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Waldheim: Advent hinter Gittern

Ehrenamtliche organisieren für die Gefangenen in Waldheim einen kleinen Lichtblick zu Weihnachten – und freuen sich über viele Briefe.

Die Stationen der JVA Waldheim sind mit Weihnachtsbäumen geschmückt worden.
Die Stationen der JVA Waldheim sind mit Weihnachtsbäumen geschmückt worden. © JVA Waldheim

Waldheim. Die Advents- und Weihnachtszeit ist meist eine besonders ruhige Zeit im Gefängnis. Das ist auch in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldheim so. In der Corona-Pandemie gibt es zusätzliche Kontaktbeschränkungen.

„Viele Gefangene ziehen sich zu Weihnachten eher zurück“, so Michaela Tiepner, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit in der JVA Waldheim. „Es ist ja ein Fest, das man gewöhnlich im Kreis seiner Lieben begeht, sodass den Menschen im Gefängnis deren zeitweiser Verlust in dieser Zeit besonders bewusst wird und nahe geht.“

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Am Heiligabend werden sowohl der evangelische Pfarrer Frank Seffer als auch der katholische Seelsorger Michael Fox für die Gefangenen ansprechbar sein. Überdies sind über die Weihnachtstage und auch zwischen den Jahren die Anstaltspsychologen ansprechbar.

Eine Weihnachts-Botschaft von draußen

Zudem wollen die Seelsorger am Heiligabend an jeden Gefangenen einen Kalender und eine Weihnachtskarte austeilen. Dafür sind im Vorfeld die Mitglieder der Kirchgemeinden dazu aufgerufen worden, kleine Weihnachtsbotschaften für die Gefangenen anzufertigen. „Das kann ein Brief sein oder eine gebastelte Weihnachtskarte“, so Frank Seffer. Ein Team von zehn Ehrenamtlichen kümmere sich schon seit vielen Jahren um diese Aktion und gebe Kleinigkeiten dazu.

In den Pfarrämtern der Region werden Briefe und Botschaften gesammelt, die den Inhaftierten zu Weihnachten überreicht werden. Darum kümmern sich Ehrenamtliche.
In den Pfarrämtern der Region werden Briefe und Botschaften gesammelt, die den Inhaftierten zu Weihnachten überreicht werden. Darum kümmern sich Ehrenamtliche. © Dietmar Thomas

In den zurückliegenden Jahren sei diese Aktion nur für die rund 50 Besucher des Gottesdienstes gelaufen. „Diesmal sollen aufgrund der besonderen Situation alle rund 360 Inhaftierten eine Kleinigkeit bekommen“, so Frank Seffer. Das sei ein ehrgeiziges Ziel „Wir würden uns über noch ganz viele Briefe und persönliche Botschaften freuen“, sagt Frank Seffer.

Diese können noch bis zum 17. Dezember in den Pfarrämtern der Region abgegeben werden. Ehrenamtliche sammeln diese ein und gestalten daraus kleine Geschenke. Jedes Jahr bastelt beispielsweise Gaby Bitterlich dafür bunte Weihnachtssterne, die allen Briefen beigelegt werden.

Viele Veranstaltungen wegen Corona abgesagt

Wie überall mussten auch in der JVA Waldheim viele traditionelle Advents-Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. So müssen beispielsweise Weihnachtsfeiern in den einzelnen Vollzugsabteilungen oder im Rahmen von Freizeit- und Sportgruppen aufgrund der Pandemie entfallen, teilt Michaela Tiepner mit.

Dennoch werde durch die Mitarbeiter der JVA versucht, weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen. So sind zu Beginn der Adventszeit die Stationen mit Weihnachtsbäumen geschmückt worden.

Für den dritten Adventssonntag sei im Freien ein musikalisches Programm geplant. „Das können die Gefangenen, die Freigang oder das Fenster zum Hof haben live verfolgen“, so Michaela Tiepner. Das Programm soll aber auch mitgeschnitten und über den sogenannten Gitterkanal in die Hafträume der Inhaftierten übertragen werden.

Das traditionelle weihnachtliche Backen, Kochen und Beisammensein könne in diesem Jahr aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen nur auf den Stationen umgesetzt werden, wo die Inhaftierten untergebracht sind.

Einschnitte bei den Besuchsregelungen

Auch bei den Besuchsregelungen gebe es in diesem Jahr Einschnitte. „Bedingt durch die Corona-Pandemie müssen viele Gefangene auf den Besuch ihrer Angehörigen in diesem Jahr verzichten. Einige wollen das aber auch so“, sagt Michaela Tiepner. Regulär können die Gefangenen ihre Angehörigen am 26. und 27. Dezember in der JVA empfangen. Die Hygiene- und Abstandsregeln sind dabei strikt einzuhalten. Auch die Möglichkeit von Skype-Telefonaten bestehe.

Auf Weihnachten abgestimmt werden soll laut Michaela Tiepner auch die Verpflegung in der Anstalt. „Die Gefangenen erhalten einen Stollen und Weihnachtsgebäck“, sagt sie. Über die Feiertage stünden beispielsweise am 24. Dezember der vielerorts traditionelle Kartoffelsalat mit Bockwurst, am 25. Dezember Putenkeule mit Klößen und Rotkraut und am zweiten Weihnachtsfeiertag Wildgulasch mit Rosenkohl auf dem Speiseplan.

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