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Harthaer will Arzt in Mittelsachsen werden

Eric Leitert studiert Medizin in Dresden. Der Landkreis unterstützt ihn dabei. Aber nicht ganz ohne Gegenleistung.

Eric Leitert studiert in Dresden Medizin. Dafür hat er ein Stipendium vom Landkreis erhalten. Zu sehen ist Leitert hier mit einem Denkmal von Carl Gustav Carus, dem Namensgeber der Dresdner Universitätsklinik.
Eric Leitert studiert in Dresden Medizin. Dafür hat er ein Stipendium vom Landkreis erhalten. Zu sehen ist Leitert hier mit einem Denkmal von Carl Gustav Carus, dem Namensgeber der Dresdner Universitätsklinik. © Foto: Robin Stern

Region Döbeln. Er ist 27 Jahre jung und will sesshaft werden. Eric Leitert ist Medizinstudent im dritten Fachsemester an der medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden. Und er will sich einmal in Mittelsachsen niederlassen. So zumindest sind die derzeitigen Pläne des gebürtigen Harthaers, der zurzeit in der Landeshauptstadt lebt.

Weil sich Leitert bezüglich der Region, in der er einmal als Mediziner tätig sein will, so sicher ist, hat er sich auch um ein Stipendium beim Landkreis beworben. Mit Erfolg. Dabei war der gelernte Gesundheits- und Krankenpfleger anfangs noch zurückhaltend. „Meine Eltern haben in der Zeitung von dem Stipendium gelesen und mich darauf aufmerksam gemacht“, sagt der junge Mann.

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Erst im Sommer hatten sich die Kreisräte für das Stipendium ausgesprochen. Mit dem Programm „Rundum gesund – Arzt werden für Mittelsachsen“ sollen angehende Mediziner für den Landkreis gewonnen werden. Dafür erhalten sie für maximal sechs Jahre jeden Monat 400 Euro. Fünf Interessenten hatten sich nach Angaben des Kreises um ein solches Stipendium beworben. Eric Leitert ist einer von den drei Kandidaten, die die Zusage bekommen haben.

Acht Jahre auf Platz gewartet

Für ihn eine willkommene Unterstützung zu den 800 Euro elternunabhängigem Bafög, das er aufgrund seiner Ausbildung noch erhält. Das Geld aus dem Stipendium werde er zunächst zur Seite legen und für eine Reise nach Südafrika sparen, sagte er. Jene wolle er sich als Belohnung für das bestandene Physikum gönnen. Schon im August steht bei ihm jene Zwischenprüfung im Rahmen des Studiums an.

Acht Jahre musste Eric Leitert überbrücken, bis er im Oktober 2019 endlich sein Studium aufnehmen konnte. Seit 2011 hatte er sich jedes Jahr zum Wintersemester wieder um einen Studienplatz beworben. Dresden war dabei immer sein Favorit. Aber auch Universitäten in Leipzig oder Heidelberg standen zur Auswahl. Die Wartezeit hat der Harthaer genutzt, um zunächst eine Ausbildung abzulegen.

Direkt nach dem Abitur zog er nach Frankfurt am Main, um am Klinikverbund der Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken den Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers zu lernen. Dorthin verschlagen hat es ihn mehr oder weniger zufällig.

Bei der Suche nach einer Ausbildung sei er im Internet auf die Kliniken aufmerksam geworden. Die Konditionen seien gut gewesen. Und in der Region habe es mit einem Ausbildungsplatz nicht so richtig geklappt.

Ausbildung statt FSJ

Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) kam für Leitert nach dem Abi nicht in Frage, auch wenn er die Möglichkeiten dazu gehabt hätte. „Ich wollt gleich etwas in der Hand haben, musste ja immer damit rechnen, dass es mit dem Studium nicht klappt.“

Der Studienwunsch sei dabei allerdings erst relativ spät entstanden, gibt Leitert zu. „Ich hatte schon früh das Interesse an der Behandlung von Kranken und an Sanitätsdiensten“, sagt er. Aber die bewusste Entscheidung zum Berufswunsch Arzt sei erst kurz vor den Abiturprüfungen gefallen. „Ich musste abwägen zwischen Medizin und einem Studium.“

Bis 2014 blieb Leitert zunächst in Frankfurt, schloss dort eine Ausbildung ab. Während jener war er viel im Bereich der Anästhesie sowie Intensivpflege tätig. Dann jedoch zog es ihn zurück nach Sachsen. „Hier ist meine Familie, sind meine Freunde, mein soziales Umfeld, und mein Hobby“, begründet er.

Seit 2008 ist er über den Sanitätsdienst am Martin-Luther-Gymnasium Hartha bei der Johanniter Unfallhilfe, die ihren Sitz in Leisnig hat. „Seit März 2019 bin ich dem Landkreis im Katastrophen-Schutz verpflichtet“, sagt Leitert.

Treues Mitglied bei den Johannitern

Im Rahmen dieser ehrenamtlichen Tätigkeit unterstützt der 27-Jährige derzeit auch den DRK-Kreisverband im Bereich des Rettungsdienstes bei der Durchführung von Krankentransporten.

Darüber hinaus hat er während der vergangenen elf Jahre für die Johanniter bereits zahlreiche Sanitätsdienste, unter anderem bei Sportveranstaltungen wie dem Berlin-Marathon oder Fußballfesten, bei Konzerten, dem evangelischen Kirchentag oder dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig übernommen.

„Sehr spannend war 2020 auch die Mitwirkung bei einer Evakuierung nach einem Bombenfund in Chemnitz“, berichtet Leitert.

Im Zuge der ehrenamtlichen Tätigkeit hat sich der junge Mann zum Rettungssanitäter im Rettungsdienst ausgebildet. Für das Studium bringt er damit bereits einiges Wissen sowie Zusatzqualifikationen mit.

Nach seiner Ausbildung und Rückkehr nach Sachsen lebte Leitert zunächst für ein halbes Jahr wieder in Hartha und sammelte als Gesundheits- und Krankenpfleger Erfahrungen am Klinikum in Döbeln.

Während des Sommerurlaubs an der Ostsee im Jahr 2019 erhielt er endlich die Zusage für das Studium. „Ich habe mich bisher selten in meinem Leben so gefreut.“ Noch heute denke er hin und wieder an jenen Moment zurück, vor allem dann, wenn ihm das Lernen schwer falle und ihm bewusst werde, welcher Weg noch vor ihm liegt.

Kein Präparierkurs wegen Pandemie

Aufgrund der Pandemie ist auch das Studium derzeit nur eingeschränkt möglich. Bis zum Physikum müsste er viel Theorie pauken. „Es geht um den Aufbau des Menschen. Darum, wie jede kleinste Zelle funktioniert“, beschreibt er.

Der Vorteil sei jedoch, dass er sich den Stoff auch gut zu Hause aneignen könne. Die Vorlesungen laufen online. Schwieriger sei es für diejenigen, die bereits den zweiten Teil des Studiums absolvierten, in dem viel Praktisches im Lehrplan stehe.

Leitert und seine Kommilitonen müssen allerdings auch auf eine wichtige praktische Erfahrung verzichten: den Präparierkurs. Im Rahmen dessen lernen die Studenten den Aufbau des Menschen anhand einer Leiche kennen. Eine Erfahrung, die kein Lehrbuch ersetzen kann. „Dort ist alles wunderbar farblich gekennzeichnet. In der Realität aber ist das nicht so.“ Der Kurs soll jedoch vor der Zwischenprüfung noch nachgeholt werden.

Notarzt oder doch Intensivstation?

Ziel des Studenten ist es, einmal im Bereich der Intensivmedizin zu arbeiten. Jene ist derzeit gerade durch die Pandemie besonders beansprucht. Doch das schreckt den jungen Mann nicht ab.

„Schon durch meine Ausbildung habe ich gewusst, was da auf mich zukommt. Gerade in der Intensivmedizin kämpft man regelmäßig mit Stress, Angstreaktionen, mit Wut. Das kann dich zu jeder Zeit in vollster Härte treffen“, meint der Harthaer.

Zudem kenne er durch seine Tätigkeit bei den Krankentransporten auch die Schwierigkeiten, die das Arbeiten in der Schutzkleidung mit sich bringt. „Aber ich glaube, wer sich für eine Tätigkeit in der Pflege oder im medizinischen Bereich entscheidet, der macht das auch bewusst und hat eine dicke Haut. Aber natürlich hat alles seine Grenzen.“

Student sucht noch Mentor

Leitert könnte sich auch vorstellen, zukünftig als Notarzt durch den Landkreis zu fahren und sich mit Mitte 50 als Arzt niederzulassen. Ganz auf eine Fachrichtung eingrenzen wollte er sich zu Beginn des Studiums nicht. Daher sei auch ein Stipendium der Kassenärztlichen Vereinigung für ihn nicht infrage gekommen.

Im Rahmen des Stipendiums können Medizinstudenten bis zu 1.000 Euro pro Monat bekommen. Sie verpflichten sich jedoch dafür dazu, nach dem Studium eine Stelle als Allgemeinmediziner in Sachsen anzutreten. Diese Einschränkung wollte Leitert nicht.

„Das Stipendium des Landkreises hat da einfach besser gepasst“, sagt er. Trotzdem habe er sich erst gescheut, die bestehenden Verpflichtungen einzugehen. Denn bricht er das Studium ab, oder zieht es ihn in Zukunft doch nach Hamburg oder Australien, dann muss er das Stipendium zurückzahlen. So sieht es das Programm vor.

Wer ihn als Mentor aus Mittelsachsen während des Studiums begleiten wird, das stehe noch nicht fest. „Im Dezember habe ich erst die Bestätigung des Stipendiums erhalten“, erklärt er.

Noch keine festen Verträge gebe es zudem für seine praktische Ausbildung, die er nach den Vorgaben im Kreis absolvieren muss. „Ich liebäugle mit dem Klinikum Döbeln. Dort habe ich schon gearbeitet. Und sie haben ein gutes Konzept.“

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