merken
PLUS Döbeln

Geldstrafe für Kriebethaler Todesfahrer

Der Unfall hatte Anfang vergangenen Jahres die gesamte Gemeinde erschüttert. Jetzt stand der Fahrer wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Vor einem Jahr hatte sich In Kriebethal hatte sich an der August-Bebel-Straße ein Verkehrsunfall ereignet, bei dem eine Frau getötet wurde. Der Fahrer stand jetzt vor Gericht.
Vor einem Jahr hatte sich In Kriebethal hatte sich an der August-Bebel-Straße ein Verkehrsunfall ereignet, bei dem eine Frau getötet wurde. Der Fahrer stand jetzt vor Gericht. © Archivbild: Lars Halbauer

Döbeln/Kriebethal. Dem Angeklagten geht die Verhandlung nahe. Mit erstarrter Mine sitzt er an der Seite seines Verteidigers auf der Anklagebank, hält ab und zu die Hände vors Gesicht.

Was am 10. Januar 2020 um 7.30 Uhr auf der August-Bebel-Straße in Kriebethal passiert ist, lässt ihn auch nach über einem Jahr noch nicht los. „Es kommt immer wieder hoch, ist aber nicht ständig präsent“, sagt der 53-Jährige. An diesem Tag hatte er eine 59-jährige Fußgängerin überfahren. Sie wurde dabei so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle starb.

Anzeige
Banksy erobert Dresden
Banksy erobert Dresden

Die Ausstellung „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ gibt einen umfassenden Überblick und Einblick in das Gesamtwerk des Genies und Ausnahmekünstlers.

Der Unfallhergang wird durch Zeugen, Verursacher und Sachverständige übereinstimmend skizziert. Der Fahrer war mit einem VW-Transporter T5 vom Dorfkern in Richtung S32 unterwegs. Es war zu diesem Zeitpunkt noch dunkel. „Ich habe meinen Kollegen gesehen, der in Richtung Garagenhof lief und wollte mit ihm etwas absprechen. Deshalb habe ich angehalten“, erzählt der Kriebethaler, der als damaliger Angestellter der Kommunalverwaltung mit einem Fahrzeug der Gemeinde unterwegs war.

Unfall erst gar nicht bemerkt

Nach dem Anhalten stieß er wenige Meter zurück auf den Seitenstreifen. Dabei muss er die Fußgängerin erfasst haben. Er habe das aber zunächst gar nicht bemerkt. Erst sein damaliger Kollege habe ihn, nachdem er schon ausgestiegen war, auf das Unglück aufmerksam gemacht.

Weil die Frau unter dem Fahrzeug eingeklemmt war, hätten beide Männer noch versucht, mit dem Wagenheber das Fahrzeug anzuheben, aber schnell erkannt, dass sie das nicht schaffen würden. Sie alarmierten den Rettungsdienst. Erst die Feuerwehr konnte mit schwerer Technik die Frau unter dem Fahrzeug hervorholen. Die herbeigerufenen Notärzte konnten ihr jedoch nicht mehr helfen.

Die Frau hatte den Angaben zufolge ihr Enkelkind zur Bushaltestelle gebracht und war auf dem Weg zurück nach Hause. Warum sie den Weg erst entlang der Leitplanke nahm und dann ausgerechnet hinter dem VW-Transporter die August-Bebel-Straße überquerte, um auf den Fußweg zu gelangen, bleibt ungeklärt. Eigentlich führe von der Bushaltestelle ein Fußweg in Richtung Dorfzentrum, wie der Verteidiger später sagte.

War der Unfall vermeidbar?

Das Gericht hatte zu klären, ob der tragische Unfall hätte vermieden werden können. Gutachter Viktor Ammer aus Chemnitz hat die Tatsachen betrachtet und genau analysiert, bei welcher Schrittgeschwindigkeit der Fußgängerin und welcher Fahrgeschwindigkeit des Transporters der Fahrer die Geschädigte hätte sehen können.

Das wäre nur dann der Fall gewesen, wenn sich der Fahrer nach rechts umgedreht hätte. Dann hätte er die Frau aber auch nur in der unteren rechten Ecke der Heckscheibe gesehen. Diese beginnt erst in einer Höhe von 1,36 Metern. Die Verstorbene war nur 1,56 Meter groß.

Wie der Angeklagte selbst ausführte, habe er zwar in beide Außenspiegel und in den Innenspiegel geschaut. Einen Schulterblick habe er jedoch nicht gemacht. Genau darin sehen sowohl Staatsanwaltschaft als auch Richter Wolfgang Dammer eine Verletzung der Sorgfaltspflicht, wenn auch nur in geringem Ausmaß, so Staatsanwältin Pönisch. „Ich habe da schon ganz andere Fälle behandelt, etwa, wo die Fahrer gerast sind.“

Gericht sieht Tatvorwurf bestätigt

Trotzdem sieht sie den Vorwurf der fahrlässigen Tötung bestätigt. Der Verteidiger plädierte dagegen auf Freispruch. Er begründete das damit, dass seinem Mandant aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse und der überaus kurzen Zeit von einem Bruchteil von Sekunden, in denen er die Frau hätte sehen können, kein Vorwurf gemacht werden könne.

Richter Wolfgang Ammer folgte in dem Antrag der Staatsanwaltschaft und sprach den jetzt arbeitslosen Kriebethaler der fahrlässigen Tötung schuldig. „Dreh- und Angelpunkt dieses Verfahrens ist, ob Sie als Fahrer etwas falsch gemacht haben“, so der Richter. „Wer rückwärtsfährt, muss jede Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausschließen“, so stehe es im Gesetz. „Und wenn er das nicht kann, muss er sich entweder einweisen lassen oder darf eben nicht rückwärtsfahren“, so Wolfgang Ammer.

Für eine Freiheitsstrafe, die bei fahrlässiger Tötung bis zu fünf Jahre betragen kann, sah er jedoch keine Veranlassung und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 3.600 Euro. Positiv wirkte sich auf das Urteil aus, dass der Angeklagte bisher keine Eintragungen im Bundeszentralregister hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Ich kann nur immer wieder sagen, dass mir das unendlich leid tut, was passiert ist“, sagte der 53-Jährige in Richtung des Ehemannes der Verstorbenen. Er hatte der Verhandlung beigewohnt.

Mehr zum Thema Döbeln