merken
PLUS Döbeln

Meister in der Mangelwirtschaft

Vor 50 Jahren hat Peter Vogler eine Ausbildung zum Optikermeister abgeschlossen. Zum Geschäft kam er erst später.

Peter Vogler mit seiner Tochter Claudia Vogler-Bergmann und der Urkunde von der Handwerkskammer zum Goldenen Meisterabschluss.
Peter Vogler mit seiner Tochter Claudia Vogler-Bergmann und der Urkunde von der Handwerkskammer zum Goldenen Meisterabschluss. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das Jubiläum war in der Corona-Zeit ein bisschen untergegangen. Im Frühjahr hatte Augenoptiker Peter Vogler die Urkunde von der Handwerkskammer zu Chemnitz bekommen. Vor 50 Jahren hatte er seinen Meisterabschluss abgelegt.

Bis Corona hat der heute 77-Jährige noch in der Filiale in Leisnig gearbeitet. Auch heute noch ist der Meister im Einsatz, wenn er gebraucht wird, sagt seine Tochter Claudia Vogler-Bergmann, die heute das Geschäft führt.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Ab 1968 hatte der gebürtige Leipziger seine Meisterausbildung in Jena absolviert. „Ich wollte mich selbstständig machen. Das ging nur, wenn ein Geschäft übergeben wurde“, erzählte er. In Döbeln klappte es schließlich 1975 mit dem Augenoptikergeschäft neben der SED-Kreisleitung an der Bahnhofstraße. 1987 zog Vogler zur Breiten Straße um. „Das Haus war eine Ruine. Wir sind auf Schuttbergen rumgelaufen“, erzählte er.

Design abseits des Üblichen

Vogler führte das Geschäft mit seiner Frau, die schon vor ihm den Meisterabschluss abgelegt hatte. Die fachliche Ausbildung sei damals sehr gut gewesen, sagte Vogler. Das berufliche Umfeld eher nicht. Brillenfassungen waren Mangelware. Vogler hat selbst welche entworfen und handgefertigt. Ein Design abseits des Üblichen. „Wenn wir in der Tschechoslowakei waren, dachten alle, wir sind aus dem Westen“, erzählte er. „Im Monat habe ich mal zwei Gestelle geschafft. Ich habe dafür vielleicht 150 Mark genommen.“

Gestelle von der Stange hätten 20 bis 50 Mark gekostet. Die wurden, wie die Brillengläser, damals zugeteilt. „Brillengläser mit +1,5 Dioptrien gab es mal ein Jahr lang nicht“, erzählte der Altmeister. Die Folge: Jeder legte sich einen Vorrat an. „Wir hatten ein riesiges Glaslager“, sagte Vogler.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram

Nach der Wende konnte Vogler neu durchstarten. „Wir hatten gerade alles fertig, da kam die Flut 2002.“ Vogler erzählte, wie er sich schwimmend durch seinen Laden bewegte, um die laut tönende Alarmanlage abzuschalten.

Nach dem Wiederaufbau übernahmen 2005 Claudia Vogler-Bergmann und ihr Bruder Matthias das Geschäft. Er ist Optiker, sie hatte den Weg zur Hörakustikerin eingeschlagen. „Ich habe mich für Technik und Naturwissenschaften interessiert“, erzählte sie. Gerade erst ist das Geschäft als „Top-100-Hörakustiker“ ausgezeichnet worden.

Zum zweiten Mal hatte sich die Geschäftsfrau darum beworben. Für den Titel, der diesmal wegen Corona nur virtuell vom Sänger Jürgen Drews überreicht wurde, wurde das Geschäft über einen Fragenkatalog, Besuche und Testeinkäufe bewertet.

Mehr zum Thema Döbeln