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Döbeln: Schüler-Stau in den Fahrschulen

Seit elf Wochen ist die Ausbildung in den Fahrschulen coronabedingt untersagt. Das hat nicht nur lange Wartelisten zur Folge.

Seit zwei Wochen bietet Ralph Hoffmann in seiner Fahrschule in Döbeln Homeschooling. Der Theorieunterricht für ein paar wenige Fahrschüler ist aber nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein.
Seit zwei Wochen bietet Ralph Hoffmann in seiner Fahrschule in Döbeln Homeschooling. Der Theorieunterricht für ein paar wenige Fahrschüler ist aber nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Vor fünf bis sechs Jahren hätten die Fahrschulen um jeden Fahrschüler gekämpft. „Wenn sich jetzt jemand anmeldet, muss ich ihn auf den Herbst vertrösten“, sagt Ralph Hoffmann von der gleichnamigen Döbelner Fahrschule.

Die Wartelisten, die sich während des ersten Lockdowns gefüllt hatten, „konnten wir zum größten Teil abbauen“, so Hoffmann. Nur einige wenige Fahrschüler, die kurz vor der Theorieprüfung standen, mussten wieder abbrechen.

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Denn am 14. Dezember kam das nächste Aus. Seit elf Wochen dreht sich in den Fahrschulen kein Rad mehr. „Bei uns stauen sich die Fahrschüler“, meint Hoffmann. Vor allem junge Leute möchten den Führerschein noch während ihrer Schulzeit erwerben, um danach mobil zu sein.

„Aber zurzeit ist alles ins Stocken gekommen“, sagt der Fahrlehrer. Seine Intuition sei es, nicht nur mit der Theorie, sondern auch gleich intensiv mit den praktischen Fahrstunden starten zu können, wenn die Regierung grünes Licht für die Öffnung der Fahrschulen gibt. Deshalb bietet er seit knapp zwei Wochen Online-Unterricht an. Derzeit laufen von Montag bis Sonnabend zwei Kurse. „Die werden gut angenommen“, sagt Hoffmann.

Fahrschulen: Online bis zur Theorieprüfung

Die Fahrschüler büffeln die Theorie mit einer Lern-App, sie erhalten Arbeitsblätter und Online-Konsultationen. „Sie absolvieren bei mir eine Vorprüfung. Und wenn die in Ordnung ist, dürfen sie zur Prüfung zur Dekra“, erklärt Ralph Hoffmann, der auch Kreisvorsitzender des Fahrlehrerverbandes ist.

Er bezeichnet dieses Vorgehen als Dienst am Kunden. Dagegen kann er nicht verstehen, dass sich während der Theorieprüfung acht Personen mit Mundschutz in einem Raum der Dekra aufhalten, er aber nicht mit einem Schüler im Auto sitzen darf.

Wichtig sei es ihm, den meist jungen Fahrschülern nicht nur die technische Handhabung eines Fahrzeugs beizubringen. „Wir müssen mit ihnen mehr das Verkehrsverhalten trainieren“, sagt Hoffmann. Deshalb biete er jetzt auch die Ausbildung auf einem Automatikfahrzeug an.

Zwar müsse der Schüler trotzdem zehn Stunden auf einem Fahrzeug mit Schaltgetriebe lernen, könne die Prüfung aber dann mit einem Automatikauto ablegen. „Die Schaltkompetenz spielt bei einem weiterführenden Führerschein, zum Beispiel für den Lkw, eine Rolle“, erklärt Hoffmann und fügt hinzu: „Wir müssen neue Wege gehen. Das Virus wird uns noch eine Weile begleiten.“

Corona-Schließung ist eine "wirtschaftliche Katastrophe"

Aus Sicht von Fahrlehrer Lutz Kunert lohne sich Online-Unterricht nicht. Zum einen bedeute dieser für die Fahrschule und möglicherweise für den Fahrschüler höhere Kosten für die Anschaffung entsprechender Technik. Dem Schüler müsse zum Beispiel ein 19-Zoll-Bildschirm zur Verfügung stehen, den nicht jeder besitze. Zum anderen sei der Online-Unterricht nur für den Lockdown genehmigt.

Kunert wurde unsanft ausgebremst. Er bietet auch die Ausbildung auf dem Lkw an sowie Weiterbildungen für Berufskraftfahrer. Letztere, so hieß es am 11. Dezember, dürften weiter erfolgen. Am 12. Dezember unterrichtete er eine Gruppe und verabschiedete sie bis zum darauffolgenden Sonnabend.

Ralph Hoffmann wartet auf die Öffnung seiner Fahrschule und will endlich wieder Schüler unterrichten.
Ralph Hoffmann wartet auf die Öffnung seiner Fahrschule und will endlich wieder Schüler unterrichten. © Dietmar Thomas

Doch am 13. Dezember habe er die Information erhalten, dass auch die Weiterbildung nicht mehr gestattet ist. Für einige Berufskraftfahrer könnte das zum Problem werden. Denn sie müssen aller fünf Jahre fünf Tage Weiterbildung nachweisen. „Daran hängt die Verlängerung des Führerscheins“, sagt Kunert.

Für ihn ist die Schließung seiner Fahrschule eine wirtschaftliche Katastrophe. „Wir fühlen uns ziemlich alleingelassen“, sagt er. In die Schließzeit fiel der Januar, in den viele Ausgaben fallen. Die Antragstellung für die finanzielle Unterstützung durch den Staat sei sehr schwierig. „Wir konnten nach elf Wochen immer noch keinen Antrag stellen“, erklärt er. Ohne die Unterstützung der Familie „wäre ich schon lange Pleite“.

Eingeschränkte Öffnung ab 1. März

Schon der Verlust, den er im ersten Lockdown gemacht habe, sei doppelt so hoch gewesen wie die Überbrückungshilfe. Dafür dauere der jetzige Lockdown schon doppelt so lange, wie der im Frühjahr.

Etwa 22 Fahrschüler, die ihre Ausbildung schon begonnen hatten, befänden sich in der Warteschleife. Zwei hätten Ende Dezember ihre praktische Prüfung gehabt. „Jetzt sind sie ein Vierteljahr nicht mehr gefahren. Ohne nochmaliges Training können sie nicht zur Prüfung gehen“, erzählt Lutz Kunert, der keine Mitarbeiter hat, also ein sogenannter Einzelkämpfer ist.

Nach derzeitigem Stand darf er seine Fahrschule ab 1. März wieder öffnen. Aber nur eingeschränkt, dass heißt, für diejenigen, die den Führerschein beruflich benötigen. Das sind aber nicht nur jene, die einen Laster fahren wollen, sondern zum Beispiel auch die Altenpflegerin in der ambulanten Pflege.

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Dass die anderen potenziellen Fahrschüler „weglaufen“ könnten, davor hat Lutz Kunert keine Angst: „Die stehen an.“ Die Liste könne er nur nach und nach abarbeiten. Dabei ist ihm nach wie vor unverständlich, dass die Fahrschulen in Brandenburg auch während des Lockdowns weiterarbeiten durften, die in Sachsen aber nicht.

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