführerin der Regionalkammer Mittelsachsen der IHK Chemnitz. Damit fließen in den Landkreis mehr als 50 von insgesamt 400 Millionen Euro, die 23 Ansiedlungen in ganz Sachsen mit sich bringen.

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Wofür interessieren sich sich ansiedlungswillige Firmen besonders?

Besonders gefragt sind Bestandsimmobilien. „Idealerweise sind das eingeschossige Hallen mit Staplerzufahrt in einer Größe zwischen 1.000 und 1.500 Quadratmeter“, so Cindy Krause. Anfragen gäbe es aus den Branchen Batteriehersteller und Automobilzulieferer.

„Bei Letzteren dominierten die Bereiche Antrieb und Karosserie“, so Kerstin Kunze, Referatsleiterin Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung beim Landratsamt. Aber das sei eine Momentaufnahme.

Wo gibt es noch freie Flächen, auf denen sich Firmen ansiedeln können?

Von den 53 Kommunen des Landkreises verfügen noch 40 Städte und Gemeinden über 119 sehr unterschiedlich große Flächen, auf denen Gewerbe- und Industrieobjekte gebaut werden können. „Das Filetstück ist mit 98 Hektar das Gewerbegebiet Berbersdorf. Es ist die größte zusammenhängende Fläche in Sachsen“, erklärt die Geschäftsführerin der IHK.

Als Zweites nennt sie das Gewerbegebiet Fuchsloch in Döbeln. Das hat eine Größe von 73 Hektar, die gewerblich genutzt werden könne. Kleinere Flächen befinden sich zum Beispiel im Industrie- und Gewerbegebiet Brockwitz-Marschwitz (23 Hektar), im Industrie- und Gewerbegebiet Arasser Straße in Geringswalde (13 Hektar) und im Gewerbegebiet „Am Sandberg“ in Roßwein (24 Hektar).

Insgesamt beträgt die Nettobaufläche im Landkreis Mittelsachsen 1.824 Hektar. Davon sind noch 500 Hektar frei und könnten von Unternehmen für die Neuansiedlung oder Erweiterung genutzt werden.

Welche Voraussetzungen sind für die Ansiedlung von Firmen maßgebend?

Neben der Größe der Fläche spielt die Lage und damit oft die Entfernung zur Autobahn eine Rolle. Wichtig sei aber das Gesamtpaket. Das heißt, es müsse auch die Möglichkeit bestehen, dass sich Mitarbeiter ein Haus bauen, es für die Kinder einen Kitaplatz gibt und die Schule gut erreichbar ist.

Auch, wenn die Voraussetzungen vorhanden sind, sei die Entscheidung für eine Ansiedlung oft ein langwieriger Prozess. So gebe es zum Beispiel eine Anfrage in Döbeln, wo die Standortentscheidung von Monat zu Monat verschoben werde. „Aber wir bleiben weiter dran“, meint Cindy Krause. Und Kerstin Kunze fügt hinzu: „Wir hoffen, dass die Ansiedlung von Karls Erdbeerdorf eine Sogwirkung hat.“

Freiberg und Mittweida hätten den Vorteil der Hochschulstandorte. Dort gebe es immer wieder Ausgründungen.

Ist noch genügend Platz auf den vorhandenen Gewerbeflächen?

„Auf den ersten Blick scheint die Anzahl von Gewerbe- und Industrieflächen im Landkreis Mittelsachsen ausreichend zu sein. Auf den zweiten Blick ergeben sich aber Differenzen hinsichtlich der tatsächlichen Verfügbarkeit, der Nutzbarkeit der Flächen und der Standortanforderungen der Unternehmen“, sagt Sarah Strugale von der Regionalentwicklung der IHK.

Die Gründe dafür seien vielfältig. Es gebe zum Beispiel planungsrechtliche Beschränkungen oder unklare Eigentumsverhältnisse. Die Grundstücks- und Mietpreise spielen ebenso eine Rolle wie die infrastrukturellen Rahmenbedingungen oder die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung.

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„Hinzu kommt der Nutzungsdruck durch andere Bedürfnisse, wie das Wohnen oder die Anlage großflächiger Photovoltaikanlagen“, so Sarah Strugale.

Wie können Firmen den richtigen Standort finden?

Derzeit erfolge durch die IHK eine Bestandsaufnahme der Gewerbeflächen in Mittelsachsen. „Die Analyse der Gewerbeflächensituation ermöglicht Empfehlungen für eine Gesamtstrategie“, so die Geschäftsführerin der IHK.

Freie Gewerbeflächen müssten frühzeitig entsprechend der vorhandenen Unternehmerstruktur und örtlichen Rahmenbedingungen entwickelt werden. Zudem sei für die zweite Jahreshälfte die Publikation des Gewerbeflächenreports geplant, die eine gute Informationsgrundlage für Unternehmen bilden soll.

„Das Ziel muss es sein, mittelsächsischen Unternehmen Perspektiven im Landkreis zu bieten und Unternehmen von außerhalb bei der Ansiedlung zu unterstützen“, sagt Cindy Krause.

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