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Odyssee eines Flaschenöffners

Der Gebrauchsgegenstand ist leicht herzustellen, denkt man. Doch nicht, wenn er anlässlich „1.000 Jahre Döbeln“ produziert wird.

Werner Wittig war früher Betriebsleiter des VEB Plastwerkzeuge in Döbeln. Der Betrieb war verantwortlich für die Herstellung der Flaschenöffner.
Werner Wittig war früher Betriebsleiter des VEB Plastwerkzeuge in Döbeln. Der Betrieb war verantwortlich für die Herstellung der Flaschenöffner. © Dietmar Thomas

Döbeln. Es ist schon fast kurios. Werner Wittig, der heute 74 Jahre alt ist, hat vor 40 Jahren maßgeblichen Anteil an der Herstellung der Flaschenöffner gehabt, die 1981 zum Heimatfest anlässlich „1.000 Jahre Döbeln“ produziert worden sind. Selbst hat er aber keinen einzigen dieser besonderen Öffner mehr.

Werner Wittig war damals Betriebsdirektor im volkseigenen Betrieb (VEB) Plastwerkzeuge Döbeln an der Feldstraße. Die Firma beschäftigte sich vorwiegend mit dem Werkzeugbau und gehörte zum Kombinat Holzwerkstoffe, Beschläge, Maschinen.

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Ein Flaschenöffner, was ist daran schon besonders, mag man denken. Doch es handelte sich ja um ein großes Jubiläum, da konnte der Aufwand gar nicht groß genug sein.

5.000 Stück produziert

Die Metallteile – 5.000 Stück – wurden von der Metallverarbeitung Grünes Herz in Unterschönau (Thüringen) gestanzt. Nun sollten aber das Döbelner Wappen und der Hinweis auf die 1000-Jahr-Feier zu sehen sein. „Wir haben in unserer Firma ein Werkzeug gebaut, mit dem das Loch für eine Plastikplakette gestanzt wurde“, erinnert sich Werner Wittig.

Beim Stanzen waren die Teile jedoch krumm geworden. Sie mussten deshalb plattiert werden. Das geschah in der Döbelner Besteckfabrik in der Leisniger Straße, die von Christian Günther geleitet wurde. Mit Plattieren bezeichnet man laut Wikipedia ein Verfahren aus der Metallverarbeitung und der Textiltechnik, bei dem ein unedleres Material mechanisch beziehungsweise chemisch durch ein anderes edleres Material überdeckt wird.

Nachdem die Teile entfettet worden waren, gingen sie in die Metallveredlung Döbeln in der Weststraße. Dort war Roland Hawlitschek Betriebsleiter.

Plaketten in verschiedenen Farben

Im VEB Plastwerkzeuge wurde auf einer Senkrechtspritzgießmaschine HS 8 ein Spritzgusswerkzeug gebaut, mit dem die Kunststoffplakette eingespritzt wurde. Das erfolgte wiederum im Kurt-Schwabe-Institut in Meinsberg. „Die Plaketten wurden in den Farben Gold, Silber, Rot und Blau in die Flaschenöffner gespritzt“, erinnert sich Werner Wittig.

Der Öffner sei praktisch kostenfrei hergestellt worden. „Alle an der Produktion beteiligten Firmen haben Material und Arbeitszeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Dafür will ich mich noch einmal bedanken, auch wenn das nun schon 40 Jahre her ist“, sagt Werner Wittig mit einem Schmunzeln.

Von den Öffnern seien mit Sicherheit nicht alle 5.000 Stück bei der Stadt angekommen. „Einige werden wohl vorher abgezweigt worden sein“, vermutet der ehemalige Betriebsleiter. Ob die Flaschenöffner damals verkauft oder kostenlos verteilt worden sind, daran hat Werner Wittig keine Erinnerung mehr.

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