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Singen und Feiern in Waldheim

Sechs Musiker aus Sachsen schreiben an der Talsperre Kriebstein Songs. Die präsentieren sie bei den Kulturtagen in der Zschopaustadt.

Aila (11) schaffte zehn Kisten beim Kistenstapeln übereinander.
Aila (11) schaffte zehn Kisten beim Kistenstapeln übereinander. © Dietmar Thomas

Von Rasmus Wittrin und Frank Korn

Waldheim. Ganz ohne Feier sollte es doch nicht abgehen. Das Waldheimer Stadtfest, das traditionell am ersten Augustwochenende gefeiert wird, ist zwar abgesagt worden. Dennoch bekamen die Waldheimer und ihre Gäste bei den „Kulturtagen an den Zschopauwiesen“ einiges geboten.

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Ein Bestandteil des Wochenendes war das Finalkonzert des Singer-Songwriter-Sommercamps, das vom Mittelsächsischen Kultursommer organisiert wird. Doch vor dem abschließenden Konzert gehen die jungen Songschreiber eine eher ungewöhnliche Verbindung ein.

Ihre Gitarre wollen Musiker wohl kaum in die Nähe einer Späne spuckenden Motorkettensäge bringen. Nicht allein aus Sicherheitsgründen, sondern auch, weil die Gitarre von der Kettensäge übertönt werden würde.

Sechs Musiker treffen auf drei Holzbildner

Könnte man denken. Tatsächlich zeigen sechs Musiker und drei Holzkünstler aus Sachsen, wie Säge und Instrument harmonieren können: Zum dritten Mal fand parallel zu dem Holzkunst-Symposium „Kunst am Wasser“ das Singer-Songwriter-Sommercamp vom 28. Juli bis zum 1. August statt.

Ziel der Veranstaltung ist unter anderem, dass sich die Künstler der auf den ersten Blick sehr verschiedenen Kunstarten gegenseitig inspirieren. „Die haben eine Kettensäge, ich habe eine Gitarre, aber wir haben beide denselben Gedanken“, sagt der Leipziger Solokünstler Otto Ullmann von der Band „WELTWäRTS“.

Seine Berufskollegin Alina Dalsegno erklärt, dass der Schöpfungsprozess bei den Musikern und den Holzbildhauern ähnlich sei: Am Anfang stehe bei beiden eine Idee. Man habe eine Skizze im Kopf, wie das Projekt am Ende aussehen – oder sich anhören – soll. Diese Idee werde dann in kleinen Arbeitsschritten immer feiner ausgearbeitet; ob am Holzstamm oder auf dem Papier.

14 neue Songs entstanden

Ziel des Singer-Songwriter-Sommercamps ist, den Musikern Ideen für neue Songs zu geben. Das Rezept von Leiterin Anika Jankowski lautet: Drei Stunden, drei Musiker, ein Song. Soll heißen, dass je drei Musiker zusammen für drei Stunden an einem neuen Song arbeiten. Nach dieser Zeit muss das Stück fertig sein, erklärt die Geschäftsführerin des Dresdner Musikverlages „Oh, my music!“.

Dabei ist es egal, wer wie viel zu dem Song beigetragen hat: Am Ende gehen die Rechte an jeden Mitarbeitenden zu gleichen Teilen. Gearbeitet wurde direkt an der Talsperre Kriebstein. Das Hotel dort hatte extra für die Musiker-Gruppe den Betrieb aufgenommen.

So entstanden insgesamt 14 Songs. Dreizehn von ihnen wurden am Samstagabend im Rahmen der Waldheimer Kulturtage vorgestellt. Auf dem Oberwerder in Waldheim direkt neben der Zschopau lauschten laut Jankowski so viele Besucher wie noch nie den Künstlern. Der Einlass war Corona-bedingt auf knapp 1000 Besucher beschränkt; diese Zahl wurde aber nicht erreicht. Es gab keine Masken- oder Testpflicht auf dem Gelände.

Sommercamp dient dem Austausch unter Künstlern

Für die Musiker ist das Sommercamp eine wichtige Gelegenheit, mit anderen Künstlern in Austausch zu treten und sich zu vernetzen. Auch für Leiterin Jankowski ist das Camp ein Höhepunkt. Ihre alltägliche Arbeit bestehe vor allem aus Akten wälzen, sagt sie. Eine knappe Woche am Stück draußen arbeiten und komponieren zu können, sei auch für sie etwas sehr Besonderes. Den Geschmack des Publikums konnten die Singer-Songwriter allerdings nicht immer treffen. Einige Besucher hatten wohl mehr Party-Musik erwartet.

Für Nino Richter vom Organisationsteam der Kulturtage war dies aber kein Grund, unzufrieden zu sein. „Es war das Konzept, dass wir verschiedene Genres angeboten haben. Und die Geschmäcker sind nun einmal verschieden“, sagte Richter. Nach einem guten Auftakt mit etwa 300 Besuchern beim Kabarett am Freitagabend sie der Sonnabend richtig gut gelaufen, so Richter.

„Am Sonntag hat dann der pünktlich nach dem Festgottesdienst einsetzende Regen wohl den einen oder anderen Besucher gekostet. Dennoch ziehen wir insgesamt ein positives Fazit“, sagte Richter. Für das nächste Jahr hoffe er allerdings, mit seinem Team wieder ein „richtiges“ Stadtfest organisieren zu können.

Kisten so hoch wie der Kirchturm

Richtig viel Spaß hatte die elfjährige Aila beim Kistenstapeln, die mit ihrer Mutter und den Geschwistern da war. Sie schaffte zehn Kisten übereinander. „Fast so hoch wie der Waldheimer Kirchturm“, sagte sie mit einem Lachen, aber auch mit Stolz. Madlen und Christoph Winkler und die Kinder Elli (5), Hannes und Hendrik (1) fanden die vielen Hüpfburgen toll. „Die Kleinen können sich hier richtig austoben“, so die Eltern.

Gut besucht war auch die Show von Märchenfee Lia. „Rumpelstilzchen“ und „Das tapfere Schneiderlein“ kamen zur Aufführung. Dabei bekamen die Kinder Kostüme und spielten das Märchen unter Anleitung von Lia selbst. Und auch für die Freunde der Musik gab es genügend Abwechslung. Maja Catrin Fritsche sang altbekannte Schlager aus der DDR-Zeit und die Nachwuchsband „Frogs“ aus Hartha präsentierte Hits aus den 1980er- und 1990er-Jahren.

Märchenfee Lia bezieht die Kinder bei ihren Märchen mit ein. Sie bekommen Kostüme und dürfen das Märchen spielen.
Märchenfee Lia bezieht die Kinder bei ihren Märchen mit ein. Sie bekommen Kostüme und dürfen das Märchen spielen. © Dietmar Thomas
Maja Catrin Fritsche sang altbekannte Schlager aus der DDR-Zeit.
Maja Catrin Fritsche sang altbekannte Schlager aus der DDR-Zeit. © Dietmar Thomas
Madlen und Christoph Winkler und die Kindern Elli, Hannes und Hendrik finden die Hüpfburgen toll.
Madlen und Christoph Winkler und die Kindern Elli, Hannes und Hendrik finden die Hüpfburgen toll. © Dietmar Thomas
Beim Finalkonzert des Singer-Songwriter-Sommercamps brachten die Künstler 13 Songs zu Gehör.
Beim Finalkonzert des Singer-Songwriter-Sommercamps brachten die Künstler 13 Songs zu Gehör. © Dietmar Thomas

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