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Regiobus fährt 750.000 Euro Verlust ein

Der Freistaat Sachsen will den Verkehrsunternehmen mit einem Rettungsschirm helfen. Keine Lösung gibt es beim Schülerticket.

Knapp 80.000 Euro hat Regiobus Mittelsachsen in Schutz- und Hygienemaßnahmen, wie Schutzfolie im Fahrerbereich der Busse, zusätzlich investiert.
Knapp 80.000 Euro hat Regiobus Mittelsachsen in Schutz- und Hygienemaßnahmen, wie Schutzfolie im Fahrerbereich der Busse, zusätzlich investiert. © Landratsamt Mittelsachsen

Mittelsachsen. Kaum Fahrgäste, Schutzausrüstung in den Bussen und mehr Material und Zeitaufwand fürs Reinigen der Fahrzeuge: Corona hat den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) getroffen. Der Freistaat will nun auch den Verkehrsunternehmen helfen. Und hat die Richtlinien für einen ÖPNV-Rettungsschirm auf den Weg gebracht. Doch wie groß ist das Loch, das Corona in die Kasse des Verkehrsverbundes Mittelsachsen gerissen hat?

Der VMS selbst hält sich dazu noch bedeckt. „Zurzeit sind keine Aussagen möglich zu den Kosten, die uns durch Corona entstanden sind“, richtete Falk Ester, Sprecher des VMS, auf Nachfrage aus. Auch möglich Unwägbarkeiten seien noch nicht aufgelistet, hieß es weiter. 

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Im Rahmen der Verbandsversammlung Ende Juni machte Matthias Korda, Geschäftsbereichsleiter Verkehr/Infrastruktur beim VMS, deutlich, dass die Auslastung der Fahrzeuge des ÖPNV während des Lockdown teilweise auf null bis zehn Prozent gesunken sei. 

„Es saß faktisch niemand mehr im Zug“, hieß es. Obwohl der Fahrplan ausgedünnt wurde, die Busse nach Ferienfahrplan fuhren, seien die Kosten für Personal, Fahrzeuge und Instandhaltung geblieben. Es sei lediglich ein bisschen weniger Energie verbraucht worden.

In einer früheren Anfrage an den VMS wurde von 30 Millionen Euro Verlust ausgegangen, die den 17 Verkehrsunternehmen, die im Bereich des Verkehrsverbundes aktiv sind, im Corona-Jahr 2020 entstehen werden.

80.000 Euro für Schutz und Hygiene

Konkreter wird Henning Schmidt, Bereichsleiter Verkehr beim Verkehrsunternehmen Regiobus Mittelsachsen. „Der Ausfall an Fahrgeldeinnahmen im Linienverkehr beläuft sich für das Jahr 2020 auf etwa 750.000 Euro“, teilte Schmidt mit.

Hinzukämen die zusätzlichen Aufwendungen für Schutz- und Hygienemaßnahmen. Für diese seien bisher rund 80.000 Euro notwendig gewesen. Unter anderem hatte Regiobus in den meisten Fahrzeugen eine Schutzfolie im Fahrerbreich installieren lassen. Seitdem können die Fahrgäste den Bus auch über die vorderen Türen wieder betreten und beim Fahrer auch ein Ticket kaufen.

Regiobus ist optimistisch, trotz der zusätzlichen Ausgaben in diesem Jahr sowie den Verlusten an Fahrgasteinnahmen an wichtigen Vorhaben für die Zukunft festhalten zu können. Neben Investitionen in neue Fahrzeuge gehört dazu auch die Weiterentwicklung eines neuen Verkehrsmanagementsystems in Zusammenarbeit mit dem VMS. 

Ziel ist hier unter anderem, dass der Kunde über eine dynamische Anzeige in Echtzeit über die Fahrzeiten der Busse Auskunft erhält. „Ähnlich dem System, wie die Kunden es von den Bahnhöfen kennen“, erklärt Henning Schmidt. Ist das System aktiv, wird den Kunden die gewünschte Information auch mittels einer App auf dem Smartphone angezeigt.

Für die Verkehrsunternehmen und den VMS sei das laut Schmidt ein riesiges Projekt. Zurzeit sei man hier mitten drin. Einen Termin, wann mit den ersten Anzeigen in Echtzeit zu rechnen sei, wollte Schmidt aber noch nicht benennen. Die Fahrzeuge in Döbeln sowie Mittweida seien allerdings bereits umgerüstet. 

Erkennbar sei dies unter anderem auch an dem neuen Bezahlsystem in den Bussen. Jenes ermöglicht den Kunden seit dem Frühjahr, Tickets auch mit EC- oder Kreditkarte und somit bargeldlos zu bezahlen. Die Umrüstung der Fahrzeuge für den Bereich Freiberg würde jetzt in Angriff genommen.

Doch auf den Bereich Reiseverkehr wird sich die Krise Schmidt zu folge einschneidend auswirken. „Es wird zu Abweichungen der geplanten Entwicklungen kommen.“ Geplant sei, die Vertriebsstruktur zu straffen. Größere Reisebüros, wie beispielsweise in Döbeln, sollen erhalten bleiben. Zudem werden geplante Investitionen in den Fuhrpark unter Beobachtung der weiteren Pandemieentwicklung zeitlich nach hinten verschoben, so Schmidt.

Schülerticket bleibt Thema

Weiter Thema bleibt die von den Eltern geforderte, teilweise Rückerstattung von Elternbeiträgen für das Schülerticket. Mehr als 500 mündliche und schriftliche Beschwerden gingen diesbezüglich beim VMS ein, der den Schülerverkehr im Landkreis organisiert. Und auch die AfD-Fraktion im Kreistag hat sich dem Thema angenommen. Sie stellte einen entsprechenden Antrag im Kreistag. 

Über diesen wird in der nächsten Sitzung am Mittwoch entschieden. Auch die Fraktion Die Linke unterstützt die Forderung. Zwischen Mitte März und Anfang Mai waren in Sachsen die Schulen geschlossen. Damit sind auch die Busfahrten ausgefallen. Doch für diese haben die Eltern bereits gezahlt.

Aber die Aussicht auf Erfolg des Antrags scheint gering. Schon einmal ist das Thema sowohl von der Verwaltung des Landkreises als auch vom VMS vom Tisch gewischt worden (Sächsische.de). 

Zum einen lasse die Satzung die Rückerstattung nicht zu, äußerte sich Dr. Lothar Beier, erster Beigeordneter des Landrates und zuständig für die Bereiche Kreisentwicklung, Umwelt, Verkehr und Technik. Problematisch sei der Zeitraum für die Rückerstattung. Vom 23. März bis zum 19. April fuhren die Busse im Ferienbetrieb. Das könnte als Grundlage genommen werden.

Beier verwies aber auch auf hohe Verwaltungskosten, die entstehen würden. Beier und VMS betonten den ohnehin geringen Anteil, den Eltern für das Schülerticket zahlen. Für die Tickets für die rund 4.000 Grund- und Förderschüler, die den Bus nutzen, zahlen Eltern 1,50 Euro Eigenanteil pro Monat, für die knapp 9.000 Schüler ab der fünften Klasse 11,25 Euro pro Monat.

Laut VMS-Sprecher Falk Ester hat sich an den Standpunkten des VMS seit Beginn der Debatte im Juli nichts geändert. Der Verkehrsverbund hatte auf die rund 160 schriftlich eingegangenen Beschwerden vonseiten der Eltern mit einer Rechtsbehelfsbelehrung und einem Brief reagiert, in dem die Position des VMS erläutert wurde. 

„Auf das Schreiben reagierten die Eltern zu 99 Prozent gar nicht“, sagt Falk Ester nun auf Anfrage. Der VMS gehe daher von einer Akzeptanz der Situation aus.

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„Geschätzt ein Prozent schrieben daraufhin, dass sie gern einen Bescheid mit entsprechendem Rechtsbehelf begehren“, so der VMS-Sprecher weiter. Jene würden je nach Sachlage erstellt und dem Antragsteller übermittelt. „Sollte hierzu ein Widerspruch zum Bescheid eingereicht werden, muss letztendlich ein Widerspruchsbescheid unserer Justiziarin erstellt werden“, meint Ester.

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