Roßwein. Wie jeden Montag haben sich die Teilnehmer der Demo auf dem Roßweiner Marktplatz versammelt. Dieses Mal ist aber etwas anders. Am Tag, an dem das Großmanöver der Nato „Air Defender 2023“ begonnen hat, wollen die Roßweiner ein besonderes Zeichen für den Frieden setzen. „Wir wollen zeigen, dass wir dagegen sind, dass die Nato hier bei uns den Krieg probt“, sagte Sprecher Kay Hanisch.
Kritik auch gegen die Bundesregierung
Kritik wird aber nicht nur an dem Manöver laut. Hanisch richtet sich in seiner Rede auch gegen die Bundesregierung und deren Energie- und Finanzpolitik. „2,4 Millionen Liter Kerosin wurden für die Großübung in das mobile Kraftstofflager verbracht. Und uns erzählt die Regierung, dass wir uns E-Autos und Lastenfahrräder kaufen sollen“, so Hanisch unter dem Beifall der rund 60 Teilnehmer.
Für Bildung und Kitas sei kein Geld da und dort würden Millionen fließen. „Das zeigt wieder einmal, dass die eigene Bevölkerung offensichtlich nicht zu den Prioritäten zählt“, so Hanisch.
Obwohl das Manöver schon seit 2018 - also lange vor Beginn des Krieges in der Ukraine - geplant gewesen sein soll, sieht Hanisch darin auch eine Provokation gegen Russland. „Ich halte das für hochgefährlich“, so der Redner weiter. Es gebe genügend Möglichkeiten, Konflikte friedlich zu lösen. „Wir brauchen keine Konfrontation, sondern Kooperation.“
Friedensbewegung ruft zu Protest auf
Im Anschluss lassen die Teilnehmer die mit Helium gefüllten Luftballons aufsteigen. „Von deutschem Boden darf kein Krieg ausgehen - Stopp Air Defender 2023“ steht in weißer Schrift auf rund den 60 blauen Luftballons. Wie Hanisch erklärte, hat die Initiative für Frieden und Abrüstung Dahme-Spreewald zu dem Protest aufgerufen und die Ballons gesponsert.
Seit September vergangenen Jahres treffen sich Bürger aus Roßwein und Umgebung an jedem Montagabend vor allem, um ihrem Ärger über die Politik der Bundesregierung Luft zu machen. Hauptsächlich die explosionsartig steigenden Energie- und Lebensmittelpreise hatten die Demonstranten im Herbst auf den Plan gerufen.
Parteienunabhängige Veranstaltung
Initiatorin Sonja Pflug aus Roßwein hatte immer wieder betont, dass die Veranstaltungen parteienunabhängig sind, die Demonstranten sich nicht von rechten oder linken Gruppierungen unterwandern lassen wollen. Dennoch hatten das vor allem die Freien Sachsen mehrmals versucht.
Dieses Mal wurden weder die Versammlung vor dem Rathaus noch der anschließende Spaziergang gestört. Der Umzug wurde von der Polizei abgesichert.