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Rassistischer Vorfall: Döbelner SC verlässt das Spielfeld

Der Gastgeber in der Fußball-Kreisoberliga Partheland schämt sich für seine Zuschauer. Sie haben am Sonntag „Laute Affengeräusche“ von sich gegeben.

Noch vor einer Woche jubelten die Döbelner über ihren Auftaktsieg in der Kreisoberliga. Am Sonntag folgte nun ein "Trauerspiel" wegen rassistischer Ausschreitungen von Zuschauern.
Noch vor einer Woche jubelten die Döbelner über ihren Auftaktsieg in der Kreisoberliga. Am Sonntag folgte nun ein "Trauerspiel" wegen rassistischer Ausschreitungen von Zuschauern. © Archiv/Dietmar Thomas

Region Döbeln. Diesen Spieltag werden die meisten Akteure und Betreuer wohl nicht so schnell vergessen. Lediglich drei von acht Partien haben am Ende ein Ergebnis. Die Wetterkapriolen und am Sonntag ein trauriger Spielabbruch sind schuld.

Da empfing der SC Partheland den Döbelner SC, führte bis in die Nachspielzeit mit 2:1. Dann gab es aus Zuschauerkreisen der Gastgeber „laute Affengeräusche“ gegen Spieler des DSC, worauf die Gäste geschlossen das Spielfeld verließen. Die Partheländer Spieler und Betreuer hätten danach ebenfalls Größe gezeigt, der Verein entschuldigte sich mehrmals und aufrichtig.

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Schiedsrichter Menger brach die Begegnung folgerichtig in der 94. Minute ab. Ein Sonderbericht des Referees soll folgen. Uwe Zimmermann, Co-Trainer des Döbelner SC, zeigte sich geschockt.

„Das sind Dinge, die nirgends und also auch nicht zum Sport gehören“, kommentierte er die Ausbrüche der vier Zuschauer. Die betroffenen Spieler des DSC seien erschrocken gewesen. Die Partheländer hätten dankenswerterweise sofort reagiert und die Störer des Stadions verwiesen.

Klare Worte vom Präsidenten

Thomas Kolbe, Präsident des Döbelner SC, meldete sich am Abend mit einer Stellungnahme zu Wort: "Sport ist nicht nur Sport, sondern findet hier in unserem Land, in unserer Region und unserer Gesellschaft statt. Der Döbelner SC 02/90 steht für Integration auf allen Ebenen. Auch das ist Sport. Wir wollen eine Gesellschaft, die auf Gemeinsamkeiten beruht und keine, die auf Trennungen, Spaltungen und Ängste basiert. Deshalb haben Rassismus aller Art, Ausgrenzung und Diskriminierung keinen Platz bei uns. Und deshalb können wir solche Ereignisse, wie heute beim Kreisoberligaspiel unserer 1. Männermannschaft beim SC Partheland, nicht tolerieren. Wenn unsere Spieler, deren Wurzeln erkennbar nicht in Deutschland liegen, die aber anerkannte, akzeptierte und integrierte Mitglieder unserer Gesellschaft sind, auf beschämende und niveaulose Art rassistisch beleidigt und beschimpft werden, dann ist das nicht akzeptabel."

Wie Kolbe weiter sagte, sei er stolz auf die klare und eindeutige Reaktion der Männermannschaft. "Hier wird Fußball und der Wettkampf zur Nebensache. Das Bekenntnis der Spieler und Betreuer zu den eigenen Teamkameraden und gegen die rassistischen Pöbler ist wichtiger. Der Abbruch des Spiels und das Verlassen des Spielfeldes ist die einzige und richtige Reaktion eines Teams."

Absagen wegen Wetter

Der „Rest“ des Spieltages ist schnell erzählt. Matthias Donath, Trainer des SV Ostrau, hatte schon am Donnerstag ein ungutes Gefühl. Er versprach ein interessantes Spitzenspiel gegen Einheit Frohburg, „wenn wir überhaupt spielen können“. 24 Stunden später bekam er vom Wettergott recht. In Zschaitz sorgte der Regen ebenso für einen Spielausfall wie auch in Leisnig sowie für den Roßweiner SV in Deutzen.

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Auf den Platz durften dagegen die Kicker des BC Hartha beim SV Tresenwald Machern. Doch im Nachhinein „hätten wir bei einer Absage nicht Nein gesagt“, so Trainer Martin Scheidig schmunzelnd angesichts der 1:6-Klatsche. Eine Erklärung: Scheidig musste auf zwölf Akteure verzichten - wegen Urlaub, Verletzung und Arbeits-Gründen. „Abhaken - und nächste Woche geht’s weiter“, so sein Fazit.

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