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Trotz Corona: So viel Normalität wie möglich

Die Bewohner des Seniorenpflegeheims Schönerstädt werden jede Woche getestet. Doch sie wissen, dass es um ihre Gesundheit geht.

Helga Benedix (von links), Ilse Stockmann und Ingeborg Voigtländer sitzen in der nostalgischen Weihnachtsecke des Schönerstädter Pflegeheims. Sie genießen die weihnachtliche Atmosphäre.
Helga Benedix (von links), Ilse Stockmann und Ingeborg Voigtländer sitzen in der nostalgischen Weihnachtsecke des Schönerstädter Pflegeheims. Sie genießen die weihnachtliche Atmosphäre. © Lars Halbauer

Hartha. Wer seinen Angehörigen im Seniorenpflegeheim in Schönerstädt besuchen möchte, der muss sich vorher auf Corona testen lassen. Die Einrichtung hat ein Konzept vom Gesundheitsamt genehmigt bekommen, das seit dem 16. November erfolgreich umgesetzt wird.

„In der Woche testen wir etwa 300 Personen“, so Heimleiterin Simone Gerson. Einmal in der Woche wird jeder der 79 Bewohner und der 74 Mitarbeiter einem Corona-Schnelltest unterzogen. Hinzukommen die Tests bei Dienstleistern und Gästen. Diese erfolgen im Container, der auf dem Parkplatz des Seniorenpflegeheimes aufgestellt worden ist.

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Wichtig ist der Heimleitung die Kontinuität, mit der die Bewohner und Mitarbeiter getestet werden. Es sei dadurch möglich, auch geringfügige Veränderungen zu erkennen. Es entstehe eine gewisse Genauigkeit, auch bei den Schnelltest, die nur eine Momentaufnahme sind. Schon zuvor wurden das Pflegepersonal und die Bewohner regelmäßig getestet.

Schnelltest kostet sieben Euro

„Uns stehen auf einen Bewohner umgerechnet monatlich 20 Tests zur Verfügung. Die müssen für alle reichen“, so Simone Gerson. Das sei relativ knapp bemessen. Deshalb wird mit dem benötigten Material sehr sorgsam umgegangen, alles nur gegen Unterschrift herausgegeben. „Die Umsetzung des Testkonzepts ist anstrengend und erfordert eine gute Koordination. Es gibt einen genauen Plan, wer wann testet oder getestet wird“, so Simone Gerson.

Sie und Pflegedienstleiterin Gritt Schmidt stehen selbst im Container, um das Konzept umzusetzen. Auch am Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen ist die Heimleitung vor Ort, um zu ermöglichen, dass die Bewohner Besuch bekommen können.

Ein Schnelltest kostet sieben Euro. „Diese sind durch den Rettungsschirm für Pflegeheime gedeckt. Allerdings müssen wir in Vorkasse gehen. Bisher sind das mehr als 10.000 Euro“, sagte die Geschäftsführerin. Was nicht geklärt ist, ist die Finanzierung der Kosten für die Aufwendungen wie für den Container oder die Arbeitskräfte. Zwei Personen werden für den Schnelltest benötigt – eine Assistentin und eine medizinische Kraft. Pro Test werden 20 Minuten veranschlagt. Doch den beiden Leiterinnen des Pflegeheims ist in erster Linie die Sicherheit ihrer Bewohner wichtig.

Telefonische Terminvereinbarung

Simone Gerson und Gritt Schmidt gehen damit einen Weg, den nur wenige Pflegeheime umsetzen können. „Vielen fehlt es am Personal. Es gibt Einrichtungen, die durch positiv getestete Bewohner und Mitarbeiter die Versorgung der Heimbewohner nicht mehr gewährleisten können“, so Gerson.

Die Tests im Container seien das eine, die der Bewohner das andere. „Wir können den Abstrich, der für den Test erforderlich ist, nicht im Zimmer vornehmen. Dafür muss das Personal eine entsprechende Schutzkleidung tragen und die Bewohner werden unter hygienischen Sicherheitsvorkehrungen in den Container oder das Pflegebad gebracht. „Auch das kostet zusätzlich Zeit und Geld“, sagte Simone Gerson.

Wer einen Bewohner des Hauses besuchen will, muss im Vorfeld telefonisch einen Termin in der Einrichtung vereinbaren. Möglich sind diese vormittags sowie nachmittags. Pro Bewohner durfte bisher eine Person vorbeikommen, einmal pro Woche für eine Stunde. Seit Dienstag sind es nun zwei Besucher.

Trefferquote bei 98 Prozent

Es gibt aber auch Ausnahmen. „Das trifft zu, wenn ein Bewohner neu einzieht oder wenn Angehörige einen Bewohner in der letzten Lebensphase begleiten“, sagte Simone Gerson. Dann müsse es möglich sein, dass mehrere Leute nacheinander ins Heim können. „Auch das muss bei der Anzahl der Tests einkalkuliert werden.“

Bevor der Angehörige jedoch zu dem Bewohner darf, wird er in einem Container mit einem Schnelltest auf das Virus getestet. Dessen Trefferquote liege bei 98 Prozent, sagt die Heimleiterin. Abgenommen wird der Rachenabstrich von einem Mitarbeiter des Pflegeheims, der im Vorfeld von einem Arzt im Hinblick auf die Testabnahme geschult worden sei. „Wir hatten die Stelle auch ausgeschrieben, nun hat sich endlich eine Halbtagskraft gemeldet“, sagt Gerson.

Weihnachten mal klassisch, mal modern – auch der Empfang, hinter dem Tresen Heimleiterin Simone Gerson, ist geschmückt.
Weihnachten mal klassisch, mal modern – auch der Empfang, hinter dem Tresen Heimleiterin Simone Gerson, ist geschmückt. © Lars Halbauer

Das Material des Abstrichs werde anschließend für zwei Minuten in eine entsprechende Lösung gegeben und komme dann auf eine Testkassette, beschreibt Gerson das Verfahren. Nach 15 Minuten stünde das Ergebnis fest. Solange müssten die Angehörigen draußen warten.

Hygienevorschriften sind einzuhalten

Ist der Test negativ, darf der Besuch erfolgen. Aber trotzdem nur unter Einhaltung der Hygienevorschriften: Mit Abstand, Mund-Nase-Schutz und im Optimalfall noch im Außenbereich oder in bestimmten Bereichen im Inneren des Pflegeheims, die für die Treffen vorgesehen sind.

Denn: „Jemand kann sich ja auch kurz vor dem Besuch und dem Test angesteckt haben“, sagt Gerson. Falle der Test positiv aus, so werde das Gesundheitsamt informiert und der Besucher müsse sich einem PCR-Test unterziehen, sagt die Heimleiterin. Bisher seien alle Tests negativ ausgefallen.

Senioren sollen Maßnahmen verstehen

Corona sei für alle eine riesen Herausforderung. „Wir werden alles dafür unternehmen, dass wir da gut durchkommen, den Heimbewohnern aber trotzdem so viel wie möglich Normalität bieten. Das ist vor allem in der Vorweihnachtszeit und zu den Feiertagen wichtig“, so Gerson. Dabei sei das gar nicht so einfach. „Die Bewohner sind nicht alle begeistert, wenn wir ihnen sagen, dass wir wieder einen Hals-Rachen-Abstrich vornehmen. Denn das ist nicht angenehm“, so Gerson.

Es werde immer wieder mit den Senioren gesprochen, damit sie verstehen, warum die Einschränkungen und eben der Abstrich notwendig sind. Eingebunden werden solche Informationen vom Betreuungspersonal in der Beschäftigung oder bei der Alltagsbegleitung. „Unsere Senioren wollen leben. Sie haben Angst vor Corona und deshalb wollen wir sie mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten schützen.“ Der Geschäftsführung sei wichtig, dass die Bewohner alles, was passiert, verstehen, so Gerson.

Alles weihnachtlich geschmückt

Auch wenn es wegen Corona in diesem Jahr noch nie so etwas wie Normalität im Seniorenpflegeheim gegeben habe, setzen die beiden Geschäftsführerinnen und ihr Team alles daran, um den Bewohnern die Vorweihnachtszeit und die Feiertage so zu gestalten, dass sie sich wohlfühlen. Deshalb gibt es eine Nostalgieecke im Speiseraum, in dem die Senioren der jeweiligen Wohnbereiche mit dem nötigen Abstand feiern können.

Überall auf den Fluren ist es weihnachtlich geschmückt. Vieles erinnert die älteren Leute an Dinge aus ihrer Vergangenheit. „Nur die Kinder, die uns immer mit einem Programm erfreut haben, können wir nicht ersetzen. Sie werden fehlen“, sagte Simone Gerson.

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Alle Dienstleister und Besucher des Pflegeheims werden getestet.
Alle Dienstleister und Besucher des Pflegeheims werden getestet. © Dietmar Thomas

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