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Reisebüros hoffen auf den Sommer

Der Urlaub über Ostern ist praktisch gestrichen. Doch wie steht es mit Buchungen für den Rest des Jahres?

Auch dieses Angebot wird mit hoher Wahrscheinlichkeit den Corona-Bestimmungen zum Opfer fallen.
Auch dieses Angebot wird mit hoher Wahrscheinlichkeit den Corona-Bestimmungen zum Opfer fallen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat mit seiner Absage des Osterurlaubs in Deutschland für ein Aufstöhnen sowohl unter Reisewilligen als auch bei den Reiseveranstaltern gesorgt. Auch wenn er sich in der ARD-Talkrunde „maischberger. die woche“ dafür entschuldigt hat, dass er vielen Menschen die Hoffnung nimmt, so steht er doch zu dieser Aussage.

Mit seiner Aussage habe Kretschmer nicht dazu beigetragen, die Stimmung zu heben, sagt Heike Geßner vom Reiseservice May in Waldheim. Es seien nur wenige Buchungen für die Osterferien innerhalb Deutschlands eingegangen. „Ostern liegt in diesem Jahr relativ zeitig, deshalb war die Nachfrage nicht so groß“, so Heike Geßner. Sie setzt darauf, dass über Pfingsten und den Sommer das Reisen wieder möglich sein wird. „Vor allem die Flugreisen sollten wieder erlaubt werden“, sagt die Reisefachfrau.

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Es herrscht praktisch Beschäftigungsverbot

Dass Reisen im Sommer und Herbst wieder möglich sein werden, hofft auch Irene Johnke vom Reisebüro Topp Tours in Döbeln. „Derzeit haben wir praktisch ein Beschäftigungsverbot“, macht sie ihrem Ärger Luft. Weder Bus- noch Flugreisen seien möglich, auch für den März sei jetzt wieder alles abgesagt. „Ich habe Kunden, die nach Mexiko fliegen wollen, schon dreimal umgebucht und habe ihnen jetzt wieder absagen müssen“, berichtet sie. Angesichts dieser Umstände habe niemand mehr Lust, etwas zu planen.

Ihre Mitarbeiterin sei in Kurzarbeit, eine Planung fast nicht möglich. Sie selbst arbeite im Homeoffice, sei aber über Telefon und E-Mail erreichbar. „Auch die Veranstalter wissen noch nicht, was Sache ist“, so Johnke. Sie bedanke sich bei den Kunden, die ihr bisher die Treue gehalten haben. „Ich hoffe, dass sie auch weiterhin mit meiner Arbeit zufrieden sind.“

„Es wird langsam frustrierend“, sagt eine Angestellte eines Roßweiner Reisebüros, die ihren Namen nicht nennen will. Ihr fehlt die Perspektive. Es mache derzeit keinen Sinn, kurzfristig Reisen zu planen. „So lange die Politik nicht das Okay gibt, passiert nichts“, sagt sie.

Reiseziele in Deutschland gefragt

Sandy Przybilla vom gleichnamigen Reisebüro in Döbeln bestätigt, dass Reisen im Februar und März durch die Veranstalter abgesagt sind. „Die Leute entscheiden sich eher für den Sommer und Herbst“, so Przybilla. Gefragt seien vor allem Reiseziele in Deutschland, aber auch Spanien und Griechenland. Die Preise seien im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben.

Nicht nur die Osterferien stehen auf der Kippe, auch das Geschäft mit dem Sommerurlaub läuft nur zögerlich an. Laut einer Analyse der Forschungsgemeinschaft „Urlaub und Reisen“ haben nur 22 Prozent konkrete Pläne für den Sommer. 24 Prozent würden gerne verreisen, wissen aber nicht, wohin. Und 38 Prozent schwanken noch.

Über Stornobedingungen informieren

Wer trotzdem jetzt für den Sommer buchen möchte, sollte sich bei seinem Reiseveranstalter genau über die Stornierungsbedingungen informieren, sagt ein Experte auf der Internetseite des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

Von einem Pauschalreisevertrag könnten Verbraucher immer dann kostenfrei zurücktreten, wenn unvermeidbare außergewöhnliche Umstände die Reise erheblich beeinträchtigen. Ein starkes Indiz für das Vorliegen solcher Umstände ist eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Angesichts solcher Risiken liegt Urlaub in Deutschland auch 2021 im Trend. Dem Deutschen Ferienhausverband zufolge sind beliebte Ziele an Nord- und Ostsee sowie in der Alpen für die Hauptreisezeit Juli und August bereits jetzt zu etwa 60 Prozent belegt.

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