merken
PLUS Döbeln

Großweitzschen will Wohnblock verkaufen

Die Gemeinde will sich nach und nach von Wohneigentum trennen. Nun ist ein Wohnblock in Westewitz an der Reihe. Dort wurde 2020 ein Brand gelegt.

Die Wohnblöcke Am Waldrand 83 und 84 in Westewitz sehen äußerlich heruntergekommen aus. 2020 brannte es in einem der Eingänge, nun will die Gemeinde das Wohneigentum loswerden.
Die Wohnblöcke Am Waldrand 83 und 84 in Westewitz sehen äußerlich heruntergekommen aus. 2020 brannte es in einem der Eingänge, nun will die Gemeinde das Wohneigentum loswerden. © Dietmar Thomas

Großweitzschen. Etwa 120 Wohnungen in Westewitz und Gallschütz gehören der Gemeinde Großweitzschen. Das Managen der Mietflächen ist für die Verwaltungsmitarbeiter eine große Belastung. Zudem sind die Kosten für Bauarbeiten in einigen baufälligen Wohnungen für die Gemeinde auch nur schwer tragbar.

Deshalb will sich die Verwaltung vom Wohnbesitz trennen. In der vergangenen Sitzung trennte sich die Gemeinde bereits vom Wohnkomplex an der Muldenstraße 10a sowie von einer Eigentumswohnung an der Kleinweitzschener Straße. Nun standen die Wohnblöcke Am Waldrand 83 und 84 in Westewitz auf der Tagesordnung des Gemeinderates.

Anzeige
Nachhaltig heizen mit Sonne und Holz
Nachhaltig heizen mit Sonne und Holz

Ratgeber zur Planung einer Anlage aus wasserführendem Kaminofen und Solarthermie.

Bürgermeister Jörg Burkert (parteilos) appellierte an die Mitglieder, dem Verkauf der 80 Wohneinheiten zuzustimmen. „Nach einer Vor-Ortbegehung mit dem Verwaltungsausschuss haben wir übereinstimmend festgestellt, dass durch den erheblichen Instandhaltungsstau ein Verkauf dringend geboten ist“, so das Gemeindeoberhaupt.

Großweitzschen fehlt das Geld für Sanierung

„Die grundhafte Sanierung der Wohnblöcke überschreitet in hohem Maße unsere finanziellen Mittel.“ Großweitzschens Kämmerin Elke Görs ergänzte: „Das Wohnungswesen ist keine Pflichtaufgabe einer Kommune. Da das Geld für eine Komplettsanierung fehlt und mit dem Verkauf würden wir Geld einnehmen, das an anderer Stelle mehr gebraucht wird.“

Denn schon die Arbeiten nach dem Brand im Wohnblock Nummer 83 im vergangenen Jahr hat die Gemeindekasse belastet. In der Nacht zum 9. September legte ein Unbekannter Feuer im Keller. Die Polizei stellte schnell fest, dass es sich um eine Brandstiftung handelte. Die darüberliegenden Wohnungen waren im Anschluss vorübergehend unbewohnbar und die Gemeinde musste mithilfe von Bauunternehmen die Schäden schnell wieder entfernen.

Ist der Verkauf der Wohnblöcke Am Waldrand in Westewitz ein Verlust für die Gemeinde Großweitzschen?
Ist der Verkauf der Wohnblöcke Am Waldrand in Westewitz ein Verlust für die Gemeinde Großweitzschen? © Dietmar Thomas

Um weitere Sanierungskosten zu vermeiden, legte die Verwaltung den Gemeinderäten nun eine Vorlage zum Verkaufsbeschluss vor. Doch neben Verständnis gab es bei einigen Räten auch Sorge. Sven Krawczyk (CDU) fragte sich unter anderem, ob die Gemeinde mit dem Verkauf nicht eher ein Verlustgeschäft eingeht.

„Einen Teil unseres Anlagevermögens zu verkaufen, ist eine schwere Entscheidung“, sagte er. Kämmerin Elke Görs wies jedoch darauf hin, dass gerade Kosten für notwendige Instandsetzungsarbeiten und für die Verwaltungsarbeit wegfallen würden. „Das sind keine Verluste, sondern Einnahmen für die Gemeindekasse.“

Gemeinderäten stimmen Verkauf zu

Krawczyk wollte ebenfalls wissen, ob die geplante Installation eines Gasanschlusses noch durchgeführt werde. Bürgermeister Jörg Burkert konnte darauf keine klare Antwort geben. „Derzeit gibt es mangelnde Kapazitäten für solche Arbeiten“, sagte er.

Kämmerin Elke Görs warf die Frage auf, ob überhaupt noch Geld in die Häuser gesteckt werden sollte. „Investitionen vor dem Verkauf? Das kann und sollte sich die Gemeinde nicht leisten.“ Thomas Philipp (Freie Wähler) entgegnet: „Das könnte aber ein gutes Verkaufsargument sein.“

Sein Ratskollege Johannes Pester sorgte sich hingegen um die Anwohner. „Zwei Eingänge sind leer, der Rest bewohnt. Hier muss die Gemeinde viele Detailfragen klären, die vor allem im Sinne der Anwohner sein müssen“, betonte er. Doch dieser Aufgabe wolle sich der Bürgermeister stellen, wie er sagte.

Mit einer Mehrheit der Räte stimmte der Gemeinderat dem Verkauf der Blöcke zu. Nun müsse zu den Häusern ein Wertgutachten eingeholt werden, um sie im Anschluss öffentlich auszuschreiben. Nach der Ausschreibung der Objekte erfolgte dann erst die Beratung zu den Angeboten und der endgültige Beschluss zum Verkauf durch den Gemeinderat.

Fakt sei jedoch eines, so Bürgermeister Burkert. Da die beiden Wohnblöcke auf insgesamt drei großen Flurstücken liegen, soll eine klare Linie gezogen werden, um festzustellen was verkauft wird und was nicht. Daher beschlossen die Gemeinderäte auch nur den Verkauf von Teilflächen.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln