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Döbeln

So entstand Döbelns Silberbesteck

Die Firma Richard Köberlin hat ihren Ursprung im Heckel-Haus. Dort werden jetzt Einblicke in ein altes Handwerk gewährt.

Christian Günther, Urenkel von Richard Köberlin, zeigt einen sogenannten Richtfix in der Ausstellung. Mit ihm wurden Messerklingen in Griffe eingesetzt. Günther war der letzte Betriebsleiter der Firma.
Christian Günther, Urenkel von Richard Köberlin, zeigt einen sogenannten Richtfix in der Ausstellung. Mit ihm wurden Messerklingen in Griffe eingesetzt. Günther war der letzte Betriebsleiter der Firma. © Lars Halbauer

Döbeln. Nach Richard Köberlin ist in Döbeln zwar eine Straße benannt. Wer der Mann ist, der sich hinter dem Namen verbirgt, das wissen aber viele nicht. Eine Ahnung bekommt man davon jetzt bei der Döbelner Kreissparkasse. Die hat in ihrem Heckelhaus auch eine kleine Ausstellung dem Döbelner Unternehmen Richard Köberlin gewidmet.  

In dem Haus am Niedermarkt ist nicht nur der Maler Erich Heckel geboren worden. Dort sind auch die Wurzeln einer Unternehmerfamilie, die in Döbeln mehr als 100 Jahre lang Besteck herstellte, vor allem Silberbesteck.

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Entstanden im Streit

Die Gebrüder Köberlin hatten 1873 am Niedermarkt eine Fabrik für Silberwaren übernommen. Heute noch zeigt der Schlussstein des Hauses ein Goldschmiedezeichen. Richard Köberlin stieg in die Firma ein, als einer der Gründer starb. Es gab aber einen handfesten Krach, als die Witwe die Firma hinter dem Rücken von Richard Köberlin verkaufte. 1899 machte er eine Konkurrenzfirma an der Leisniger Straße auf, wo bis 1988 produziert wurde.

In Erich Heckels Geburtshaus gibt es seit acht Jahren eine ständige Ausstellung mit Werken des Malers. Wie Vorstand Uwe Krahl sagte, sei er erst nicht davon begeistert gewesen, im Sparkassenhaus auch Löffel auszustellen. Aber Rudolf Lehle, CDU-Stadtrat und Mitglied des Verwaltungsrates, hatte Überzeugungsarbeit geleistet. Er ist erblich vorbelastet. Sein Urururgroßvater Martin-Heinrich Wilkens hatte 1810 in Bremen Deutschlands erste Silbermanufaktur gegründet. Sie besteht heute noch, wie Lehle erzählte. 

Exponate im Keller

Er suchte den Kontakt zu Günther. „Die Idee zu einer Ausstellung kam bei einem Nachmittagsgespräch. Ich habe dann die Überreste gesichtet, die seit 30 Jahren im Keller lagen“, sagte Köberlins Nachkomme.

Die „Überreste“ sind jetzt in zwei Vitrinen im Treppenhaus des Heckel-Hauses zu sehen. Der Betrachter bekommt den Graphittiegel vorgeführt, in dem zehn Kilo Silber geschmolzen und dann zu Blech weiterverarbeitet wurden. Die geprägten Schalen der Messergriffe wurden verlötet, mit Sand gefüllt und die Klingen mit einem Lagermetall in die Griffe eingegossen. Zu sehen sind verschiedene Formen von Silberbesteck, das bis in die 1970er Jahre hergestellt wurde. 

Am Ende Alubesteck

Nach der Verstaatlichung 1972 stellt die Firma nur noch Aluminiumbesteck her. „Mit Alu haben wir das meiste Geld verdient“, meinte Christian Günther, der den Betrieb bis zum Schluss geleitet hatte.

Zu sehen ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Sparkassenhauses Erich Heckel und bei Führungen des Stadtmuseums.

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