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„Auch wir leiden unter Fachkräftemangel“

Der neue Superintendent Dr. Sven Petry für den Bezirk Leisnig-Oschatz befürchtet, dass einige Pfarrstellen verschwinden. Doch für Döbeln hat er Hoffnung.

Der neue Superintendent des Kirchenbezirks Leisnig-Oschatz wird am Sonntag auch offiziell in sein Amt eingeführt. Dr. Sven Petry ist seit 1. September allerdings schon im Dienst.
Der neue Superintendent des Kirchenbezirks Leisnig-Oschatz wird am Sonntag auch offiziell in sein Amt eingeführt. Dr. Sven Petry ist seit 1. September allerdings schon im Dienst. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Die Umzugskisten sind so gut wie ausgepackt, die neuen Büroräume verfügen inzwischen über Telefon- und Internetanschluss. Es ist alles bereit für die Amtseinführung am Sonntag. Im Rahmen eines Gottesdienstes in der Leisniger Stadtkirche beginnt für den 44-jährigen gebürtigen Westfalen Dr. Sven Petry auch offiziell ein neuer Lebensabschnitt.

Herr Dr. Petry, haben Sie sich inzwischen in Leisnig eingelebt?

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Dr. Sven Petry: Ich weiß nicht, ob man schon sagen kann „eingelebt“. Wir sind angekommen, so auch die Kinder in der Kita. Die Möbel sind an ihrem Platz. Nur die Bilder hängen noch nicht an der Wand. Wir sind dabei, uns einzuleben. Wir fühlen uns ganz wohl hier.

Wie weit sind Sie mit der Einrichtung des Büros an der Kirchstraße 18?
Wir haben die neuen Räume bezogen und jetzt auch Internet und Telefon. Auch die Arbeitsstelle Kinder, Jugend und Bildung des Kirchenbezirks wird mit in das Haus einziehen. Am Dienstag gibt es hier den offiziellen Startschuss.

Was erwartet Sie zu Ihrer Amtseinführung am Sonntag gegen 14 Uhr in der Stadtkirche St. Matthäi in Leisnig?
Es wird ein vermutlich relativ gut besuchter Gottesdienst werden. Der Landesbischof wird kommen, auch Vertreter des Landeskirchenamtes sowie andere Superintendenten aus der Landeskirche werden erwartet. 

Der Landesbischof wird mich in das neue Amt einführen. Es wird eine Reihe von Texten verlesen, aus der Bibel natürlich, aber auch meine Berufungsurkunde und meinen Lebenslauf. Wenn ich für das neue Amt eingesegnet worden bin, werde ich meine erste Predigt in Leisnig halten.

Struktur der Kirchgemeinden bleibt erhalten

Ihr Amt übernommen haben Sie bereits zum 1. September. Hatten Sie schon Gelegenheit, die Region kennenzulernen?

Nein, dazu bin ich noch nicht gekommen. Döbeln und Oschatz stehen bei mir aber ganz oben auf der Liste, aufgrund der dortigen Vakanzsituation. In Döbeln ist nur eine von drei Pfarrstellen besetzt, in Oschatz sind es fünf von sieben. Dort gab es vor einiger Zeit aber noch neun Pfarrstellen.

Geplant sind Termine bei den Pfarrerinnen und Pfarrern im Kirchenbezirk sowie bei den Mitarbeitern. Im Bereich Döbeln werde ich voraussichtlich Anfang oder Mitte November meinen ersten Gottesdienst auswärts feiern, um die Gemeinde, auch bei Nachgesprächen, kennenzulernen.

Welche Möglichkeit haben Sie als Superintendent, neue Pfarrer in den Kirchenbezirk zu holen?
Die Besetzungsverfahren laufen über das Landeskirchenamt. Ich habe da relativ wenig Einfluss darauf, wann und wohin ein neuer Pfarrer geschickt wird. Ich kann immer mal wieder ein gutes, auch nachdrückliches Wort bei der Landeskirche für die Gemeinden einlegen.

Einen Pool an Pfarrern, aus dem heraus ich verteilen kann, habe ich nicht. Es wäre darum vermessen, den Gemeinden zu versprechen, dass eine Pfarrstelle zu einem bestimmten Zeitpunkt nachbesetzt wird. Als Superintendent habe ich dazu rechtlich keine Möglichkeiten.

Herrscht auch im Bereich der Pfarrer ein Mangel an Nachwuchskräften?
Ja, auch wir leiden unter Fachkräftemangel. Es sind nicht genügend Absolventen da, um die Lücken kurzfristig zu füllen. Die Ausbildung zum Pfarrer dauert lange. Sie beginnt mit fünf, meist sechs Jahren Studium. Im Anschluss folgt das meist zweieinhalbjährige Vikariat. Aber für Döbeln und Oschatz habe ich Hoffnung, dass sich die Stellen wieder besetzen lassen.

Wie wirkt sich der Mangel an Pfarrern auf die Struktur der Kirche aus?
Im Jahre 2027 wird mit insgesamt weniger Pfarrstellen in der Landeskirche gerechnet. Aufgrund der Vakanzen wird sich in manchen Regionen die reduzierte Zahl an Stellen aber praktisch schon vorher einstellen. Es fehlt einfach an Absolventen.

Wird es weitere Zusammenlegungen von Kirchgemeinden und -bezirken geben?
Was den Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz angeht, sollte erst einmal Ruhe sein. Diese Umstrukturierung ist bereits weitestgehend erfolgt. Es wird jedoch Veränderungen bei der Zahl der Pfarrstellen geben. So gibt es im Oschatzer Land zum Beispiel derzeit noch sieben Pfarrstellen. Diese ergeben sich rechnerisch aus der Zahl der Gemeindeglieder. Dafür gibt es einen speziellen Schlüssel.

Wenn die Gemeindegliederzahl weiter sinkt, wird bei den Pfarrstellen gekürzt. Wo diese dann wegfällt, wird innerhalb des Bereichs entschieden, Seelsorgebezirke neu festgelegt. Die Struktur der Kirchgemeinden bleibt dabei jedoch erhalten. Aufgrund des Personalmangels sowie der Vakanzen kann sich dieser Zustand aber auch schon vorher einstellen. Ohne das dies irgendjemand will.

"Ein Handbuch für Superintendenten gibt es nicht"

Wie groß ist der Bereich, für den Sie jetzt zuständig sind?

Zum Kirchenbezirk gehören knapp 30.000 Gemeindeglieder mit 24 Kirchgemeinden und eigentlich 30 Pfarrstellen. Davon sind zurzeit aber sechs unbesetzt.

Was genau gehört alles zu Ihren Aufgaben als Superintendent?
Mir obliegt die Leitung des Kirchenbezirks. Ich bin Dienstvorgesetzter der Pfarrerinnen und Pfarrer und beteiligt am Kirchenbezirksvorstand. Ich übernehme den kirchenrechtlichen Dienst der Visitation und Ordination. Ich darf zum Beispiel einen Pfarrer im Kirchenbezirk neu einführen, oder verabschieden. Das sind bischöfliche Funktionen.

Zudem bin ich beratende Instanz. Sollte in den Gemeinden gravierend gegen die kirchliche Ordnung verstoßen werden, würde ich dies anmerken und gegebenenfalls Schritte einleiten müssen.

Meine Funktion ist vielleicht in etwa mit der eines Landrates in einem Landkreis zu vergleichen. Die Kirchgemeinden sind dabei wie Kommunen. Und die gilt es zusammenzuhalten.

Wie haben Sie sich auf das Amt vorbereitet?
Ein Handbuch für Superintendenten gibt es nicht. Es gehört zum Amt dazu, sich einzuleben und erst einmal zu orientieren. Mit meinem Vorgänger Arnold Liebers habe ich auch gesprochen, auch der stellvertretende Superintendent Rafael Schindler hat mir hier und da Hinweise gegeben, was anliegt.

War es schon immer Ihr Ziel, Superintendent zu werden?
Nein, das war nicht schon immer mein Ziel gewesen. Dinge entwickeln sich. Zu Beginn meines Pfarrdienstes konnte ich mir auch vorstellen, eine zweite Qualifikationsarbeit zu schreiben, an die Uni zurückzugehen und zu habilitieren. Ein anderer Superintendent hatte mich dann mal gefragt, ob ich mir das auch vorstellen könnte.

Und nach zehn Jahren in meiner ersten Stelle – bis zum 30. August war ich Pfarrer in der Kirchgemeinde Tautenhain-Ebersbach-Nauenhain –, war es Zeit, zu wechseln. Vor einigen Jahren kam dann der Gedanke, einmal eine übergemeindliche Aufgabe zu übernehmen.

Begeisterung für Kirche: "Sehr individuelle Angelegenheit"

Warum ist es dann gerade die Superintendentur im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz geworden?

Aufgrund meiner Familiensituation bin ich an eine gewisse Nähe zu Leipzig gebunden. Eine Stelle in Zittau, Pirna oder dem Vogtland wäre aufgrund der älteren Kinder schwierig geworden. Da wäre neben Leisnig also nur Leipzig infrage gekommen.

Ich wurde dann gefragt, ob ich nach Leisnig gehen würde. Mit meiner Frau habe ich dann darüber nachgedacht, wir waren hier und ich habe mir gesagt: Das könnte was werden. Den ländlichen Bereich kenne ich ja bereits von meiner Stelle in Tautenhain.

Was haben Sie sich für Ihre Amtszeit im hiesigen Kirchenbezirk vorgenommen?
Die neuen größeren Strukturen im Kirchenbezirk müssen sich erst einmal finden, sowohl die Gemeinden als auch die Mitarbeiter. Dafür braucht es Zeit und Raum für Gespräche, ein offenes Ohr. Das wird sicherlich die nächsten ein bis zwei Jahre dauern. Über die neuen Strukturen hat kaum jemand gejubelt.

Erst dann wird es um die Frage gehen, was man zusammen machen kann. In drei Jahren steht zum Beispiel das 500-jährige Jubiläum der Leisniger Kastenordnung an. Das ist nicht nur für Leisnig bedeutend, sondern kirchengeschichtlich auch überregional. 2029 steht dann das 500-jährige Jubiläum des Kirchenbezirks an.

Wie kann es Ihnen gelingen, mehr Menschen für die Kirche zu begeistern?
Wenn sich Menschen für die Kirche begeistern, dann tun sie das aufgrund einer bestimmten Person oder Sache an einem bestimmten Ort. Das ist eine sehr individuelle Angelegenheit. 

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Ich hoffe, dass es gelingt, sich in den neuen, großen Strukturen einzurichten, damit die Kirche sich nicht mehr nur mit sich selbst und den Strukturen beschäftigt. Und wir müssen vom Glauben erzählen, sichtbar machen, dass er uns Freude macht.

Das Gespräch führte Maria Fricke.

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