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So hat die Stasi in Waldheim gearbeitet

Dreißig Jahre nach der Wende ist das Thema Staatssicherheit immer noch präsent. Aber was lief bei "Horch und Guck" in der Zschopaustadt?

Im November vergangenen Jahres eine Ausstellung über die Stasi in Leisnig zu sehen. Die hatte unter anderem Leisnigs ehemaliger Bürgermeister Heiner Stephan organisiert.
Im November vergangenen Jahres eine Ausstellung über die Stasi in Leisnig zu sehen. Die hatte unter anderem Leisnigs ehemaliger Bürgermeister Heiner Stephan organisiert. © Archiv/Dietmar Thomas

Waldheim. In einer Ausstellung mit dem Titel „Stasi Ohn(e)Macht“ erfahren Interessierte Anfang November im Rathaus, welche Strukturen die Behörde speziell in Waldheim hatte.

Überwacht wurde unter anderem auch die Zschopaustadt von der Kreisdienststelle Döbeln des Ministeriums für Staatssicherheit, die an der Reichensteinstraße 2 und 4 in Döbeln ansässig war. Dort leitete seit 1978 Oberstleutnant Horst Schmidt die Behörde, die im Volksmund als „Horch und Guck“ bezeichnet wurde.

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50 Inoffizielle aus Waldheim

Im Oktober 1989, also kurz vor der Wende, waren nach Informationen des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) in der Döbelner Dienststelle 52 hauptamtliche und ein hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter beschäftigt. Informationen aus dem gesamten Altkreis lieferten zu diesem Zeitpunkt insgesamt 643 inoffizielle Mitarbeiter, 50 davon stammten aus Waldheim.

Von Zeit zu Zeit trafen sich diese, um ihre Informationen auszutauschen, in sogenannten konspirativen Wohnungen. Davon gab es damals 25 in der Zschopaustadt. Sie trugen Decknamen, wie beispielsweise „Kegelbahn“ oder „Zentrum“.

Das Bild zeigt die Übersichtskarte der Stasi für den Kreis Döbeln. Sie stammt aus den Beständen der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig.
Das Bild zeigt die Übersichtskarte der Stasi für den Kreis Döbeln. Sie stammt aus den Beständen der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig. © BStU, MfS, BV Leipzig

Im Fokus der Stasi stand die Strafvollzugseinrichtung in Waldheim. Zahlreiche Häftlinge wurden in den Schwerpunktbetrieben des Kreises eingesetzt“, teilt Stefan Walter, Leiter der Außenstelle Leipzig der BStU mit.

Die Ausstellung informiert auch über Struktur, Methoden und Wirkungsweise der DDR-Geheimpolizei. Im Rahmen der Archivpräsentation werden Tafeln zu Themen wie Liegenschaften und Personal der Kreisdienststelle Döbeln, inoffizielle Mitarbeiter und Postkontrolle, konspirative Wohnungen und Objekte und das Wirken der Stasi in der Strafvollzugseinrichtung Waldheim gezeigt.

Antrag auf Akteneinsicht kann gestellt werden

Des Weiteren erfahren die Besucher viel über die Arbeit des Stasi-Unterlagen-Archivs in Leipzig. Fachpersonal des Archivs berät überdies Interessierte, wie ein Antrag auf Akteneinsicht gestellt wird. Dazu gibt es Bilder sowie Broschüren und Formulare, mit denen die Einsicht in die eigene Stasi-Akte beantragt werden kann.

Die Ausstellung öffnet am 10. November von 12 bis 18 Uhr und am 11. November von 10 bis 16 Uhr im Waldheimer Rathaus. Der Eintritt ist frei. 

Anmeldung für Beratungsgespräch

Wer die Beratung zur Akteneinsicht in Anspruch nehmen möchte, muss sich im Stasi-Unterlagen-Archiv in Leipzig unter Tel. 0341 22473211 anmelden. Für den alleinigen Ausstellungsbesuch ist das nicht notwendig. 

Weil die Mindestabstände auch während der Besichtigung der Ausstellung nicht immer eingehalten werden können, ist es notwendig, dass sowohl die Besucher der Schau als auch die, die beraten werden möchten, eine Mund-Nase-Bedeckung tragen.

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