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Ruhigeres Jahr für Döbelner Feuerwehr

Corona macht sich auch bei den Brandbekämpfern in Döbeln bemerkbar. Die Zahl der Einsätze ist jedoch deutlich gesunken.

Bei einem Kellerbrand in einem Haus am Doblinaweg in Döbeln Nord im September waren viele Feuerwehren aus Döbeln und der Umgebung zusammengezogen worden. Bevor es ans Löschen ging, wurden mehr als 25 Bewohner aus ihren Wohnungen geholt.
Bei einem Kellerbrand in einem Haus am Doblinaweg in Döbeln Nord im September waren viele Feuerwehren aus Döbeln und der Umgebung zusammengezogen worden. Bevor es ans Löschen ging, wurden mehr als 25 Bewohner aus ihren Wohnungen geholt. © Archiv/Dietmar Thomas

Döbeln. Dass das Leben im Corona-Jahr 2020 über weite Strecken heruntergefahren war, spiegelt sich auch im Einsatzgeschehen der Döbelner Feuerwehr wider. Gemeindefeuerwehrleiter Thomas Harnisch hat in seiner Statistik fürs vergangene Jahr 183 Einsätze mit fast 3.250 Einsatzstunden vermerkt. Das ist weniger als im Jahr zuvor. „Es gab auch weniger Türnotöffnungen und Tragehilfen“, sagte er.

Der größte Einsatz des vergangenen Jahres war der Feuerwehr einen eigenen Beitrag bei Facebook wert. Am 10. September waren die meisten Döbelner Ortswehren an einer Einsatzstelle gefragt. Im Haus Doblinaweg war im Keller Feuer gelegt worden.

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Mehr als 25 Bewohner des seniorengerechten Hauses mussten mit Hilfsmitteln über das Treppenhaus und per Drehleiter über die Balkone aus dem Haus geschafft werden. Am Tag zuvor waren die Döbelner Feuerwehrleute schon zu einem ganz ähnlichen Einsatz, einem Kellerbrand, nach Westewitz zur Verstärkung gerufen worden.

46 Personen in Döbeln und Umgebung gerettet

Insgesamt hatte die Döbelner Gemeindewehr 46 Personen bei Bränden und Verkehrsunfällen gerettet. Sieben Personen waren gestorben, die meisten davon sind durch Suizide ums Leben gekommen, sagte Harnisch. Die Hälfte der Einsätze war auf Brände zurückzuführen, die andere Hälfte entfiel auf technische Hilfeleistungen. 33 Mal rückte die Feuerwehr umsonst aus, weil Brandmeldeanlagen falschen Alarm gegeben hatten.

Ansonsten hat Corona auch auf das normale Dienstgeschehen der Feuerwehren deutlichen Einfluss. „Die Dienste sind eingestellt. Es gibt nur noch Einsätze“, sagte Harnisch. Die Wehren machten wöchentlich Meldung, welche der Feuerwehrleute einsatzbereit sind. Ganz ohne Dienste geht es aber doch nicht. Ende des Jahres hatte die Wehr eine neue Drehleiter bekommen.

„Die Einweisung machen wir in ganz kleinen Gruppen“, sagte Harnisch. Nicht nur die Maschinisten seien in die neue Technik einzuweisen, sondern auch das Personal, das den Korb der Drehleiter besetzen wird. Das obligatorische Training der Einsatzkräfte einmal im Jahr auf der Atemschutzstrecke sei nicht möglich. „Belastungsübungen können wir derzeit keine machen“, sagte Harnisch.

Ende des Jahres 2020 hat die Döbelner Feuerwehr eine neue Drehleiter erhalten.
Ende des Jahres 2020 hat die Döbelner Feuerwehr eine neue Drehleiter erhalten. © Dietmar Thomas

Jugendfeuerwehr in Corona-Pause

Dass die Mannschaft trotz der unbefriedigenden Lage dabei bleibt, daran hat Harnisch keine Zweifel. „Schlecht ist es für die Jugendfeuerwehr. Wir hoffen, dass die Mitglieder bei der Stange bleiben“, so Harnisch. Derzeit lernen in den drei Jugendfeuerwehren in Döbeln, Limmritz und Lüttewitz 35 Jungen und Mädchen das Einmaleins der Brandbekämpfung und des Rettens.

Daraus rekrutiert die Feuerwehr einen Teil des Personals. „In Beicha sind im vergangenen Jahr drei Mitglieder der Jugendfeuerwehr übernommen worden“, sagte Harnisch. In Döbeln war die Mannschaft durch vier Neuaufnahmen verstärkt worden. Insgesamt haben die Döbelner Ortswehren 150 aktive Mitglieder, darunter sechs Frauen.

Personal am Tage knapp

Trotzdem ist das Personal vor allem in den Ortswehren knapp. Die Nachtbereitschaft sei nicht das Problem, aber tagsüber, wenn die Leute auf Arbeit sind, könne es schwierig werden, die Fahrzeuge zu besetzen, sagte Harnisch. „Da haben wir selbst in Döbeln manchmal Probleme. Die Mitglieder der anderen Ortswehren, die in der Stadt arbeiten, rücken deshalb mit Döbeln aus, wenn Geräteträger gebraucht werden.“

Döbeln bringt es auf 57 Aktive, darunter drei Frauen. Gut besetzt ist auch die Beichaer Wehr mit 23 Aktiven. Die Wehr in Töpeln hat neun Mitglieder. „Der Altersdurchschnitt ist dort sehr hoch. Das wird wohl nicht mehr lange gehen“, sagte Harnisch. Töpeln sei mittlerweile eine Abteilung der Ortswehr Limmritz und mache dort auch die Ausbildung.

Weil es in Töpeln keine Atemgeräteträger mehr gibt, seien eigenständige Brandeinsätze nicht mehr möglich. Die Wehr verfüge aber über ein Schlauchboot und sei auch bei Technischen Hilfeleistungen wie der Beseitigung von Sturmschäden im Einsatz.

Die Beichaer Wehr hatte vor einem reichlichen Jahr ihr neues Gerätehaus in Betrieb genommen. Die Stadt plant einen solchen Neubau auch für die Wehren Mochau, Lüttewitz-Theeschütz und Choren. „Im vergangenen Jahr gab es ein Treffen mit dem Oberbürgermeister dazu. Die Wehren wollen Zusammengehen. Sie machen auch schon viel zusammen“, sagte Harnisch.

Noch keine Entscheidung zum Gerätehaus

Über den Standort des neuen Gerätehauses sei noch nicht entschieden. Es gebe drei Vorschläge für Lüttewitz. Harnisch erhofft sich durch den Neubau auch einen Impuls für diese Ortswehren, dass sich mehr junge Leute für den Dienst begeistern lassen.

Wenn eventuell im kommenden Jahr ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) für Döbeln angeschafft wird, soll das gebrauchte Löschfahrzeug nach Lüttewitz umgesetzt werden. Auf die gleiche Weise war Beicha im vergangenen Jahr zu einem Tanklöschfahrzeug als zweiten „Dienstwagen“ gekommen.

Auf der Leitungsebene der Feuerwehren hat sich der Generationenwechsel im vergangenen Jahr fortgesetzt. In Döbeln hatte Heiko Hentzschel die Nachfolge als Ortswehrleiter von Thomas Harnisch übernommen, der aber noch einmal als Gemeindewehrleiter zur Wahl antreten will. In Beicha hatte Jörg Merzdorf seinen Bruder Gunther Merzdorf als Ortswehrleiter abgelöst.

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