Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Döbeln
Merken

Public Viewing: Wie die Döbelner den Fußballkrimi erlebt haben

Zum Viertelfinale der Europameisterschaft fieberten die Fußballfans gemeinsam im WelWel mit. Hochspannend blieb es bis zum Schluss.

Von Annemarie Banek
 3 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Nach dem Siegtreffer Spaniens in der 119. Minute macht sich bei den Fußballfans Enttäuschung breit.
Nach dem Siegtreffer Spaniens in der 119. Minute macht sich bei den Fußballfans Enttäuschung breit. © Foto: Lutz Weidler

Döbeln. Schwarz-rot-gelbe Blumenketten, Vuvuzelas, Deutschlandfahnen und Fußballfans in Trikots von Kroos, Musiala und CO. Das WelWel ist am Freitagabend im EM-Fieber. Das Viertelfinale, in dem Deutschland gegen das spanische Team antritt, lockt viele Zuschauer zum Public Viewing in das Sport- und Freizeitzentrum in Döbeln.

„Anfänglich hat sich die Euphorie hier in Grenzen gehalten, weil Deutschland in den letzten Fußballmeisterschaften so früh rausgeflogen ist. Zu den Übertragungen der Gruppenspiele sind deswegen nur wenige Zuschauer ins WelWel gekommen“, sagt Mitarbeiter Anthony Homann.

Packendes Turnier

Die zunächst gelassenen Fans fiebern nach dem Anpfiff sofort mit, denn die Gegner sind stark und das Spiel ist hart umkämpft. Die Fußballfans im WelWel vertreten sich in der Pause draußen die Beine, diskutieren den Spielverlauf und holen Biernachschub.

Christoph Brendler ist heute zum ersten Mal beim Public Viewing in Döbeln dabei. Als Handballspieler schlägt sein Herz nicht unbedingt für Fußball, aber wenn Deutschland spielt, könne man schon mal eine Ausnahme machen, findet er. „Ich habe allerdings das Gefühl, dass wir heute verlieren werden, aber wir wollen mal optimistisch bleiben.“ Falls es mit dem Sieg nicht klappt, hat er einen Trost. „Dann gehe ich heute mit Freunden noch 1-2 Bierchen trinken. Aber nicht mehr, denn morgen heiratet ein Kumpel und dann feiern wir erstmal das Fest der Liebe.“

Fouls, Gelbe Karten und Fehlschüsse

In der zweiten Spielhälfte geht das packende Turnier weiter. Die Fans ärgern sich über den Treffer Spaniens, jede verpasste Torchance Deutschlands, Fouls, gelbe Karten und applaudieren, als Niclas Füllkrug eingewechselt wird. In der 89. Minute, kurz vor Abpfiff folgt der Ausgleich.

Die Döbelner springen von den Stühlen auf und jubeln. „Ja, wir gewinnen noch!“, ist sich der siebenjährige Alexander sicher. „Das Spiel ist wirklich spannend, ein Nervenkitzel“, sagt Alexanders Vater Marco. Zusammen haben sich beide fast jedes Spiel der EM angeschaut und drücken der Mannschaft fest die Daumen. Und wenn Deutschland heute verliert und aus dem Turnier ausscheidet? „Ausrasten“, sagt Alexander trocken und auch sein Vater ist ratlos, einen Notfallplan hätte er dann nicht.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram
Als Florian Wirtz in der 89. Minute den Ausgleich für Deutschland erzielt, jubeln die Fans.
Als Florian Wirtz in der 89. Minute den Ausgleich für Deutschland erzielt, jubeln die Fans. © Foto: Lutz Weidler

Hingegen würde die zehnjährige Xenia eine Niederlage sportlich nehmen. „Hauptsache, man hat Spaß“, so Xenia und tippt auf Spanien als EM-Meister. „Aber ich hoffe trotzdem, dass wir noch ein Tor schießen.“ Pünktlich zur Verlängerung hat es Falk Hauf ins WelWel geschafft und sieht den letzten Minuten des Turniers aufmerksam zu.

Der 39-Jährige aus Bayern ist auf der Durchreise ins Erzgebirge und hat während der Fahrt das Spiel im Radio verfolgt. Hauf ist Amateurfußballer und findet das Match spannend und ziemlich nervenaufreibend. „Bestimmt wird es Elfmeterschießen geben“, vermutet er und ist überzeugt, dass Deutschland das für sich entscheidet.

Die Fußballfans im WelWel erlebten am Freitag ein Wechselbad der Gefühle. Bis in die letzten Minuten der Verlängerung blieb es spannend.
Die Fußballfans im WelWel erlebten am Freitag ein Wechselbad der Gefühle. Bis in die letzten Minuten der Verlängerung blieb es spannend. © Foto: Lutz Weidler

Dazu kommt es aber nicht mehr, denn in letzter Minute schießt der Spanier Mikel Merino ein Tor. Lange Gesichter bei den Fans im WelWel, von denen sich viele zügig auf den Rückweg machen. Auch Justin Schlag ist von der Niederlage des deutschen Teams enttäuscht. „Ich habe wirklich gehofft, dass es zu unseren Gunsten ausgeht, aber das hat leider nicht funktioniert“, so der 22-Jährige.

Dennoch wird Justin Schlag, der selbst beim SV 52 Zschaitz kickt, das nächste EM-Spiel zwischen Portugal und Frankreich, das noch am selben Abend stattfindet, anschauen. Und bleibt angesichts des bitteren Aus Deutschlands pragmatisch: „Es gibt ja schließlich noch mehr Europameisterschaften.“