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Musikschule haut auf die Pauke

Das 70-jährige Bestehen konnte im vergangenen Jahr nicht gefeiert werden. Am Mittwoch gibt es ein besonderes Konzert.

Margot Berthold ist seit 1990 an der Musikschule Döbeln. Sie freut sich riesig auf das bevorstehende Konzert und rührt schon mal symbolisch die Werbetrommel.
Margot Berthold ist seit 1990 an der Musikschule Döbeln. Sie freut sich riesig auf das bevorstehende Konzert und rührt schon mal symbolisch die Werbetrommel. © Dietmar Thomas

Döbeln. Sie freue sich „wie Bolle“ auf das Konzert, sagt Musikschulleiterin Margot Berthold. Geplant war die große Feier zum 70-jährigen Bestehen der Musikschule Döbeln bereits im vergangenen Jahr.

Doch die Corona-Pandemie kam dazwischen, die große Fete wurde abgeblasen. „Nun wollen wir endlich 70 Jahre plus eins feiern und gleichzeitig das 20-jährige Bestehen des Fördervereins“, sagt Margot Berthold. Der Förderverein ist auch Veranstalter des Konzerts am Mittwoch, 13. Oktober, in der Döbelner Nicolaikirche. „Ohne den Förderverein stünde die Schule nicht so gut da. In diesen 20 Jahren ist Unglaubliches vollbracht worden“, ist Margot Berthold voll des Lobes.

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Bei dem Konzert wirken viele Lehrer sowie einige Schüler mit. So zum Beispiel Lukas Grüneberger, der zuletzt an der Musikschule auf sein Lehrerstudium vorbereitet wurde. „Es ist das schönste an unserer Arbeit, wenn aus schüchternen Kindern selbstbewusste Persönlichkeiten und gestandene Musiker werden“, sagt die Leiterin. Immer wieder dürfe sie erleben, was Musik mit den Leuten macht.

Ensembles noch nicht spielbereit

Ursprünglich war das Festkonzert so geplant, dass alle Ensembles der Musikschule ihren Auftritt bekommen. „Die Ensembles sind aber eigentlich noch nicht spielbereit. Sie hatten über ein Jahr keine Chance, miteinander zu musizieren“, so Berthold. Zudem seien einige weggebrochen. So wurde im Kollegium die Idee geboren, ein Lehrerkonzert zu veranstalten.

Die Musikschule Döbeln war eine der ersten, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden. „Nur fünf Jahre nach dem Kriegsende haben sich ein paar Enthusiasten gefunden und diese Schule gegründet. Das kann man gar nicht genug würdigen“, so Berthold.

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Die Musikschule sei zu DDR-Zeiten mehr oder weniger eine Talentschmiede gewesen. „Zum Teil wurden halbjährlich Prüfungen durchgeführt und Schüler mit Note 3 wurden ausgesondert“, sagt Margot Berthold. Heute sei eine solche Vorgehensweise undenkbar. Das Angebot ist für alle Altersgruppen und Zielstellungen offen, so die Leiterin. Die jüngsten in den Krümelgruppen seien zwei Jahre alt, nach oben gebe es keine Grenze.

Frauenquote ist kein Thema

Hobbymusiker sind ebenso gern gesehen wie solche, die Spitzenniveau aufweisen und sich bei Wettbewerben präsentieren wollen. „Wer es will, wird bei uns rundum gefördert. Wir haben eine stetige Quote von Schülern, die wir auf das Musiklehrer-Studium vorbereiten“, so Berthold.

Alle fünf derzeit festangestellten Mitarbeiter waren früher Schüler an der Musikschule. Lukas Malik, Tom Keilhauer, Tina Bartel, Andreas Berger und Margot Berthold selbst. „Das ist schon auch etwas Besonderes“, so Berthold.

Die Chronik der Musikschule besteht vorwiegend aus Fotoalben. Unterstützung gibt dabei Jürgen Dettmer, der auch Mitglied im Förderverein ist.

1990 kam Margot Berthold an die Musikschule, seit 1995 ist sie deren Leiterin. Bis auf einen Zeitraum von sieben Jahren hatten jeweils Frauen die Leitung der Musikschule inne. „Frauenquote ist bei uns kein Thema“, sagt sie mit einem Lachen.

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In ihrem ersten Jahr gab es an der Musikschule Döbeln 169 Kinder, erinnert sich Margot Berthold. 1993 waren es über 600. „Die Öffnung für jedermann und die Einführung der musikalischen Früherziehung haben diesen Aufschwung begünstigt“, sagt sie.

Durch Corona keine Früherziehung möglich

Durch die Corona-Pandemie sei in den vergangenen anderthalb Jahren keine Früherziehung möglich gewesen. „Corona war die größte Herausforderung, die wir zu schultern hatten“, sagt die Chefin. Von 650 Schülern vor der Pandemie seien jetzt noch 450 übrig. Doch es nütze nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. „Wir müssen wieder auf dem aufbauen, was wir derzeit haben“, so Berthold.

Seit 2009 ist die Musikschule ein Teil der Mittelsächsischen Kultur gGmbH. In diesem Jahr übernahm Margot Berthold die Leitung der Musikschule Mittelsachsen. Diese entstand nach dem Zusammenschluss der Altkreise Freiberg, Döbeln und Mittweida im Zuge der Gemeindegebietsreform 2008. Berthold war die einzige der Leiterinnen der Alt-Standorte, die für den Job infrage kam.

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Auch nach 30 Jahren an der Musikschule möchte Margot Berthold ihren Job nicht tauschen. Der Lockdown an ihrem Haus sei beängstigend.

„Die Cheffunktion hat mich gefunden“, sagt sie. „Die Leiterin in Freiberg ist in den Ruhestand gegangen, die Kollegin aus Mittweida konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht. Also hat man mich gefragt.“ Es sei anfangs nicht leicht gewesen, die vier völlig verschiedenen Musikschulen unter einen Hut zu bringen, sagt Berthold.

13. Oktober 2021, 18 Uhr, Kirche St. Nicolai: Jahreskonzert anlässlich 20 Jahre Förderverein und 70 +1 Jahre Musikschule Döbeln.

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