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Ostrau: Fällarbeiten kontra Artenschutz

In Obersteina in der Nähe des Rittergutes haben viele Vogelarten Quartier bezogen. Die Gemeinde will die Bäume fällen lassen - einige Anwohner sind dagegen.

Entlang der Kleinen Jahna in Obersteina sollen Pappeln gefällt und eingekürzt sowie Weiden gekappt werden. Dafür muss die Firma Bauer die Stromleitung abnehmen.
Entlang der Kleinen Jahna in Obersteina sollen Pappeln gefällt und eingekürzt sowie Weiden gekappt werden. Dafür muss die Firma Bauer die Stromleitung abnehmen. © Dietmar Thomas

Ostrau. Entlang des Bachlaufes der Kleinen Jahna in Obersteina ist eine Baumfällaktion von der Gemeinde geplant. Der Eigentümer des Rittergutes Johannes Kraus von Sande bezeichnet diese als abenteuerlich und will sie stoppen. Er habe schon Kontakt mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Mittelsachsen aufgenommen, berichtete er Sächsische.de.

Im vergangenen Sommer habe es mit der Verantwortlichen der Gemeindeverwaltung Ostrau eine Zusammenkunft gegeben. Ihm wurde mitgeteilt, dass entlang des Bachufers Bäume gefällt beziehungsweise zurückgeschnitten werden sollen.

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Nachbarn "völlig entsetzt" von Baumfällungen in Obersteina

„Das begründete die Mitarbeiterin mit der Sicherung der Stromleitung, da einige Äste in diese hineinwachsen. Dann wieder wurde das Vorhaben mit dem Gewässerunterhalt begründet. Die Aussagen waren sehr widersprüchlich“, so Johannes Kraus von Sande.

Man sei so verblieben, dass der Eigentümer des Rittergutes, der nicht immer in Obersteina lebt, vor den geplanten Maßnahmen informiert werde. Schließlich gehe es nicht nur um die Bäume, sondern um die Tiere, die in der Flora eine Heimat gefunden hätten.

Dabei handelt es sich unter anderem um Spechte. Auch andere Tierarten, die unter dem Bundesnaturschutzgesetz stehen, würden entlang der Kleinen Jahna leben.

Das Rittergut in Obersteina liegt sehr idyllisch und ist von viel Grün umgeben. Seit einigen Jahren ist es in besitz von Johannes Kraus von Sande.
Das Rittergut in Obersteina liegt sehr idyllisch und ist von viel Grün umgeben. Seit einigen Jahren ist es in besitz von Johannes Kraus von Sande. © Frank Korn

„Nun haben mich die Nachbarn angerufen und mir mitgeteilt, dass das Stromkabel abgehangen worden ist. Ich bin verärgert, weil ich trotz Absprache nicht informiert worden bin. Eigentlich habe ich erwartet, einen Bescheid zu bekommen. Gegen diesen hätte ich in Einspruch gehen, ihn rechtlich prüfen lassen können. Schließlich geht es um mein Grundstück“, so Johannes Kraus von Sande. Auch die Nachbarinnen seien wegen der geplanten Arbeiten völlig entsetzt.

Bürgermeister: "Pappeln stellen allgemeine Gefährdung dar"

Bürgermeister Dirk Schilling (CDU) versteht die Aufregung nicht. Zum einen handle es sich bei der Pflege des Baches und dessen Uferbereiche um die gesetzliche Zuständigkeit der Gemeinde. Zum anderen sei es der Wunsch der Anwohner gewesen, dass der Baumschnitt erfolge. Das sei auch mehrfach ausführlich im Ortschaftsrat von Kiebitz besprochen worden, so der Bürgermeister. Die Gemeinde wolle keinen Kahlschlag.

Was wie geschnitten wird, wurde mit dem Revierförster Dirk Tenzler und den Vorsitzenden der Ortsgruppe „Lößhügelland“ des Naturschutzbundes Oliver Leipacher besprochen. „Die Arbeiten wurden gut und lange vorbereitet. Sie sind nur noch in der Fällzeit bis Ende Februar möglich“, so Dirk Schilling.

Die pappeln entlang der Kleinen Jahna in Obersteina sollen zum Teil gefällt und zum teil gestutzt werden, damit Spechte ihren Lebensraum nicht verlieren.
Die pappeln entlang der Kleinen Jahna in Obersteina sollen zum Teil gefällt und zum teil gestutzt werden, damit Spechte ihren Lebensraum nicht verlieren. © Dietmar Thomas

Die Weiden werden heruntergeschnitten und dann treiben sie wieder aus. Dieses Kappen erfolgt in regelmäßigen Abständen. Gefällt werden soll voraussichtlich jede zweite beziehungsweise dritte Pappel.

Die anderen werden so heruntergeschnitten, dass das Spechtloch bleibt. Unten würden die Pappeln eingenarbt, so dass sie nicht weiterwachsen. „Die Pappeln stellen eine allgemeine Gefährdung dar. Sie sind alt, hohl und teilweise vom Pilz befallen“, sagte Schilling.

Dass auch der Stromversorger EnviaM an diesem Vorhaben interessiert ist, um die Leitung zu sichern, wird dadurch deutlich, dass er die Kosten für das Ab- und Aufhängen der Leitung übernommen hat“, so der Bürgermeister.

Grundsätzlich sei die Gemeinde an Baum- und Gehölzpflanzungen als Ausgleichsmaßnahmen interessiert. So hat sie organisiert, dass auf dem Flurstück des Gutes eine Streuobstwiese als Ausgleichsmaßnahme gefördert wird.

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