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Mehr Radwege für Mittelsachsen

Kreis-SPD will das Sonderprogramm des Bundes „anzapfen“. Hätte der Landkreis Mittelsachsen dafür früher reagieren müssen?

Als Oberbürgermeister von Hainichen setzt sich Dieter Greysinger für den Striegistalradweg ein. Dafür hat er 80 Aktenordner Planungsunterlagen zur Landesdirektion nach Chemnitz gebracht.
Als Oberbürgermeister von Hainichen setzt sich Dieter Greysinger für den Striegistalradweg ein. Dafür hat er 80 Aktenordner Planungsunterlagen zur Landesdirektion nach Chemnitz gebracht. © Stadtverwaltung Hainichen

Mittelsachsen. Der Radwegbau spielt im Landkreis Mittelsachsen nur eine untergeordnete Rolle. Dieser Auffassung ist die SPD-Fraktion im Kreistag. Sie hat einen Antrag eingereicht, mit dem sie fordert, dass sich der Landkreis um Geld aus dem Bundes-Sonderprogramm „Stadt und Land“ bemüht. Überraschend ist dieser Antrag bei der jüngsten Sitzung des Kreistages mit einer knappen Mehrheit angenommen worden.

SPD-Kreisrat Dieter Greysinger bemängelte, dass Mittelsachsen im Vergleich zu anderen Landkreisen deutlich schlechter mit Radwegen ausgestattet sei. Greysinger gab aber auch zu, dass es jetzt schon fast zu spät ist, auf die Beschlussvorlage zu reagieren. „Der Landkreis hätte bereits bei Bekanntwerden dieser lukrativen Fördermöglichkeit im Januar aktiv werden müssen“, so Greysinger.

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Durchgehende Radwege nur selten zu finden

Die Stadt Hainichen, deren Bürgermeister Greysinger ist, habe eine neue Radwegekonzeption erstellt und Antrag auf Fördergeld gestellt. „Leider ist der Landkreis auf dieses Boot nicht aufgesprungen“, sagte Dieter Greysinger. Seine Erfahrungen: Durchgehende Radwege an Staats- und Bundesstraßen seien in Mittelsachsen nur selten zu finden.

Lothar Beier, Erster Beigeordneter des Landrates, sprach von einem attraktiven Programm. Es richte sich in erster Linie an die Straßenbaulastträger, vordergründig an die Kommunen, die für den Ausbau des Alltagsradverkehrs verantwortlich seien.

Voraussetzung zur Teilnahme an diesem Programm sei ein Radwegekonzept, welches sich wiederum in ein Gesamtkonzept des Freistaates einordne. Ein solches Konzept liege für den Landkreis, aber auch für eine ganze Reihe von Kommunen vor.

Eine Million Euro pro Landkreis in Sachsen

Sachsen bekomme für die Laufzeit bis Ende des Jahres 2023 insgesamt etwa 28,9 Millionen Euro aus dem Programm „Stadt und Land“. „Gerechnet auf drei Jahre und die Anzahl der Landkreise, kommt eine Million Euro pro Landkreis heraus“, rechnete Beier vor. Es sei also nicht überschwänglich viel Geld im Topf.

Der Landkreis habe die Chancen dieses Programms geprüft, sei auf die Kommunen zugegangen. Die Anträge für die Fördermittel des Bundes müssten bis 14. Juli vorliegen, um sie noch rechtzeitig einreichen zu können. Dafür sei es zu spät, sagte Beier.

Beier ging auch auf die Kritik von Greysinger ein. „Es ist nicht so, dass wir gar nichts haben. Es gibt derzeit 433 Kilometer ausgewiesene Radwege“, so Beier. In den vergangenen drei Jahren konnten bei Straßeneröffnungen fast 100 Kilometer Radwege mit eröffnet werden. Als Beispiel nannte er auch den Radweg an der B175, der beim Ersatzneubau der Brücke über die Zschopau bei Töpeln entstanden sei.

Antrag findet knappe Mehrheit

Trotz der Einwände hat die SPD mit ihrem Antrag eine Mehrheit im Kreistag gefunden. Landrat Matthias Damm (CDU) kündigte an, dass die Verwaltung prüfen wird, wie mit dem Beschluss umzugehen ist. Greysinger hofft, dass er zumindest einen Anstoß für Initiativen zum Radwegebau darstellt.

Als Oberbürgermeister von Hainichen geht Dieter Greysinger in puncto Radweg mit gutem Beispiel voran. Er und die Stadträte planen nicht nur, einige Radwege auszubauen. Gemeinsam mit den Nachbarkommunen Roßwein und Striegistal steht immer noch die Aufgabe, die ehemalige Bahnstrecke Hainichen-Roßwein so herzurichten, dass ihn Familien und Radtouristen durchgängig als Striegistalradweg nutzen können.

Lange Geschichte Striegistalradweg

Im Moment gibt es sowohl am Start- als auch am Endpunkt ein jeweils kleines fertiggestellte Stück: von Roßwein bis Niederstriegis und Hainichen bis Crummbach.

Für den Lückenschluss hat sich Greysinger erst vor ein paar Tagen wieder ins Zeug gelegt und sage und schreibe 80 Aktenordner in die Landesdirektion nach Chemnitz gebracht. Vorher hat er die Unterlagen unterschrieben, wobei ihm sein Stellvertreter Jan Held Unterstützung leistete.

Bei den Papieren handelte es sich um die überarbeiteten Planungsunterlagen für das große Mittelstück von Niederstriegis bis Kratzmühle. Das war vor mehr als einem Jahr schon einmal in die Beteiligungsrunde gegangen. Die damals angemeldeten Beanstandungen haben zwei Planungsbüros für den baulichen und den umweltrechtlichen Teil eingearbeitet.

Greysinger hofft, dass im Herbst die zweite Beteiligungsrunde starten und nächstes Jahr Baurecht hergestellt werden kann. Ohne Klage könnte dann der größte Teil des Striegistalradweges in Angriff genommen werden – nach beinahe 20 Jahren der Vorbereitung.

Schautafeln sind in Vorbereitung

Dann geht es „nur“ noch um ein reichlich ein Kilometer langes Stück zwischen Crummbach und Kratzmühle. Nach einer Gerichtsentscheidung, dass für die Planung des Weges ebenfalls das Anliegertrio und nicht das Landesamt für Straßenbau und Verkehr zuständig ist, müssen dort ab Herbst die Erfassungen von Flora und Fauna wiederholt werden.

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Greysinger jedenfalls würde sich freuen, dass der Radweg spätestens ab 2025 – wenn sich Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas präsentiert – für Einheimische und Besucher nutzbar ist. Dann könnten sogar internationale Gäste das Striegistal per Rad erkunden und in die interessante Industriegeschichte „eintauchen“. Entsprechende Schautafeln mit Hinweisen seien bereits in Vorbereitung.

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Die Bürokratie bei diesem Vorhaben scheint grenzenlos. Für ein kleines Teilstück muss Flora und Fauna ein weiteres Mal beobachtet werden.

Um einen Radweg kämpfen aber auch eine Reihe anderer Kommunen: mitunter ebenfalls seit Jahren und bislang erfolglos. Wieder aufgenommen hat zum Beispiel die Stadt Leisnig ihre Bemühungen entlang der S44 zwischen der Stadt, dem Ortsteil Brösen und weiterführend dann bis an die Kreisgrenze einen Radweg zu planen.

Der ist aus vielerlei Gründen nötig, auch aus Sicherheitsgründen. Ein tödlicher Unfall auf dieser Strecke vor einiger Zeit hat das bewiesen. (mit FP)

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