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Serieneinbrecher muss in Haft

Dem Mann werden 15 Taten vorgeworfen. Beim Diebesgut ist er nicht wählerisch.

In einer Tasche, die der Angeklagte in einem Leisniger Wohnhaus zurückließ, befand sich unter anderem auch Einbruchswerkzeug.
In einer Tasche, die der Angeklagte in einem Leisniger Wohnhaus zurückließ, befand sich unter anderem auch Einbruchswerkzeug. © Sebastian Schultz/Symbolfoto

Region Döbeln. Einbrecher lassen Werkzeug zurück – diese Nachricht war im Oktober 2018 in den Polizeimeldungen zu lesen.

In dem Bericht ist von Tätern die Rede. Jetzt steht jedoch fest: Es war nur einer. Er hatte sich über ein Fenster Zutritt zu einem Wohnhaus in Leisnig verschafft. Offenbar war er bei seinem Vorhaben gestört worden. Denn er flüchtete und ließ eine Tasche zurück, in der sich unter anderem Einbruchswerkzeug, Lebensmittel und Schmuck befanden.

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Der Mann, dem diese Straftat zur Last gelegt wird, hat sich nun vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Döbeln verantworten müssen. Doch diese Tat ist nicht seine einzige gewesen. Der Staatsanwalt verliest drei Anklageschriften, in denen dem Angeklagten 15 Delikte vorgeworfen werden. Immer wieder geht es um Einbrüche, in Wohnhäuser, leerstehende Gebäude, Geschäftsräume in Döbeln, Leisnig, Hartha, Großweitzschen.

Kupferkabel herausgerissen

Der Mann, der aus Leipzig stammt, jetzt aber in Hartha lebt, machte seine größte Beute bei einem Einbruch in ein Wohnhaus in Leisnig: 1.300 Euro Bargeld sowie Schmuck im Wert von 1.200 Euro. Wenig später richtet er in einem leerstehenden Gebäude etwa 3.000 Euro Schaden an, indem er Kupferkabel und Kupferrohre herausreißt.

Bei einem Einbruch in Hartha wird er auf frischer Tat gestellt, jedoch gelingt ihm die Flucht. Als er in Leisnig wieder Kupfer stiehlt, wird er gefasst und muss wegen früherer Delikte eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten absitzen. Diese Strafe war zur Bewährung ausgesetzt gewesen, doch diese wurde widerrufen.

Nachdem der Staatsanwalt die Anklage verlesen hat, bittet der Verteidiger des Angeklagten um ein Rechtsgespräch. Diesem Antrag stimmen Richterin Christa Weik und der Vertreter der Staatsanwaltschaft zu. Das Ergebnis dieses Gespräches lautet: Das Gericht erkennt auf eine Gesamtfreiheitsstrafe im Rahmen von zwei Jahren und neun Monaten bis drei Jahren und zwei Monaten. Bedingung ist, dass der Angeklagte zu einem Geständnis bereit ist, und sämtliches bei ihm sichergestelltes Diebesgut eingezogen wird.

Seit vielen Jahren drogenabhängig

„Mein Mandant räumt bis auf zwei alle Taten ein“, sagt der Anwalt. Es habe sich bei den Einbrüchen und Diebstählen um Beschaffungskriminalität gehandelt. Sein Mandant sei schon seit vielen Jahren Konsument von Betäubungsmitteln. „Im Jahr 2006 hat er zwar eine Therapie gemacht, hat jedoch aufgrund persönlicher Umstände wieder angefangen, Rauschmittel zu nehmen“, erklärt der Verteidiger. Dabei habe es sich vorwiegend um Crystal und Cannabis gehandelt. „Zur Finanzierung der Sucht hat er die Einbrüche begangen“, so der Anwalt.

Richterin Christa Weik will von dem Angeklagten wissen, warum bei ihm noch sehr viel Diebesgut vorgefunden wurde, wenn er doch Geld zur Beschaffung von Drogen brauchte. „Ich wollte das alles in Leipzig verkaufen. Bei einigen Sachen wollte ich zudem herausfinden, was ich verlangen kann“, erklärt der 49-Jährige. Lediglich Schmuck im Wert von 700 Euro sowie das Kupfer habe er verkauft.

Über seine persönlichen Verhältnisse sagt der Angeklagte nicht viel. Noch zu DDR-Zeiten habe er Elektromonteur gelernt und einen Teilfachabschluss in diesem Beruf erworben. Seit 2009 habe er als selbstständiger Bauhelfer gearbeitet.

Wohnung gekündigt

„Als mir im Januar 2018 meine Wohnung in Leipzig wegen angeblicher Ruhestörung gekündigt wurde, ging es immer mehr bergab“, berichtet der Angeklagte. Er sei nach Leisnig gegangen und habe zur Finanzierung seiner Sucht die Einbrüche begangen.

Nach der Entlassung aus der Haft im März 2020 habe er zwei Wochen bei seinem Ziehsohn, danach drei Monate auf der Straße gelebt. Er sei dann in Leisnig bei Bekannten untergekommen. Seit Dezember 2020 habe er eine eigene Wohnung in Hartha und beziehe Arbeitslosengeld II. Derzeit sei er regelmäßig bei der Drogenberatung der Diakonie in Döbeln. Eine stationäre Therapie sei ihm angeraten worden.

Hohe kriminelle Energie

Der Staatsanwalt spricht von hoher krimineller Energie bei dem Angeklagten. Es sei ihm aber anzurechnen, dass er den Großteil der Taten eingeräumt habe. Der Staatsanwalt fordert unter Einbeziehung eines Urteils des Landgerichts Leipzig, das den Angeklagten am 20. Januar 2020 zu einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung verurteilt hatte, eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten.

Der Verteidiger weist auf die Drogenabhängigkeit seines Mandanten hin, die Einfluss auf seine Persönlichkeit genommen habe. Er fordert die Minimalstrafe des festgelegten Rahmens, also zwei Jahre und neun Monate Haft. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Christa Weik spricht eine Haft von drei Jahren aus. Zudem wird ein Geldwert von 3.100 Euro eingezogen.

Dieser Wert setzt sich aus dem veräußerten Kupfer, für das 1.000 Euro veranschlagt wurden, dem verkauften Schmuck (700), dem entwendeten Bargeld (1.300) sowie 100 Euro, die der Angeklagte beim Verkauf einer gestohlenen Kettensäge erzielte, zusammen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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