merken
PLUS Döbeln

Zahl der Ausländer hat sich verdoppelt

Trotzdem sind die Unterkünfte für die Asylbewerber in Mittelsachsen nicht voll ausgelastet. Abschiebungen gestalten sich schwierig.

In Unterkünften wie an der Friedrichstraße in Döbeln sind im Landkreis Mittelsachsen derzeit die wenigsten Flüchtlinge und Asylsuchenden untergebracht.
In Unterkünften wie an der Friedrichstraße in Döbeln sind im Landkreis Mittelsachsen derzeit die wenigsten Flüchtlinge und Asylsuchenden untergebracht. © Erik-Holm Langhof

Mittelsachsen. In Mittelsachsen haben Ende März 10.924 ausländische Bürger gelebt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2014.

Damals wurden im Landkreis 5.060 Ausländer registriert. „Heute machen sie damit einen Anteil von 3,6 Prozent an der Gesamtbevölkerung im Kreis aus“, erklärt Ramona Noetzel, kommissarische Leiterin der Stabsstelle Ausländer- und Asylangelegenheiten, im Kreistag.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Aus der Europäischen Union kommen 38 Prozent der Menschen, die meisten aus Polen, Rumänien, Tschechien und Bulgarien. Den geringsten Teil machen mit 13 Prozent die Asylbewerber aus. Sie stammen überwiegend aus dem Iran, Indien, Venezuela und Russland. Und 49 Prozent der Ausländer sind sogenannte Drittstaatler. „Sie halten sich für die Ausbildung oder einen Job im Landkreis auf oder kommen für eine Familienzusammenführung hierher“, erklärt Ramona Noetzel.

Einen großen Anteil der Arbeit der Stabsstelle habe die Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen. Dabei werde zwischen humanitären Gründen, Ausbildung und Familiennachzug unterschieden. Seit 2015 dominieren die humanitären Gründe. Mit 1.530 wurden im Jahr 2016 die meisten dieser Art bearbeitet. In den Folgejahren waren es stets über 1.000. Im vergangenen Jahr ging die Zahl auf 808 zurück. Bis Ende März dieses Jahres waren es 151.

Zuweisungen haben abgenommen

Die Zuweisungen von Ausländern an den Landkreis hätten seit 2018 kontinuierlich abgenommen. Im vergangenen Jahr waren es reichlich 300 Personen, im ersten Quartal dieses Jahres 129 und im April eine Person.

Von den Unterkünften, die im Landkreis für ausländische Bürger zur Verfügung stehen, könnten derzeit 85 Prozent genutzt werden. „Die Auslastung beträgt aber nur 70 Prozent“, sagt Ramona Noetzel. In Gemeinschaftsunterkünften würden vor allem Einzelpersonen untergebracht.

Für Paare und Familien stünden Wohnprojekte und Wohnungen der Gesellschaft für Strukturentwicklung und Qualifizierung Freiberg mbH (GSQ) zur Verfügung. 175 Personen lebten Ende April auch in Privatwohnungen. Sollte die Zahl der Ausländer nicht wieder steigen, könne über einen Abbau von Unterkünften nachgedacht werden, so Ramona Noetzel.

Durch Corona: Abschiebung oder Heimreise teils unmöglich

Die Abschiebung ausreisepflichtiger Ausländer, aber auch die freiwillige Ausreise habe sich im vergangenen Jahr schwierig gestaltet. Denn durch die Corona-Pandemie seien zahlreiche Flüge ausgefallen und die Botschaften geschlossen gewesen.

2020 konnten sieben geplante Abschiebungen nicht vollzogen werden, acht waren erfolgreich und 13 Personen reisten auf eigenen Wunsch aus. Die höchsten Zahlen wurden auch in diesem Bereich im Jahr 2016 registriert. Damals sind 25 Abschiebungen gescheitert, 176 waren erfolgreich und 173 Ausländer haben Deutschland freiwillig verlassen.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln