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Lust auf Genuss im Kloster Altzella

Beim Käsemarkt in Altzella bekommen die Gäste nicht nur etwas für den Gaumen geboten. Sie erfahren auch, wie die Spezialitäten hergestellt werden.

Gergö, Bernadet, Beata und Daniel aus Ungarn haben auf dem Markt in Altzella Baumstriezel angeboten.
Gergö, Bernadet, Beata und Daniel aus Ungarn haben auf dem Markt in Altzella Baumstriezel angeboten. © Lars Halbauer

Von Lars Halbauer

Nossen. Das wechselhafte Wetter hält die Besucher des Käsemarktes nicht davon ab, gemütlich zwischen den Ständen des Käsemarktes zu schlendern. Zwischen den Bio-Hipstern mit Rastafrisuren und bunter Jutekleidung, die ganz selbstverständlich Lebensmittel von kleinen Produzenten kaufen wollen, bis zu Familienvätern in leuchtenden Allwetterjacken, die ihre Kinder beschäftigt wissen wollen, trifft man hier so ziemlich jeden Schlag Mensch. 

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Alle kommen miteinander ins Gespräch, fachsimpeln über dies und das. „Wo hast du den Trüffel gefunden? Und wo den besonderen Käse?“ Es gibt kein Geschiebe und Gedränge auf dem Markt, aber einen gemütliches und doch gut besuchtes Wochenende. Veranstalter Andreas Wolf zeigt sich zufrieden.

Auch das Hygiene Konzept hat sich offensichtlich bewährt: Es gibt eine zweigeteilte Einlasskontrolle – Adresse eintragen, Eintritt zahlen und einen Chip dafür bekommen. „Das Gelände in Altzella ist für 1.000 Gäste, die sich gleichzeitig hier aufhalten, zugelassen“, so Veranstalter Andreas Wolf. „Wir hangeln uns von Markt zu Markt. Den Leuten geht es darum, dass die Veranstaltungen stattfinden.“

Mathias und Mario, die sich selbst als die weltfreundlichsten Einlasskontrolleure bezeichnen, geben jedem Gast einen Chip. Sind diese alle, muss gewartet werden, bis Gäste den Markt verlassen.
Mathias und Mario, die sich selbst als die weltfreundlichsten Einlasskontrolleure bezeichnen, geben jedem Gast einen Chip. Sind diese alle, muss gewartet werden, bis Gäste den Markt verlassen. © Lars Halbauer
Vegetarische Raubfische aus Gurke: Arthur Felger aus Weißenfels erstellt essbare Kunstwerke aus Obst und Gemüse.
Vegetarische Raubfische aus Gurke: Arthur Felger aus Weißenfels erstellt essbare Kunstwerke aus Obst und Gemüse. © Lars Halbauer
Diese filigrane Rose wurde aus einem Rettich geschnitzt. 
Diese filigrane Rose wurde aus einem Rettich geschnitzt.  © Lars Halbauer
Wie Trüffel wird die Dresdner Berle gehobelt: Torsten Schlüter zeigt, wie es geht.
Wie Trüffel wird die Dresdner Berle gehobelt: Torsten Schlüter zeigt, wie es geht. © Lars Halbauer

Käse in seinen schönsten und außergewöhnlichsten Formen aus den verschiedensten Milch-Urprodukten gilt es zu probieren und zu kaufen. Die „Dresdner Berle“ (die Schreibweise ist beabsichtigt sächsisch) stellt seit 2017 verschiedene Sorten Schafskäse her, die wie Trüffel fein über die Gerichte gehobelt werden, um besondere Geschmacksnoten zu erzeugen. Rucola und Knoblauch, Ingwer und Curry sind als Geschmacksrichtungen zu finden, aber auch Rote Bete und Ingwer. 

Diese ausgefallene Geschmackskombination wurde eigens für das Hilton Hotel in Berlin entwickelt und fehlt natürlich auch hier in der Auswahl nicht. „Wir werden im Herbst noch einen Käse zum Verfeinern von Süßspeisen auf den Markt bringen, der wird einschlagen wie eine Genussbombe“, schwärmt der „Berlenmacher“ Torsten Schlüter aus Dresden.

Froschkönig aus Gurke und Kohlrabi

Vegetarische Haie, ein Froschkönig aus Gurke und Kohlrabi, oder eine Rose filigran aus einem Rettich geschnitzt – neben den Leckereien für den Magen gibt es auch fürs Auge etwas zu genießen. Arthur Felger aus Weißenfels ist der einzige Gemüse- und Früchteschnitzer in Deutschland, der für das Schnitzen und Gestalten von Gemüse und Obst das Qualitätssiegel in Gold tragen darf. 

Mit einem einfachen Messer verwandelt Felger Gurken zu Froschkönigen, Rettiche zu weißen Haien und Äpfel zu liebevoll verzierten Vögeln, die bis ins kleinste Detail bearbeitet werden. Die Zuschauer staunen, mit welcher Genauigkeit und auch in welchem Tempo ein Kunstwerk nach dem anderen entsteht – wenn auch vergänglich, alle Werke dürfen natürlich auch vernascht werden.

Peer Salden leitet Judith und ihren Vater Carsten Exner an, wie Käse hergestellt wird.
Peer Salden leitet Judith und ihren Vater Carsten Exner an, wie Käse hergestellt wird. © Lars Halbauer
Sandy und Gerd Heinrich aus Tharand stärken sich erstmal mit einer Forelle, bevor es gemeinsam mit Hund Milo auf die Jagd nach Leckereien geht.
Sandy und Gerd Heinrich aus Tharand stärken sich erstmal mit einer Forelle, bevor es gemeinsam mit Hund Milo auf die Jagd nach Leckereien geht. © Lars Halbauer
Kirstin und Michael Mersbaum haben einen vollen Beutel leckerer Käseprodukte und genießen gerade einen frischen Langos.
Kirstin und Michael Mersbaum haben einen vollen Beutel leckerer Käseprodukte und genießen gerade einen frischen Langos. © Lars Halbauer

Wer zwischen den fast 90 Ausstellern nicht den passenden Käse gefunden hat, ist bei Peer Salden von der Schafhofkäserei Clodramühle genau an der richtigen Adresse: In einem 45-Minuten-Kurs zeigt er, wie Käse entsteht. Und damit nicht genug. Mancher nimmt am Ende auch sein eigenes Stück Käse mit.

Carsten Exner und seine Tochter Judith lassen sich wohl gern durch Zufälle leiten. Sie hatten sich spontan entschieden, einem Werbeplakat für den Markt zu folgen. Und sie haben dann noch zwei der heiß begehrten Käsekursplätze ergattern können. „Wir essen beide gerne Käse, ich am liebsten Ziegenkäse“, sagt Carsten Exner. Tochter Judith mag eher milden Gouda. „So kräftiger Käse ist nichts für mich.“

Peer Salden zeigt den Kursteilnehmern, wie die Milch erst erhitzt, dann gelabt wird – die Milch wird dabei fest wie Pudding. Danach wird der Käsebruch erzeugt, gepresst und schon ist der Käse in seiner Urform geschaffen. Nebenher erzählt Salden, dass er und seine Familie als Selbstversorger auf dem Hof an der Clodramühlen leben, was auch heißt, dass seine Kinder zwar kein Handy haben, dass sie aber mittlerweile ein selbstbestimmtes und aus seiner Sicht gesünderes Leben führen.

Ungarisches Nationalgericht im Minutentakt

„Egy lango kérem“ was soviel heißt, wie „ein Langos bitte“ kann man am Stand von Pusztalangos hören. Kirstin und Michael Mersbaum aus Freital folgten dem Duft von frisch gebackenem und herzhaftem Knoblauch. „Wir mögen den Markt hier, es gibt so tolle Lebensmittel, bei denen wir das Gefühl haben, dass sie mit Liebe hergestellt werden“, sagt Maria Mersbaum. 

Ihr Mann pflichtet ihr bei: „Der Schafskäse mit Bockshornklee ist legendär, auch die Fasanenpastete schmeckt uns so gut, dass wir allein darum auf den Markt fahren.“ Darauf hin beißen die beiden lustvoll in einen herzhaften Langos und tauschen einzelne ungarische Sprachbrocken mit den Bäckern. „Wir sind immer gerne nach Ungarn gefahren, ein paar Worte sind hängengeblieben“, sagt Kirstin Mersbaum.

Der Betreiber Gergö und seine Schwester Beata, Koch Bernadet und Daniel aus Ungarn bereiteten das ungarische Nationalgericht im Minutentakt zu: Langos und Baumstriezeln. „Wenn du den frittierten Hefeteig in Ungarn mit anderem als Knoblauch, Speck und Käse isst, wirst du in Stücke gerissen“, sagt Gergö. Dazu gehört aber auch ein von der Oma selbst gemachter Palinka. „Egészségére“ auch das ist den Tag immer mal wieder zu hören: „Zum Wohle“ auf Ungarisch.

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