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Scharfe Sache aus Pulsitz

Der Hofladen von Familie Schertenleib ist nicht nur zur Spargelsaison geöffnet. Der Juniorlandwirt will künftig die Produktvielfalt vergrößern.

© Lars Halbauer

Ostrau. Als Spargelhof Schertenleib ist der landwirtschaftliche Betrieb aus Pulsitz über die Grenzen der Region bekannt. Doch nach dem Ende der Spargelsaison im Juni, passiert noch viel mehr rund um den Ostrauer Ortsteil.

Fast das ganze Jahr über werden im Hofladen handverlesene Kartoffeln und Zwiebeln verkauft. Künftig soll die Produktpalette um Bio-Gemüse erweitert werden. Deshalb hat Junglandwirt Mathias Schertenleib einen eigenen Betrieb gegründet – den LBM Schertenleib, den Landwirtschaftsbetrieb Mathias Schertenleib - Lohndienstleistungen und Bio-Gemüseanbau.

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Grüner Spargel wird angebaut

Ab nächstem Jahr soll neben den bisherigen Produkten auch Grünspargel angebaut werden. Dann dauert es noch zwei Jahre, bis dieser so wie der weiße Spargel mit dem Biosiegel angeboten werden kann. Auch andere Gemüsearten will der 25-jährige, der sein Masterstudium der Agrarwirtschaft demnächst abschließen wird, anbauen. Konkret will er noch nicht werden. Auf jeden Fall soll es Gemüse sein, das auch ihm schmeckt. Mathias Schertenleib ist es wichtig, dass das Gemüse, das im Hofladen angeboten wird, nur kurze Wege vom Feld bis zum Kunden zurücklegen muss. Das wirke sich zum einen auf die Qualität aus und sei zum anderen umweltfreundlich.

Der Junglandwirt will künftig seinen Kunden auch frische Eier anbieten. Dafür soll im Winter, wenn es auf dem Feld nicht mehr allzu viel zu tun gibt, ein mobiler Hühnerstall für 30 Legehennen gebaut werden. Je nach Bedarf könne dann die Anzahl der Tiere steigen.

Betrieb auf Bio umstellen

Doch jetzt widmet sich Mathias Schertenleib erst einmal dem, was das landwirtschaftliche Unternehmen seiner Eltern zu bieten hat. Das sind die Kartoffeln, die es in den drei Kategorien mehlig, vorwiegend fest und fest kochend gibt. Außerdem sei noch die rotschalige Laura angebaut worden. Schon jetzt werden keine Herbizide zur Unkrautbekämpfung verwendet. Künftig soll der ganze Betrieb auf Bio umgestellt werden.

neben Spargel und Kartoffeln baut der Spragelhof Schertenleib auch Zwiebeln an. Künftig soll Bio-Gemüse das Angebot im Hofladen in Pulsitz ergänzen.
neben Spargel und Kartoffeln baut der Spragelhof Schertenleib auch Zwiebeln an. Künftig soll Bio-Gemüse das Angebot im Hofladen in Pulsitz ergänzen. © Lars Halbauer

Mathias Schertenleib wendet das Wissen an, dass ihm beim Studium vermittelt wird. Da geht es um Untersaaten, die wenn die Kartoffel noch klein ist, das Unkraut verdrängen und später wiederum selbst von der Kartoffelpflanze verdrängt werden. „Ich will testen und probieren. Schön, dass die Professoren da hinter mir stehen und ich viel von ihnen lernen kann. Auf der anderen Seite setze ich das Wissen in die Praxis um. Jeder kann von den Erfahrungen profitieren“, sagte Mathias Schertenleib.

Auch bei den Kartoffeln könnte er sich künftig mehr Vielfalt vorstellen. Auf seinem Plan steht der Anbau von Süßkartoffeln, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. „Doch bis dahin brauche ich noch Zeit und die entsprechende Technik“, sagte der Jungbauer. Die Kartoffeln werden im Hofladen in den gewünschten Mengen und Größen abgegeben. „Die älteren Leute wollen meist kleinere Kartoffelgebinde. Während die Gaststätten, wenn sie geöffnet haben, wieder größere Kartoffelmengen benötigen. Wir gestalten das sehr individuell“, sagt Schertenleib, der den elterlichen Betrieb, den es seit 1991 in Pulsitz gibt, in den kommenden Jahren übernehmen wird.

Er wird auch weiterhin, wie seine Eltern bisher, rote und gelbe Zwiebeln anbauen. Wegen der Kahlfröste während der Eisheiligen und der Trockenheit ist der Ertrag gering, Pflanzen sind eingegangen. Doch die, die überlebt haben, schmecken sehr intensiv und sind scharf. „Wir können die Pflanzen nicht bewässern. Deshalb sind sie sehr langsam gewachsen und haben dadurch viel Schärfe entwickelt. Das trifft besonders auf die roten Zwiebeln zu“, so der Junglandwirt. Das was geerntet wurde, reiche für die Kundschaft, die die Pulsitzer Zwiebeln zu schätzen weiß.

Mathias Schertenleib wird auch weiterhin, wie seine Eltern bisher, rote und gelbe Zwiebeln anbauen. Wegen der Kahlfröste während der Eisheiligen und der Trockenheit ist der Ertrag gering, Pflanzen sind eingegangen.
Mathias Schertenleib wird auch weiterhin, wie seine Eltern bisher, rote und gelbe Zwiebeln anbauen. Wegen der Kahlfröste während der Eisheiligen und der Trockenheit ist der Ertrag gering, Pflanzen sind eingegangen. © Lars Halbauer

Jungbauer sucht Ackerland

Die Zwiebeln werden im Mulchsaatverfahren angebaut. Das ist bodenschonend, wassersparend und erosionsschützend, so Mathias Schertenleib. Denn er weiß den guten Boden der Lommatzscher Pflege zu schätzen und will ihn weiter erhalten. Am liebsten würde der Jungbauer noch mehr Land bearbeiten, um Dinge, die für die Menschen in der Region wichtig sind, anzubauen.

„Das Problem ist nur, welches zu bekommen. Viele Landwirte haben Investoren in der Hinterhand und können zu hohen Preisen Land kaufen, das für mich nicht erschwinglich ist. Hätte ich als Berufseinsteiger nicht den elterlichen Betrieb als Grundlage, dann hätte ich keine Chance, meine Ziele zu verwirklichen“, sagte Mathias Schertenleib.

Und da hat er viele. Neben der Umstellung auf Bio legt der Junglandwirt viel Wert auf die Erhaltung der Natur. Deshalb legt er seit vergangenem Jahr Blühwiesen an. Auf denen wachsen mehr als 20 Blumenarten, die bienenfreundlich sind. „Die Blumenmischungen stelle ich selbst her. Ich wähle aus, was gut zu den Standorten passt“, so Schertenleib.

Patenschaften für Blühwiesen

Für die Blühwiesen, für die auch Patenschaften übernommen werden können, legt er vorübergehend Flächen brach. „So hat der Boden mehr Zeit, sich zu erholen. Die Fruchtfolge wird aufgelockert“, sagte der Junglandwirt. Die Paten der Blühwiesen könnten auch in Maßen Blumen pflücken. Hauptsächlich seien diese jedoch für die Wildbienen und -hummeln gedacht.

Werbung für das Projekt hat Mathias Schertenleib bei Facebook und Instagram gemacht. Und es sei auch gut angenommen worden. In diesem Jahr war jedoch ein Treffen an den Blühwiesen mit den Paten coronabedingt nicht möglich.

Im Frühjahr ist Spargelsaison. Meist ist mit dem ersten Spargel Ende April zu rechnen. Dann allerdings muss das Wetter mitspielen.
Im Frühjahr ist Spargelsaison. Meist ist mit dem ersten Spargel Ende April zu rechnen. Dann allerdings muss das Wetter mitspielen. © Lars Halbauer

Am Spargelanbau hält Mathias Schertenleib weiter fest. Doch es soll nun neben dem weißen auch grünen und violetter Spargel angebaut werden. Der Violette kann ohne zu kochen für Salate verwendet werden.

Die Liebhaber des königlichen Gemüses können sich schon auf das nächste Jahr freuen. Meist ist mit dem ersten Spargel Ende April zu rechnen. Dann allerdings muss das Wetter mitspielen. Der Landwirtschaftsbetrieb setzt seit dem Jahr 2014 auf Bio. Seit 2017 gibt es Bio-Spargel aus Pulsitz. „Wir haben vorher auch kaum Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Nun wird nicht mehr mineralisch, sondern mit Dünger pflanzlicher Herkunft gedüngt“, so Mathias Schertenleib.

Viel Wert auf Nachhaltigkeit

Sogar beim Verkauf wird auf Nachhaltigkeit geachtet. Die Spargelbeutel sind aus Maisstärke. Auf einer Fläche von sechs Hektar baut der Landwirtschaftsbetrieb das königliche Gemüse an. „Wir spüren, dass die Kunden immer mehr auf regionale Produkte setzen.

Sie wollen die Erzeuger kennen. Deshalb haben wir auch jederzeit die Türen geöffnet, sodass sich jeder über unsere Produkte informieren kann“, sagte Mathias Schertenleib.

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