Döbeln
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"Der Lutherweg war mit die größte Herausforderung"

Dr. Katharina Sparrer war das Gesicht des Tourismus in der Region. Ab dem neuen Jahr widmet sie sich anderen Aufgaben.

Von Maria Fricke
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Ihr Büro hatte sie in Waldheim, gearbeitet hat sie für und im gesamten Sächsischen Burgen- und Heideland: Dr. Katharina Sparrer. Ende des Jahres geht sie in den Ruhestand.
Ihr Büro hatte sie in Waldheim, gearbeitet hat sie für und im gesamten Sächsischen Burgen- und Heideland: Dr. Katharina Sparrer. Ende des Jahres geht sie in den Ruhestand. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Ihr Name war bisher untrennbar mit dem Tourismus in der Region Döbeln verbunden. Sie war die Chefin des in Waldheim ansässigen Tourismusverbandes Sächsisches Burgen- und Heideland. Nun ist Dr. Katharina Sparrer mit 63 Jahren in den Ruhestand gegangen.

Sächsische.de sprach noch einmal mit der promovierten Betriebswirtin über fast 30 Jahre im Dienst für den Tourismus.

Frau Dr. Sparrer, Reisen Sie gern?

Ja, Polen hat es mir angetan. Aber einmal im Jahr gönne ich mir Strandurlaub in der Türkei oder in Tunesien.

Wie sind Sie zum Tourismus gekommen?

Zu DDR-Zeiten habe ich ehrenamtlich für Jugendtourist im Bereich der Aufnahme und Betreuung von Reisegruppen gearbeitet, während des Studiums zusätzlich auf Honorarbasis als Dolmetscherin für das Reisebüro. Mir macht es großen Spaß, Menschen von meiner Region zu begeistern, sie zum Wiederkommen zu motivieren.

Welchen Ursprung hat der Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland (SBUH)?

Unseren Verband gibt es seit Februar 1991. Er wurde als Fremdenverkehrsverband Mittelsachsen im Waldheimer Rathaus von Bürgermeistern und Privatpersonen gegründet. Etwa ein Jahr später habe ich als Geschäftsführerin begonnen. Der damalige Vorsitzende, Karl Schuster, Amtsleiter für Kultur in Waldheim, hat mich mit anderen Vorstandsmitgliedern im Rahmen eines Bewerberverfahrens ausgewählt.

Von Duisburg aus, wo ich für eine deutsch-amerikanische Handelsfirma tätig war, habe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle beworben. Ich wollte gern nach Sachsen.

Was hat sich in den letzten 28 Jahren aus Ihrer Sicht im Bereich des Tourismus in der Region geändert?

Zunächst war der Tourismus nicht mehr ein von anderen bestimmter. Aber auch nach der Wende war er Veränderungen unterworfen. Ich erinnere mich, dass wir auf Messen an Ständen mit bunten Prospekten um Gäste geworben haben. Das wurde später mit Pauschalangeboten ergänzt.

Der Verband wurde Reiseveranstalter mit allen Rechten und Pflichten. Heute geht nichts mehr ohne die elektronischen Medien.

Im Oktober 2018 bekam der Tourismusverband ein Fahrzeug überreicht. Mit dabei war neben Dr. Katharina Sparrer (links) auch der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Landrat Henry Graichen vom Leipziger Land.
Im Oktober 2018 bekam der Tourismusverband ein Fahrzeug überreicht. Mit dabei war neben Dr. Katharina Sparrer (links) auch der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Landrat Henry Graichen vom Leipziger Land. © Archiv/André Braun

Was waren für Sie die Meilensteine in den vergangenen Jahren?

Meilensteine ergaben sich situationsbedingt. Anfangs fragten die Besucher fast ausschließlich nach der Sächsischen Schweiz, dem Erzgebirge und nach Dresden. Wir hatten echt Mühe, sie auf Mittelsachsen umzulenken, mussten uns etwas Neues einfallen lassen. Wir haben als erster Tourismusverband in Sachsen buchbare Angebote offeriert, jedes Jahr ein noch interessanteres, zum Beispiel Radwandern ohne Gepäck an der Mulde, Heiraten an außergewöhnlichen Orten sowie unter anderem auch barocke Tafeln und Ritteressen.

Ein weiterer Meilenstein war die Arbeitsteilung mit der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH. Wir übernahmen die Entwicklung der Qualität der touristischen Angebote für Stadt und Land, Leipzig das touristische Marketing. Es war das Ergebnis eines langen Prozesses, der mit einer Machbarkeitsstudie für das Mitteldeutsche Seenland begann.

Weitere Meilensteine ergaben sich aus dem Engagement für den ländlichen Raum, das Thema, mit dem ich vermutlich in meinem Vorstellungsgespräch punkten konnte. Meine Mitwirkung in den Gremien der Leader-Regionen brachte noch einmal einen zusätzlichen Schub, insbesondere für die Entwicklung der touristischen Infrastruktur.

Als wichtigen Meilenstein betrachte ich auch die Errichtung und Profilierung unserer tourismusrelevanten Bäder, nicht nur in den Kurorten, sondern ebenso in Döbeln und Oschatz. Mit vielen Partnern haben wir durch die Verteilung ein gegenseitiges Abwerben von Gästen weitgehend ausschließen können.

Besonders stolz bin ich auf unser Park-und Gartennetzwerk mit 58 Anlagen, ein Projekt, das noch nicht ganz beendet ist, und auf den Lutherweg in Sachsen als einer von sieben Länderwegen der Deutschen Lutherweggesellschaft.

Dr. Katharina Sparrer im August 2011. Damals kam der ehemalige Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Frank Kupfer (CDU, zweiter von rechts) mit dem Fördermittelbescheid für den Lutherweg nach Waldheim. Darüber freuten sich auch Norbert Hein als Lut
Dr. Katharina Sparrer im August 2011. Damals kam der ehemalige Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Frank Kupfer (CDU, zweiter von rechts) mit dem Fördermittelbescheid für den Lutherweg nach Waldheim. Darüber freuten sich auch Norbert Hein als Lut © André Braun

Mit dem Lutherweg sind Sie eng verbunden. Haben Sie ihn sich selbst schon wandernd erschlossen? Wie ist die Nachfrage nach diesem in Sachsen?

Der Sächsische Lutherweg war eine meiner größten Herausforderungen bei der Entwicklung der touristischen Infrastruktur, schließlich waren elf Leader-Regionen, fast 70 Kommunen, zusätzlich zahlreiche Kirchgemeinden, Privatpersonen, öffentliche und private Partner beteiligt.

Ich war und bin oft auf dem Lutherweg nicht nur dienstlich unterwegs. Während der Lutherdekade war der Weg oft genutzt worden. Auch danach, insbesondere seit Beginn von Corona. Die Prospekte, insbesondere das Wanderheft und der Pilgerpass, mussten ständig nachgedruckt werden.

Für die Förderung des Gesamtprojektes gilt mein Dank der EU, dem Freistaat und allen Interessierten. Mein größter Dank gilt all meinen Projektmanagern, die mit ihrem erfolgsorientierten, fleißigen Arbeiten vielleicht den größten Anteil am Gelingen unseres Vorhabens hatten.