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Döbelns Naturschutzbeauftragter hört auf

Über 50 Jahre lang war der Siegfried Reimer im Altkreis Döbeln für den Naturschutz zuständig. Aber wer übernimmt jetzt sein Amt?

Im November 2017 Siegfried Reimer einen Fotografen mit zu "seinem" Biber-Revier am Zweiniger Grund mitgenommen. Seit 1988 hat Reimer die Ausbreitung der Tiere im Altkreis mit verfolgt und dokumentiert.
Im November 2017 Siegfried Reimer einen Fotografen mit zu "seinem" Biber-Revier am Zweiniger Grund mitgenommen. Seit 1988 hat Reimer die Ausbreitung der Tiere im Altkreis mit verfolgt und dokumentiert. © kairospress

Döbeln. Die Natur ist und bleibt sein Metier. Doch sein ehrenamtliches Engagement in Sachen Naturschutz hat ein Ende. Zum 31. August hat der 82-jährige Siegfried Reimer dem Landratsamt mitgeteilt, dass er seine Tätigkeit als Naturschutzbeauftragter im Landkreis, speziell für die Region Döbeln, beendet.

„Wie immer, wenn im ehrenamtlichen Naturschutz ein maßgeblicher Akteur seine Tätigkeit einstellen muss, wird auch durch die Einstellung der Tätigkeit von Herrn Siegfried Reimer eine große Lücke gerissen“, äußerte sich Udo Seifert, Referatsleiter Naturschutz am Landratsamt.

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Denn Reimer verfüge nicht nur über einen unbeschreiblich umfangreichen Wissens- und Erfahrungsschatz, sondern sei auch Identifikationsfigur für den Naturschutz.

Mit 24 Jahren die Natur entdeckt

Seit 1968 hat sich Reimer ehrenamtlich für den Naturschutz im Altkreis eingesetzt. Mit 24 habe er seine Leidenschaft für die Natur entdeckt, sagte er in einem früheren Bericht. Jener entstand, als Reimer für sein Engagement vom damaligen sächsischen Umweltminister Frank Kupfer ausgezeichnet wurde.

Alles habe mit dem Fotografieren von Pflanzen und Tieren begonnen. Dann half er als Treiber bei der Jagd dabei, Feldhasen zu fangen. Einige Jahr später wurde er in die Fachgruppe Ornithologie aufgenommen, war von 1969 bis 1990 für die Durchführung der internationalen Wasservogelzählung im Kreis Döbeln zuständig. 

Er kartierte unter anderem Pflanzenstandorte und kümmerte sich um Nistkästen für Eulen. Mehrfach zeichnete ihn der damalige Rat des Kreises für die geleistete Arbeit aus.

1990 wurde der gelernte Maschinenschlosser zum Vorsitzenden des Kreisverbandes des Naturschutzbundes (Nabu) in Döbeln gewählt. Doch ihn ärgerte, dass eine Mitstreiter nicht so mitzogen. Ab 2008 war er der Weißstorchbeauftragte für den Altkreis Döbeln. 

Doch nicht nur die Vogelwelt hat Reimer beobachtet und dokumentiert. Neben den Pflanzen in der Region haben es ihm vor allem auch die Biber angetan. Seit 1988 hat er das Vorkommen der Tiere in der Region erfasst. Und über die Jahre umfangreiches Material erarbeitet. Er war mitverantwortlich für das Bibermanagement im Landkreis und galt ab 2010 als Biberbeauftragter im Landkreis.

Doch damit nicht genug. Reimer hat aktiv bei der Herausgabe des Kalenders „Naturschätze Mittelsachsen“ mitgewirkt und „überdurchschnittliches Engagement als Kreisnaturschutzbeauftragter für Anfragen und praktische Hilfeleistungen der Verwaltung und der Bürger aus der Region des ehemaligen Kreises Döbeln“ gezeigt, so Udo Seifert vom Landratsamt.

Etzdorfer übernimmt Region zusätzlich

Zum Aufgabengebiet Reimers gehörte es auch, die ehrenamtlichen Naturschutzhelfer fachlich anzuleiten sowie mit der Naturschutzstation am Natur- und Freizeitzentrum Töpelwinkel zusammenzuarbeiten. In dem Bereich wurde Reimer in den vergangenen Monaten bereits von Ulrich Bänsch aus Etzdorf unterstützt. 

Jener ist seit gut 20 Jahren Kreisnaturschutzbeauftragter für den Altkreis Mittweida. Und soll nun auch den Bereich Döbeln mit übernehmen. Doch noch ist der Altkreis für den studierten Gartenbauer Neuland, wie er selbst sagt. 

Seit seiner Kindheit interessiere sich Bänsch für die Natur, habe daher auch sein Studienfach so ausgewählt. Nach der Wende sei er über verschiedene Maßnahmen schließlich zum Naturschutz gekommen. Und seit dem aktiv in dem Bereich. Doch auch Bänsch ist bereits 70 Jahre alt.

Großes Interesse an „Naturwächtern“

Um der „besonders in der Region des ehemaligen Kreises Döbeln altersbedingten Fluktuation im Bereich des ehrenamtlichen Naturschutzdienstes“ entgegenzuwirken, hat sich der Landkreis bereits 2013 für eine strategische Neuausrichtung in dem Bereich entschieden und intensiv um Nachwuchs bemüht. 

Entstanden ist dabei das Programm „Junge Naturwächter“, das in der Naturschutzstation im Töpelwinkel umgesetzt wird. Doch bis die Kinder und Jugendlichen sich für den Naturschutz in Mittelsachsen einsetzen werden, wird es noch einige Jahre dauern.

„Die Teilnehmer aus dem ersten Grundkurs haben jetzt ihr Abitur gemacht“, sagt Carin Lau, die Chefin im Töpelwinkel. Nur gelegentlich treffe sie die jungen Erwachsenen noch, sagt Lau. Von einem wissen sie, dass er Förster werden wolle und noch immer mit seinem Paten, einem Jäger, in Verbindung stehe. „Wenn von im Schnitt 15 Teilnehmern ein oder zwei bleiben, dann ist das eine Errungenschaft“, sagt Lau.

Am vergangenen Wochenende haben die neuen jungen Naturschützer sich erstmals im Töpelwinkel getroffen. Elf Jungen und Mädchen waren dabei, 17 Heranwachsende sind in den Aufbaukurs gewechselt, der sich an den Grundkurs anschließt. Ein Teilnehmer macht nicht weiter. Und erstmals gibt es in diesem Jahr noch einen dritten Kurs. Denn die 13- bis 14-Jährigen, die im vergangenen Schuljahr ihren Aufbaukurs absolviert haben, wollten weitermachen. „Sie hängen jetzt noch ein Jahr dran“, sagt Lau. 

Für das Team des Töpelwinkel ein immenser Aufwand, aber dennoch freut sich die Vorsitzende über das Interesse der Jugendlichen. „Und sie helfen uns ja auch mit, zum Beispiel beim Erstellen von Steckbriefen für den Naturlehrpfad in Hartha“, meint Carin Lau. 

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