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In Mockritz entsteht ein Technologiepark

Das Institut für Konstruktion und Verbundbauweisen zieht um und erweitert sich. Bis dahin gibt es noch viel Arbeit.

Der Geschäftsführer von KVB und LiCoMo Markus Mütsch zeigt einen m Hebel aus Verbundstoff.
Der Geschäftsführer von KVB und LiCoMo Markus Mütsch zeigt einen m Hebel aus Verbundstoff. © Dietmar Thomas

Mockritz/Mochau. Hinter den Buchstaben KVB steht das Institut für Konstruktion und Verbundbauweisen. Zurzeit hat die gemeinnützige GmbH ihr Domizil im Gebäude von Cotesa im Gewerbegebiet „Zum Fuchsloch“.

„Wir wollen wachsen. Deshalb brauchen wir mehr Platz“, sagte Geschäftsführer Markus Mütsch. Man habe gesucht und das Objekt von ehemals Takata, später Joyson, im Mockritzer Gewerbegebiet gefunden. Der Gesellschafter von KVB kaufte das Gebäude, das dreimal so viel Platz bietet als am bisherigen Standort.

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„Uns stehen dann 640 Quadratmeter Büro und etwas mehr als 1.000 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung“, so Mütsch. Entstehen soll ein Technologiepark.

Gebäude muss saniert werden

Doch bevor der Umzugswagen kommen kann, wird noch etwas Zeit vergehen. Denn das Gebäude in Mockritz ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. „Da es sich um eine Umnutzung handelt, muss erst einmal ein Bauantrag gestellt werden. Wir hoffen, dass wir den im Mai oder Juni vom Landratsamt Mittelsachsen bewilligt bekommen und wir mit den Arbeiten im Sommer beginnen können“, sagte der Geschäftsführer.

So müssen das undichte Dach repariert und einige bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Der Umzug sei dann für das vierte Quartal geplant, sodass im Januar 2022 mit der Produktion und Forschung im Mockritzer Gewerbegebiet begonnen werden kann, sagte Mütsch.

Der Gesellschafter investiert etwa ein bis zwei Millionen in das Projekt. Allerdings ist das Geld nicht nur für den Umbau, sondern auch für die Erweiterung des Maschinenparks gedacht. Der Bau soll aus Eigenmitteln gestemmt werden. Zurzeit arbeiten beim KVB 17 Mitarbeiter, die meisten sind Ingenieure.

Das Institut für Konstruktion und Verbundbauwesen will nicht nur in der Fläche, sondern auch personell wachsen, mehr Ingenieure einstellen. Wichtig ist dem Geschäftsführer, dass zumindest ein Teil der neuen Belegschaft aus der Region kommt, sich mit dieser verbunden fühlt und auch bleiben will.

In das Gebäude im Mockritzer Gewerbegebiet von ehemals Takata, später Joyson, will KVB Konstruktion und Verbundbauweisen einziehen.
In das Gebäude im Mockritzer Gewerbegebiet von ehemals Takata, später Joyson, will KVB Konstruktion und Verbundbauweisen einziehen. © Dietmar Thomas

Deshalb ist das KVB Partner der Berufsakademie Riesa. Hier könnten die künftigen Ingenieure die Grundlagen und beim KVB die Praxis lernen. Und da hat das Institut einiges zu bieten. Denn hier wird vorwiegend geforscht und entwickelt.

„Wenn ein Teil in Serie produziert wird, ist das Spannendste für die Ingenieure vorbei. Wir bieten dagegen viele Technologien und einen großen Bastelkeller an“, sagte Mütsch. Klar werde vorwiegend für technische Bauteile geforscht, aber auch für Skateboards. „Was wir zu bieten haben, ist für junge Leute hochinteressant“, so der Geschäftsführer.

Entwicklung von Wasserstoffdruckbehältern

Gearbeitet wird mit Glasfaser- und Kohlefaserverbundwerkstoffen. Diese werden für die Herstellung von Bauteilen für Maschinen, Rohre, Ringe oder für Gehäuse von Pumpen, Motoren und Schiffsantrieben verwendet. „Eines unserer neueren Themen ist die Forschung und Entwicklung von Wasserstoffdruckbehältern. Wasserstoff ist das große Zukunftsthema und wir entwickeln Behälter, in denen er aufbewahrt werden kann“, sagt Markus Mütsch.

Das KVB arbeitet an verschiedenen Forschungsprojekten. Dazu gehört auch, wie die leichten, sehr harten und fast unzerstörbaren Verbundwerkstoffe recycelt werden können. Als Beispiel nennt er die Firma Cotesa, in deren Gebäude das Unternehmen zurzeit nicht nur untergebracht ist, sondern mit der es auch zusammenarbeitet. „Es geht darum, den Abfall, der beim Bau von Fahrzeugteilen entsteht, wieder in die Kreislaufwirtschaft zu bringen. Dabei haben wir schon erste Erfolge erzielt“, so Markus Mütsch.

Die Forschungsaufträge stammen entweder von staatlichen Stellen oder aus der Wirtschaft. Der Partner aus der Industrie kommt zu uns, weil er ein Problem mit seinem Produkt hat beziehungsweise unzufrieden damit ist. Dann ist das ein Entwicklungsprojekt, welches vom Auftraggeber bezahlt wird oder es kann ein gemeinsames Forschungsprojekt über zwei bis drei Jahre werden, welches von einem anerkannten Forschungsträger und damit von der öffentlichen Hand finanziert wird.

Patrick Evers und Adrian Wanielik arbeiten am Katter für den Zuschnitt für Bauteile.
Patrick Evers und Adrian Wanielik arbeiten am Katter für den Zuschnitt für Bauteile. © Dietmar Thomas

„Oft finden wir eine Lösung oder es war eben nur Forschung“, sagte der Geschäftsführer. Seine Kunden findet er auf Messen, in verschiedenen Verbänden oder im Internet. Die KVB gGmbH ist erst seit 2015 in Döbeln. 2017 wurde aus der KVB gGmbH die LiCoMo GmbH quasi als Start-Up ausgegründet.

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern will Mütsch das Thema Leichtbau aus Faserverbundwerkstoffen in der Region weiter pushen. Was in Mochau beziehungsweise künftig in Mockritz hergestellt wird, sei absolutes Hightech. Zielstellung ist es, Bauteile serienreif zu entwickeln, welche dann in der LiCoMo GmbH, deren Geschäftsführer ebenfalls Markus Mütsch ist, herzustellen und zu vermarkten. „Doch da sind wir noch am Anfang.“

Geschäftsführer in Region engagiert

Mütsch selbst ist kein Ingenieur, sondern Diplom-Verwaltungswirt und war viele Jahre Finanzbürgermeister von Riesa. Daher komme auch bei dem gebürtigen Baden-Württemberger die Verbundenheit mit der Stadt und der Region. Er selbst wohnt in Riesa, hat drei Kinder und sitzt für die Freien Wähler im Stadtparlament.

Mütsch ist Mitglied der CDU Mittelsachsen und arbeitet in verschiedenen Gremien mit.

Der Großweitzschener Bürgermeister Jörg Burkert (parteilos) freut sich, dass es weiter geht, das Gebäude im Gewerbegebiet nicht lange leer steht und sich eine innovative Firma ansiedelt. „Das Gewerbegebiet ist verkehrstechnisch gut angebunden. Auf der B 169 kommt man direkt nach Riesa“, so Burkert. Auch ein Bus halte unmittelbar in der Nähe des Unternehmens.

Burkert und Mütsch haben sich bisher vor allem über fachliche Dinge ausgetauscht und Kontakte vermittelt. Auch in die zweite Halle im Gewerbegebiet, die Takata und später Joyson genutzt haben, ist wieder eine Firma eingezogen. Dabei handelt es sich um eine Ausbildungsstätte für Berufsfeuerwehrleute.

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