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Pferdebahner müssen Finanzloch stopfen

Corona hat auch die Pferdestraßenbahn ausgebremst. Doch jammern will der Verein nicht. Es gibt schon Ideen für neue Projekte.

Pferdebahnführer Mario Lommatzsch konnte den ganzen Feiertag nochmals viele vorgebuchte Fahrten durch das Döbelner Stadtzentrum durchführen.
Pferdebahnführer Mario Lommatzsch konnte den ganzen Feiertag nochmals viele vorgebuchte Fahrten durch das Döbelner Stadtzentrum durchführen. © Thomas Kube

Döbeln. Mit zweimonatiger, coronabedingter Verspätung sind die Mitglieder des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn Anfang Juli in die Fahrsaison 2020 gestartet. Seit Sonnabend ist diese bereits wieder beendet – wahrscheinlich. 

Vereinsvorsitzender Jörg Lippert könnte sich durchaus noch einen Fahrtag im Oktober vorstellen, wenn der Herbst ein goldener ist.  Allerdings kann er das nicht allein entscheiden. Dafür braucht er mindestens sechs ehrenamtliche Mitstreiter, die den Fahrtag absichern.

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Die Bereitschaft der aktiven Vereinsmitglieder, sich zu engagieren, sei in den letzten Monaten überdurchschnittlich hoch gewesen. „Wer kann, ist da. Das Gemeinschaftsgefühl ist in diesem Jahr besonders schön“, meint Lippert. Er spricht auch Fahrgäste aus Döbeln an, ob sie nicht Lust hätten, im Verein mitzuarbeiten. Denn aktive Mitglieder werden gebraucht. Zurzeit sind es zwischen 15 und 17.

Karl-Heinz Sommer vom Pferdebahnverein Döbeln baut Absperrpfähle an die Strecke. Mindestens sechs Helfer werden benötigt, damit die Pferdebahn fahren kann.
Karl-Heinz Sommer vom Pferdebahnverein Döbeln baut Absperrpfähle an die Strecke. Mindestens sechs Helfer werden benötigt, damit die Pferdebahn fahren kann. © Dietmar Thomas

Geld für laufende Kosten

„Viele Fahrten sind coronabedingt ausgefallen. Die können wir nicht nachholen. Das Geld, mindestens 5.000 Euro, haben wir verloren“, so der Vereinsvorsitzende. Einen Ausgleich für Vereine gibt es vom Staat nicht, auch wenn diese Immobilien unterhalten. „Wir haben laufende Kosten unter anderem für Strom, Gas und Wasser. Außerdem müssen die Kreditraten gezahlt werden, die für die Sanierung des Pferdebahnmuseums fällig werden. Der Ausfall der Einnahmen trifft uns hart“, sagte Lippert.

Den Kopf in den Sand stecken wollen er und die Vereinsmitglieder nicht. „Schließlich sind andere noch schlimmer dran. Jammern bringt uns nicht weiter. Wir wollen den Verlust durch eigene Kraft und neue Ideen ersetzen“, so der Vereinschef. Außerdem sei in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet, Geld zurückgelegt worden.

„Wir sind dankbar, dass wir seit dem 4. Juli wieder fahren können. Am ersten Fahrtag war die Auslastung noch nicht so gut, weil viele Leute Bedenken hatten. Im August wurde es merklich besser und im September war die Nachfrage nach unseren Fahrten unglaublich“, sagte Lippert. 204 Fahrgäste zählten die Vereinsmitglieder, so viele wie selten. 

Und auch am Sonnabend waren die Fahrten ausgebucht. Schon im Vorfeld wussten die Pferdebahner, dass die Nachfrage nicht innerhalb der regulären Fahrten abgedeckt werden kann. Doch auch dieses Problem haben wir gelöst“, so Lippert. Viel mehr Fahrten könnten allerdings an einem Tag nicht angeboten werden, da dann das Pferd an seine Kapazitätsgrenze komme.

Eine Woche nach dem Schulanfang gab es noch eine Sonderfahrt mit der Pferdebahn in Döbeln für Klara mit Schwester Ida (li.) und Christan und Christina (re.).
Eine Woche nach dem Schulanfang gab es noch eine Sonderfahrt mit der Pferdebahn in Döbeln für Klara mit Schwester Ida (li.) und Christan und Christina (re.). © Thomas Kube

Gelungene Zuckertütenaktion

Auch wenn die Saison am Sonnabend offiziell beendet wurde, bleibt die Pferdebahn in den nächsten Wochen nicht im Depot. Es stehen noch einige Sonderfahrten an, die unter anderem Reisebüros gebucht haben. 

Besonders gelungen schätzt der Vereinsvorsitzende die Zuckertütenfahrt für Döbelner Schulanfänger ein. „Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn 30 Schulkinder mit ihren Eltern unser Angebot wahrnehmen.“

Dabei kommen 80 Prozent der Fahrgäste nicht aus Döbeln. Das hätte der Verein in den nächsten Jahren gern geändert.  „Wir unterbreiten mit unserem lebendigen Museum ein ideales Angebot für Kinder und Erwachsene“, so Lippert. Im Museum können sich die Besucher über die Historie der Pferdestraßenbahn als erstes Verkehrsmittel für viele Menschen ansehen und danach selbst mit einer solchen fahren. Das erlebten die Mädchen und Jungen der Geschwister-Scholl-Schule in Roßwein bereits an einem Schultag, bei dem es um das Leben wie vor 100 Jahren ging.

 „Das Thema ist ausbaufähig“, sagte der Vereinschef. Der hat auch schon einen Fördermittelantrag beim Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen gestellt. Mit der finanziellen Unterstützung soll ein Erlebnisbereich für Kinder entstehen. „Das Thema Pferd ist unendlich ausbaubar“, so Lippert.

Familienfeiern im Pferdebahnwagon

Es gibt eine weitere Idee, um für die Leute in der Region und Gäste attraktiver zu werden. Es geht um die Nutzung des sogenannten Neucháteler Wagens. Der steht auf einem Sockel im Garten des Pferdebahnmuseums und macht von Weitem auf dieses aufmerksam. 

Der Wagen, den der Verein seit dem Jahr 2002 besitzt, kam nie zum Einsatz, weil sein Achsabstand für die Döbelner Schienen zu groß ist. Dadurch wäre er auf der Pferdebahnstrecke nicht um die Kurven gekommen. Nun soll der Wagen nicht nur herumstehen, sondern auch genutzt werden. „Zum Beispiel für Familienfeiern vermietet werden. Wir glauben, dass es dafür Interessenten gibt“, sagte Jörg Lippert. Die Idee gebe es schon länger. 

Nun sei mit der Abdichtung des Daches der erste Schritt gemacht worden. Um den Wagen nutzen zu können, müssen allerdings noch eine Treppe an- und Möbel eingebaut werden.

Ein Pferdebahnwagen wird auf den Sockel hinter das Depot gehoben. Er soll auf das Museum aufmerksam machen.
Ein Pferdebahnwagen wird auf den Sockel hinter das Depot gehoben. Er soll auf das Museum aufmerksam machen. © Dietmar Thomas

Zufrieden ist der Vereinschef mit dem steigenden Bekanntheitsgrad, auch international. Viele Bausteine haben dazu beigetragen. Dazu gehören die Auszeichnung des Ostdeutschen Sparkassenverbandes als Verein des Jahres, die Publikationen in Fachzeitschriften , die Mitarbeit in der internationalen Arbeitsgruppe für den historischen Nahverkehr und nicht zuletzt durch den Beitrag des Döbelner Comedians und Moderators Thomas Böttcher, der in „Böttcher schafft das!“, die Pferdebahn noch bekannter machte.

Thomas Böttcher fährt für die Dreharbeiten für "Böttcher schafft das!" mit der Döbelner Pferdebahn.
Thomas Böttcher fährt für die Dreharbeiten für "Böttcher schafft das!" mit der Döbelner Pferdebahn. © Jens Hoyer

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