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Rauschenthaler Wanderweg: Keine Einigung in Sicht

Wie lange der beliebte Wanderweg in Waldheim noch gesperrt bleiben muss, ist unklar. Es gibt Streit ums Geld. Die Bürger ärgert das.

Mike Woletz (links) und Silvio Seydel von der Forstbetriebsgemeinschaft Erzgebirge-Chemnitzer Land begutachten die schadhaften Fichten am Rauschenthaler Weg.
Mike Woletz (links) und Silvio Seydel von der Forstbetriebsgemeinschaft Erzgebirge-Chemnitzer Land begutachten die schadhaften Fichten am Rauschenthaler Weg. © Elke Braun

Waldheim. Seit wenigen Tagen hängt ein Zettel an den Sperrbaken des Rauschenthaler Weges in Waldheim. Mit „Verraten und verkauft“ ist er überschrieben.

Die Einwohner würden zum wiederholten Mal um ein Stück Lebensqualität gebracht, steht darauf. Zum wiederholten Mal deshalb, weil auch die Sperrung der Brücke in Kriebethal vor einigen Jahren für viel Unmut gesorgt hatte.

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Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Damals hatte der private Eigentümer Hans-Rolf Küpper, der zu dieser Zeit Vorsitzender des Kleinbahnvereins war, die Brücke und damit die direkte Verbindung zwischen Waldheim und Rauschenthal gekappt – angeblich, weil der Fußgängersteg marode sei.

Offene Fragen zur öffentlichen Widmung des Weges

Seit Oktober 2013 ist die Brücke wieder geöffnet. Dafür hatte sich unter anderem eine Bürgerinitiative „Pro Zschopautaltradweg“ stark gemacht.

Wer das Schriftstück jetzt am Rauschenthaler Weg angebracht hat, ist nicht bekannt. Gesperrt ist der Wanderweg seit dem 12. Mai, weil durch Borkenkäfer geschädigte Bäume drohen, umzustürzen. Dadurch ist eine große Gefahr für die Nutzer des Weges entstanden, die Sperrung unumgänglich gewesen.

So wie es derzeit aussieht, wird sich an der Situation zumindest zeitnah nichts ändern. Die Stadt Waldheim und der private Waldbesitzer liegen im Clinch. Wie berichtet, geht die Stadtverwaltung davon aus, dass der Eigentümer zur Beseitigung der schadhaften Bäume verpflichtet ist. Der jedoch sieht noch zu viele offene Fragen, vor allem was die öffentliche Widmung des Weges betrifft.

Eigentümer oder Stadt Waldheim in der Pflicht?

Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Erzgebirge-Chemnitzer Land bewirtschaftet für den Eigentümer das Waldstück. „Nach Prüfung aller Unterlagen und einer erneuten Vermessung hat sich bestätigt, dass der von der Stadt Waldheim öffentlich gewidmete Weg und der tatsächliche Verlauf nicht identisch sind“, erklärt Geschäftsführer Silvio Seydel anhand einer Flurstückskarte.

Tatsächlich läuft danach der öffentlich gewidmete Weg aus Richtung Waldheim wenige Meter weiter links, nah am Ufer der Zschopau entlang.

„Durch diese fehlerhafte Widmung handelt es sich bei dem tatsächlichen Verlauf rein rechtlich um einen normalen Waldweg und dem Waldbesitzer obliegt keine Verkehrssicherungspflicht. Auf einem Waldweg gilt immer: Betreten auf eigene Gefahr“, erklärt Mike Woletz, Vorsitzender der FBG Chemnitz-Erzgebirge. Aus seiner Sicht sei der Weg durch die Stadt so ertüchtigt worden, dass eine forstwirtschaftliche Nutzung nicht mehr möglich sei.

Schwere Technik nicht einsetzbar

Mit schwerer Technik in den Wald zu gelangen, um die schadhaften Bäume zu fällen und abzutransportieren, sei nahezu ausgeschlossen und das eben habe nicht der Waldbesitzer, sondern die Kommune zu verantworten.

Eine Möglichkeit, die von den Bäumen ausgehende Gefahr zu beseitigen, sehen die Fachleute darin, die betroffenen rund 250 Fichten lediglich zu fällen und liegen zu lassen. Damit entfallen für den Waldbesitzer zwar die Einnahmen durch den Verkauf des Holzes, „der finanzielle Aufwand für den Abtransport liegt jedoch um ein Vielfaches höher, da alles manuell erledigt werden muss“, erklärt Woletz.

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Woletz und Seydel hoffen, dass sich die Fronten zwischen Waldbesitzer und Stadt nicht noch weiter verhärten. Ziel des Eigentümers sei es, „aus der Geschichte finanziell Plusminus Null herauszugehen“, erklärt Woletz.

„Wir sind kompromissbereit und haben die Stadt schon mehrfach angeschrieben. Eine Antwort haben wir noch nicht erhalten“, so Woletz. Aus seiner Sicht müsse ein Gestaltungsvertrag geschlossen werden, in dem unter anderem die Verkehrssicherungspflicht geregelt wird.

Dringender Handlungsbedarf

Und die Zeit drängt. „Der Zustand der Bäume wird nicht besser, im Gegenteil. Wenn noch lange gewartet wird, können wir keine Waldarbeiter mehr in das Gebiet lassen“, so Woletz.

Kompromissbereitschaft hat auch die Stadt signalisiert. Wie berichtet, hatte sich zu Beginn der Verhandlungen auch schon eine Lösung angebahnt, wollte sich die Stadt an den Kosten beteiligen. Auf Veranlassung der Kommune sind an dem Wanderweg Bänke aufgestellt worden. Die sind inzwischen weggeräumt.

Als der Waldbesitzer der Stadt mitteilte, dass er aufgrund der offenbar fehlerhaften Widmung des Weges Probleme sieht und von einer höheren Kostenbeteiligung der Stadt ausgeht, hatte ihm die Verwaltung zunächst eine Anhörung geschickt und auf seine Verkehrssicherungspflicht hingewiesen.

Der Rauschenthaler Weg ist bei den Waldheimern sehr beliebt, führt er doch durch eine landschaftlich reizvolle Gegend direkt nach Kriebethal und zur Burg Kriebstein. Zwar gibt es eine Umleitung über Neuschönberg, die jedoch weniger attraktiv und darüber hinaus etwa drei Kilometer länger ist.

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