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Straußen-Eierlikör nach Geheimrezept

Auf dem Straußenhof leben im Durchschnitt 60 bis 70 Tiere. Sie bekommen gewaschene Steine ins Futter gemischt.

Der Chef des Straußenhofes Striegistal Marcus Reißig mit den in der Region besonderen Tieren.
Der Chef des Straußenhofes Striegistal Marcus Reißig mit den in der Region besonderen Tieren. © Lars Halbauer

Striegistal. Auf dem Straußenhof Striegistal in Pappendorf ist alles ein bisschen größer. Die Tiere, die Eier und die Küken. Im Hofladen gibt es ein reichhaltiges Angebot an Straußenfleisch- und Wurstwaren sowie Produkte aus Straußeneiern. Der Großteil der Eier wird jedoch für die Nachzucht benötigt.

Die Straußendamen legen in ein Sandloch, das mehr als eine Ablegestelle ist, ihre Eier. Die haben ein Gewicht von 1,6 bis 1,8 Kilogramm und müssen doppelt so lange im Brutkasten bleiben wie Hühnereier. Wenn die Küken nach etwa 42 Tagen schlüpfen, sind sie rund 30 Zentimeter groß und wiegen um die 800 Gramm. „Wenn wir die Eier aus dem Nest nehmen, müssen wir den Hahn mit Futter ablenken. Sonst würde er das Ei verteidigen. Die Hennen sehen das eher gelassen“, sagte Marcus Reißig, der die Straußenfarm leitet. Unterstützung bekommt er von seinem Vater Wolfgang Reißig, der Rentner ist.

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Marcus Reißig leitet den Straußenhof Striegistal in Pappendorf. In der Hand hält er ein Straußenei.
Marcus Reißig leitet den Straußenhof Striegistal in Pappendorf. In der Hand hält er ein Straußenei. © Lars Halbauer

Der Straußenhof Striegistal hat zwei Zuchtgruppen mit insgesamt sieben Hennen. Diese legen zusammen drei bis vier Eier am Tag und das am Nachmittag. Deshalb werden sie mit der Fütterung am Abend abgenommen. „Die Hennen legen ihre Eier in der Zeit von Februar/März bis Anfang September, je nach Lust und Wetter. Dann ist erst einmal Winterpause“, so Marcus Reißig. Die Sandkuhle, aus der er die glänzenden Rieseneier holt, nutzen die Strauße außerdem auch zur Gefiederpflege.

Pro Jahr legt jede Henne etwa 40 bis 100 Eier. 60 seien schon ein gutes Ergebnis, so der Leiter des Straußenhofes. Die Nachfrage nach den Eiern ist riesig, und somit sind sie immer Mangelware. Immerhin entspricht der Inhalt eines Straußeneis 20 bis 25 Hühnereiern. „Da werden schon mal sieben Erwachsene von einem Rührei satt“, sagte Marcus Reißig.

Aus den Eiern werden unter anderem Eierlikör und Nudeln hergestellt. Die Hauptprodukte sind Fleisch und Wurst. Auch das Leder wird weiterverarbeitet.
Aus den Eiern werden unter anderem Eierlikör und Nudeln hergestellt. Die Hauptprodukte sind Fleisch und Wurst. Auch das Leder wird weiterverarbeitet. © Lars Halbauer

Aus den Eiern werden beispielsweise auch Straußeneinudeln hergestellt, die die Familie in einer Nudelmanufaktur in Stadt Wehlen produzieren lässt. „Sie sind handgemacht und luftgetrocknet“, so Marcus Reißig. Außerdem wird im eigenen Haus Straußenei-Eierlikör nach dem Geheimrezept der Oma hergestellt. „Der wird aber nur ab Hof verkauft“, so der Chef des Straußenhofes.

Aus den Hälften der Straußeneischalen werden Pyramiden mit Frühlings- und Wintermotiven hergestellt. „Es gibt aber auch ein Afrika-Motiv, das für jede Jahreszeit geeignet ist“, so Marcus Reißig. Das Bemalen der Pyramiden überlässt er einer Porzellanmalerin, das Zusammenbauen übernimmt die Drechslerei Wagner. Neu ist, dass aus den Straußeneiern auch Windlichter hergestellt werden.

Aus den Hälften der Straußeneischalen werden Pyramiden mit Frühlings- und Wintermotiven hergestellt. Es gibt aber auch ein Afrika-Motiv, das für jede Jahreszeit geeignet ist.
Aus den Hälften der Straußeneischalen werden Pyramiden mit Frühlings- und Wintermotiven hergestellt. Es gibt aber auch ein Afrika-Motiv, das für jede Jahreszeit geeignet ist. © Lars Halbauer

Doch das Hauptprodukt der Straußenfarm ist das Fleisch der Tiere. Diese werden im Alter von einem bis eineinhalb Jahren geschlachtet. Das übernimmt ein Fleischer aus der Region. „Das Fleisch sieht aus wie Wild. Es ist dunkelrot und hat die Eigenschaften von Geflügel. Der Geschmack ist herzhaft und geht in Richtung Rind“, so Marcus Reißig. Es ist mit einem Fettanteil von zwei bis drei Prozent sehr mager und cholesterienarm. Die Verwendung beziehungsweise Zubereitung ist sehr vielseitig.

„Als Steak ist es der Renner. Aber es kann auch als Bratenfleisch, für Gulasch oder als Rouladen verwendet werden. Manche Kunden machen daraus sogar Sauerbraten. Doch dafür ist es fast zu schade“, so der Chef des Straußenhofes.

Nicht jedes Filetstück ist als Steak geeignet. Damit der Kunde das richtige Straußenfleisch für die gewünschte Verarbeitung bekommt, gibt es die Beratung im Hofladen. Strauße haben kein Brustfleisch, weil sie nicht fliegen. Ihr Fleisch stammt vorwiegend aus der Keule. Bei etwa 30 bis 40 Kilogramm Fleisch pro Vogel kommen zwölf bis vierzehn Kilogramm aus jeder Keule. Zwei Filetstücken befinden sich im Rücken. Aus dem Fleisch der Flügel wird Kochfleisch. Der Fleischer stellt auch verschiedene Sorten Wurst her. Dazu gehören unter anderem Wiener, Roster, Leberwurst, Frühstücksfleisch und Salami. Im Jahr werden etwa 60 bis 70 Tiere geschlachtet.

„Viele Kunden wollen Fleisch als Weihnachtsbraten, weil es etwas Besonderes ist“, so Marcus Reißig. Verarbeitet wird auch das Leder, das an den Noppen zu erkennen ist. Eine Firma aus Ilmenau stellt daraus Taschen und Etuis her. Auch das gehört zum Angebot im Hofladen. Das gilt ebenso für die Seifen, die aus dem wenigen Fett der Vögel in der Seifenmanufaktur in Marbach produziert werden.

Die Gehege sind sehr großzügig und bis zu 100 Meter lang, sodass die Laufvögel auch mal richtig durchstarten können. Sie lieben es, zu rennen und sich wie auf einem Laufsteg zu präsentieren.
Die Gehege sind sehr großzügig und bis zu 100 Meter lang, sodass die Laufvögel auch mal richtig durchstarten können. Sie lieben es, zu rennen und sich wie auf einem Laufsteg zu präsentieren. © Lars Halbauer

„Normalerweise veranstalten wir im Mai ein Hoffest und im Dezember einen Weihnachtsmarkt“, so Reißig. Doch diese Absatzmöglichkeit gebe es in diesem Jahr wegen Corona nicht.„ Wir werden aber in der Adventszeit einen schönen Weihnachtshof gestalten. Außerdem haben wir am vierten Adventswochenende für den Weihnachtsverkauf verlängerte Öffnungszeiten in unserem Hofladen. Wir nehmen auch Vorbestellungen an“, so der Farmer.

Wer auf den Straußenhof Striegistal kommt, will nicht nur einkaufen, sondern die für die Region besonderen Tiere sehen. Sie leben in Gruppen mit maximal 15 Tieren, die nach ihrem Alter zusammengefasst werden. Die Gehege sind sehr großzügig und bis zu 100 Meter lang, sodass die Laufvögel auch mal richtig durchstarten können. Sie lieben es, zu rennen und sich wie auf einem Laufsteg zu präsentieren. Es gibt beim Betrachten viel zu entdecken.

Gern zeigen sich die Tiere im gehe in voller Schönheit. Nach etwa einem Jahr sind die Tiere zirka 2,50 Meter groß und wiegen zwischen 80 bis 90 Kilogramm.
Gern zeigen sich die Tiere im gehe in voller Schönheit. Nach etwa einem Jahr sind die Tiere zirka 2,50 Meter groß und wiegen zwischen 80 bis 90 Kilogramm. © Lars Halbauer

Nach etwa einem Jahr sind die Tiere zirka 2,50 Meter groß und wiegen zwischen 80 bis 90 Kilogramm. Ein Zuchthahn bringt bis zu drei Zentner auf die Waage. Die Männchen sind am schwarzen und die Hennen am grauen Gefieder zu erkennen. Beeindruckend sind die riesigen Augen und die langen Wimpern der Vögel.

„Das ist das, was wir unseren Kunden und Gästen zusätzlich bieten können, einen Erlebniseinkauf“, so der Farmer. Die Tiere zupfen das Gras mit ihren großen Schnäbeln. Im Winter bekommen sie zusätzlich Heu. Das Futter besteht aus einer hofeigenen Körnermischung – für jedes Tier werden täglich 1,5 Kilogramm bereitgestellt. 

Drei Mal in der Woche werden Kieselsteine hinzugefügt. Je nach Größe der Tiere sind diese acht bis 16 Millimeter groß. „Das ist notwendig, weil die Strauße ihre Nahrung nicht kauen. Sie schlingen alles hinunter und es muss im Magen zermahlen werden“, erklärte Marcus Reißig.

Die nächste Folge der Serie „Lecker vom Hof“ erscheint nächste Woche.

Bereits erschienen sind:

https://www.saechsische.de/doebeln/biogaertnerei-salat-auenhof-leipacher-sachsen-salat-bio-gurken-frischer-salat-bis-in-den-herbst5290580-html-5290580-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/lokales/muehle-oel-hof-hofladen-gadewitz-direktvermarkter-fluessiges-gold-aus-der-muehle-5297126-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/lokales/kaese-quark-milch-pulsitz-demeter-hof-kuehe-direktvermarkter-5294512-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/direktvermarkter-milch-kaese-joghurt-nauhain-quark-zschaage-5308657-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/ziegen-ziegenkaese-sornzig-kloy-bio-direktvermarkter-serie-vom-feld-auf-den-tisch-hofladen-sorntzig-5299440-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/mehl-mueller-polkenberg-muehlenladen-muehle-getreide-regionalitaet-5311550-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/lokales/hauschlachten-wurst-direktvermarter-5302071-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/bio-kartoffeln-landwirt-kuemmel-senf-linsen-kartoffelsprechstunde-in-clennen-5313893-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/einkaufen-in-doebeln/kelterei-neugreussnig-bio-saft-gluehwein-aepfel-5306607-plus.html

https://www.saechsische.de/doebeln/bio-gaertnerei-fischendorf-altenhof-tee-gewuerze-gemuese-rockmann-5303767-plus.html

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