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Trotz Einstellung geht es ins Gefängnis

Der Angeklagte sitzt wegen einer anderen Straftat ein. Im aktuellen Fall kommt er mit einem blauen Auge davon.

Das Verfahren gegen den 32-jährigen Döbelner ist vorläufig weingestellt worden.
Das Verfahren gegen den 32-jährigen Döbelner ist vorläufig weingestellt worden. © André Braun

Döbeln. Der Angeklagte sitzt mit Fußfessel und Handschellen am Tisch. Erst kurz vor Beginn der Verhandlung am Amtsgericht Döbeln werden ihm die Handschellen abgenommen.

Der 32-Jährige verbüßt aufgrund eines vorhergehenden Urteils in der Justizvollzugsanstalt Dresden eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Ihm wird vorgeworfen, im Juni 2020 in einen Keller eines Hauses an der Feldstraße in Döbeln eingebrochen zu sein. Er habe einen Bohrhammer sowie einen Akkuschrauber im Wert von insgesamt 300 Euro gestohlen, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die Höhe des Sachschadens sei nicht bekannt.

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Nachbarn entdecken Einbruch

Als Zeuge ist ein 67-jähriger Rentner geladen, dem der Keller gehört, aus dem die beiden Geräte gestohlen worden sind. Eine Nachbarin habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass in seinen Keller eingebrochen worden sei. Er habe festgestellt, dass der Bohrhammer und der Akkuschrauber fehlen. Zumindest den Bohrhammer habe er später wiederbekommen. Den hatte die Polizei bei dem Angeklagten vorgefunden.

Richterin Anne Mertens fragt nach, woran er den Bohrhammer erkannt hat. „Am Gehäuse war ein Stück abgesplittert, daran habe ich das Gerät erkannt“, so der Zeuge. Zudem seien ihm mit dem Bohrhammer auch das Behältnis und verschiedene Bohrer zurückgegeben worden.

Der Verteidiger des Angeklagten will wissen, welchen Wert der Bohrhammer gehabt hat. Den gibt der Zeuge mit 120 Euro an, sagt aber auch, dass er das Gerät vor etwa sieben Jahren gebraucht erworben habe. Der Anwalt hält dagegen, dass das Teil schon seit zehn Jahren nicht mehr verkauft wird. „Wie kommen Sie auf den Wert von 120 Euro?“, fragt er nach. Der Zeuge gibt an, dass in diesem Betrag die Zubehörteile enthalten sind.

Anwalt beantragt Einstellung des Verfahrens

Der Verteidiger stellt die Frage, was seinem Mandanten konkret vorgeworfen werden kann. „Er war im Besitz eines gestohlenen Bohrhammers. Das ist kein Nachweis, dass er das Gerät wirklich gestohlen hat“, so der Anwalt. Er beantragt die vorläufige Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung. Dieser wird angewendet, wenn die zu erwartende Strafe aus dem aktuellen Verfahren gegenüber von Strafen aus vorherigen Verfahren „nicht beträchtlich ins Gewicht fällt“.

Im Fall einer Verurteilung wäre die Mindeststrafe von drei Monaten herausgekommen. Unter Einbeziehung der vorherigen Strafe wären daraus zwei Monate geworden, die der Angeklagte länger eingesessen hätte. Die Staatsanwältin stimmt dem Antrag letztendlich zu. Richterin Anne Mertens stellt das Verfahren vorläufig ein. Die Kosten trägt die Staatskasse.

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