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So breitet sich der Elbebiber in Mittelsachsen aus

In der Region sind 17 neue Reviere erfasst worden. Der Landkreis sucht Freiwillige, die beim Zählen helfen.

Ortsvorsteher Arndt Patzig erzählt den Kindern der 2. Klasse der evangelischen Grundschule Technitz Wissenswertes über den Biber.
Ortsvorsteher Arndt Patzig erzählt den Kindern der 2. Klasse der evangelischen Grundschule Technitz Wissenswertes über den Biber. © Frank Korn

Mittelsachsen. Der Forchheimer Bach ist nur ein kleines Rinnsal. Für die Kinder der 2. Klasse aus der Evangelischen Grundschule Technitz ist er an diesem Tag aber hochinteressant.

Jede Klasse in der Schule hat einen Tiernamen. „Wir sind die Biber“, erklärt Klassenlehrerin Ines Finsterbusch. Und weil es unweit der Talstraße in Richtung Stockhausen eine Biberburg gibt, ist diese während einer Exkursion erkundet worden.

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Der Ziegraer Ortsvorsteher Arndt Patzig und Gerhard Meese aus Forchheim erklären den Kindern, wie wichtig der Biber für die Umwelt ist. Mit einem kleinen Quiz wird das Wissen der Kinder überprüft. Danach zeigt Patzig einen Baumstamm, den der Biber abgenagt hat und führt die Zweitklässler bis zum Biberdamm.

Ob am Forchheimer Bach derzeit wirklich eine Biberfamilie lebt, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Im Landkreis Mittelsachsen wurden aber immerhin 17 neue Reviere an Bobritzsch, Zschopau, Freiberger Mulde, Zwickauer Mulde, Jahna und Kleiner Striegis beziehungsweise deren Zuflüssen erfasst.

Dies geht aus der Fortschreibung des Bibermanagements hervor. „Da jedoch bei 46 von 99 Revieren der Status aktuell unbekannt ist, so ist dieser Sachverhalt im Umgang mit dem Biber entsprechend zu berücksichtigen. Die Untere Naturschutzbehörde geht von etwa 280 Individuen aus“, erklärt André Kaiser, Pressesprecher des Landkreises Mittelsachsen.

Bibermanagement seit 2012

Besonders die Bobritzsch nimmt zum wiederholten Mal eine auffallende Rolle ein. Ein bereits bekanntes Revier ist in drei neue Reviere unterteilt, ein bisher unbesetztes Revier wurde wieder besetzt. An der Freiberger Mulde sind sechs neue Reviere, dabei vier neue Reviere an je einem Zufluss, nachgewiesen worden.

Seit 2008 wird der Elbebiber (Castor fiber albicus) im Landkreis Mittelsachsen erfasst. Im Jahr 2012 wurde hierfür ein Bibermanagement eingeführt, welches nunmehr das neunte Jahr in Folge durchgeführt und ausgewertet wurde.

Die Ergebnisse dienen der Unteren Naturschutzbehörde einerseits zur erforderlichen Erfassung. Andererseits aber zur Dokumentation der (Wieder-) Ausbreitung der Art im Landkreis als Entscheidungshilfe im Umgang mit den dabei auftretenden Konflikten. „Aktuell liegt der Hauptschwerpunkt der Konflikte im nördlichen Bereich des Landkreises“, so André Kaiser.

Konflikte entstehen beispielsweise durch erschwerte Abflussbedingungen an Kläranlagen oder Fließgewässern, überschwemmte Acker- und Grünlandflächen, Unterspülungen von Straßenkörpern, Unterhöhlungen von Böschungen und Schäden an Gehölzen. Der Biber trägt aber auch zum Wohlbefinden des Menschen bei, da er Ziele des Naturschutzes, Hochwasserschutzes, des Schutzguts Mensch und der Wasserrahmenrichtlinie umsetzt.

Biber streng geschützt

Kommt es zu Konflikten, erfolgt eine Klärung des Sachverhaltes in der Regel vor Ort unter Einbeziehung der Betroffenen und der für die Unterhaltung des jeweiligen Gewässers Verantwortlichen. „Dabei ist grundsätzlich zu beachten, dass der Biber nach Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützte Art ist und somit einen sehr hohen Schutzstatus innehat“, so der Landkreissprecher. Eingriffe in dessen Lebensraum dürfen daher nur nach behördlicher Genehmigung durchgeführt werden.

Die Erfassung der Verbreitung beziehungsweise Kartierung des Bibers wird durch ehrenamtlich tätige Biberkartierer unterstützt. Die Naturschutzhelfer erhalten eine jährliche Einweisung und Kartierungsunterlagen und genießen bei ihrer Tätigkeit vollen Unfallversicherungsschutz. Außerdem werden Reisekosten erstattet. Auch wenn die bisher tätigen Biberkartierer sehr aktiv sind, so ist der Umfang der zu erfassenden Gewässer sehr hoch. Gesucht werden deshalb stets weitere ehrenamtliche Helfer.

Interessierte können sich an Manuela Ziegler von der Unteren Naturschutzbehörde, (Mail: [email protected]; Tel.: 03731 7994160) wenden. Die nächste Schulung für Kartierer ist für den 6. November 2021 geplant.

Dieser Baumstamm an der Biberburg am Forchheimer Bach ist abgenagt.
Dieser Baumstamm an der Biberburg am Forchheimer Bach ist abgenagt. © Frank Korn

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