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Striegistalradweg vor den nächsten Hürden

Die Bürokratie bei diesem Vorhaben scheint grenzenlos. Für ein kleines Teilstück muss Flora und Fauna ein weiteres Mal beobachtet werden.

Seit zehn Jahren gibt es die Initiative „Pro Striegistalradweg“. Nach ihren Möglichkeiten versuchen die Männer und Frauen, das Projekt voranzubringen.
Seit zehn Jahren gibt es die Initiative „Pro Striegistalradweg“. Nach ihren Möglichkeiten versuchen die Männer und Frauen, das Projekt voranzubringen. © Stadtverwaltung Hainichen

Roßwein/Striegistal/Hainichen. Für einen Fernsehbeitrag haben die Urgesteine der Initiative „Pro Striegistalradweg“ vor kurzem einige Engagierte zusammengetrommelt. Mit dabei war auch Hainichens Oberbürgermeister Dieter Greysinger (SPD), der sich seit längerem für die Anliegerkommunen Hainichen, Roßwein und Striegistal um dieses Projekt kümmert.

Dabei scheint Greysingers Optimismus trotz einiger Rückschläge unversiegbar zu sein: „Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir den überwiegenden Teil der Wegstrecke bereits hinter uns gebracht haben.“

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Ein steiniges Stück des Weges liegt aber noch vor den Kommunen, die zugleich als Bauherren auftreten – wenn es denn einen Planfeststellungsbeschluss und damit Baurecht gibt. Davon sind Anlieger und Befürworter aber für das nur ein Kilometer lange Stück zwischen Krumbach und Kratzmühle so weit entfernt wie selten zuvor.

„Nachdem das Verwaltungsgericht Chemnitz im Oktober 2020 festgestellt hatte, dass auch dieser Abschnitt nicht als bundesstraßenbegleitender Radweg durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, sondern als Alltagsradweg durch die Anliegerkommunen realisiert werden muss, sind wir nun für die gesamte Planung zuständig“, so Greysinger.

Neues Artenschutzgutachten ist nötig

Dies bedeute auch, dass die Gemeinden eine neuerliche Artenerfassung in Auftrag geben müssen. Die vorhandene Kartierung liege zu lange zurück, so die Meinung der Behörden. Deshalb soll dem Hainichener Rathauschef zufolge im Spätsommer mit den nochmaligen Beobachtungen von Flora und Fauna begonnen werden.

Greysinger geht davon aus, dass die Ergebnisse ein Jahr später vorliegen werden. Dann könne die Planung für den sogenannten Abschnitt 2.1. zwischen Krumbach und Kratzmühle bei der Landesdirektion eingereicht werden.

Für die Folgeabschnitte von der Kratzmühle bis zum fertigen Radwegstück Niederstriegis ist das längst passiert und die erste Auslegungsrunde bereits abgeschlossen. Nach der Beteiligung von Behörden und Umweltverbänden war eine Überarbeitung der mehrere Aktenordner füllenden Unterlagen nötig.

Die hat das Planungsbüro Liebold Architekten & Ingenieure aus Hainichen mittlerweile erledigt. Dieter Greysinger geht davon aus, dass die erneute Auslage in den Rathäusern in der zweiten Jahreshälfte 2021 erfolgen kann.

Hainichener Bürgermeister geht von Klagen aus

Findet der überarbeitete Entwurf Zustimmung, könnte es Anfang 2022 einen Feststellungsbeschluss geben – was einem Baustart gleichzusetzen ist. Theoretisch. Denn praktisch ist auch Greysinger insoweit Realist, dass er mit einer Klage gegen einen positiven Planfeststellungsbescheid rechnet: „Das hat ein kleiner Umweltverband schon mehrfach angekündigt.“

Dabei gab und gibt es nach wie vor Kompromisse seitens der Radwegplaner und potenziellen Nutzer. So wird der Striegstalradweg nicht durchweg auf ehemaligen Gleisen von Roßwein nach Hainichen führen.

Dort, wo schützenswerte Tier- und Pflanzenarten festgestellt worden sind, ist ein Abrücken vom einstigen Bahntrassenverlauf vorgesehen, müssen die Radler später im wahrsten Wortsinn vom Weg der Eisenbahn abkommen.

Dieter Greysinger entwickelt Vision für Radweg

Bis es soweit ist, und das ist allen Beteiligten klar, wird es noch dauern. Der Finanzierung des Weges sieht Dieter Greysinger mehr als optimistisch entgegen, nachdem Deutschland immer radfreundlicher werden will, es eine Vielzahl Fördermöglichkeiten gibt.

„Fördermittel stehen im Programm von Bund und Freistaat aktuell in beträchtlicher Höhe bereit“, denkt der Bürgermeister. Fest steht, dass sich auch die Kommunen finanziell beteiligen müssen – in welchem Umfang, ist noch offen.

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Für Greysinger steht als Vision, dass der Striegistalradweg – zum überwiegenden Teil – bis 2025 fertig und nutzbar ist. Dann ist die Region Chemnitz Kulturhauptstadt Europas. Und dann lägen zwischen den ersten Planungen und der Beinahe-Fertigstellung mehr als 20 Jahre.

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