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Verhandlung gegen Sextäter verschoben

Gegen einen 28-Jährigen werden schwere Vorwürfe erhoben. Er erscheint ohne Anwalt. Doch ohne Beistand geht es nicht.

Das Verfahren gegen den Angeklagten aus Westewitz ist vertagt worden. Die Richterin hat die Bestellung eines Pflichtverteidigers veranlasst.
Das Verfahren gegen den Angeklagten aus Westewitz ist vertagt worden. Die Richterin hat die Bestellung eines Pflichtverteidigers veranlasst. © André Braun

Döbeln. Die Liste der Anklagepunkte ist ellenlang. Die Staatsanwältin braucht mehrere Minuten, um die Anklageschrift zu verlesen.

Einem 28-jährigen Mann aus Westewitz wird der sexuelle Missbrauch eines Mädchens in drei Fällen in Tateinheit mit Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften vorgeworfen.

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An mehreren Tagen im Oktober vergangenen Jahres hat der Angeklagte dem Mädchen über Whatsapp und Instagram Nachrichten, Fotos und Videos mit pornografischem Inhalt geschickt. Diese hatten zum Ziel, die 13-Jährige zu sexuellen Handlungen zu animieren. Außerdem forderte er sie auf, ihm Fotos von ihrem unbekleideten Hintern und anderen Körperteilen zu schicken.

Angeklagter bringt Sozialtherapeuten mit

„Der Angeklagte wusste und wollte, dass das Mädchen die Aufnahmen sieht“, sagte die Staatsanwältin. Im Dezember schließlich soll er das Mädchen besucht haben und ihr mit beiden Händen ans Hinterteil gefasst haben.

Der Angeklagte hat seinen Sozialtherapeuten mitgebracht. Er würde ihn gern als Zeugen vernehmen lassen. Richterin Marion Zöllner nimmt das zu Beginn der Verhandlung zur Kenntnis. Ob sie darauf zurückgreift, kann sie zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Der Sozialtherapeut muss vor dem Verhandlungssaal im Amtsgericht Döbeln warten.

Anwalt legt Mandat nieder

Die Richterin hat jedoch Bedenken, ob überhaupt verhandelt werden kann. Am Tag vor der Verhandlung hat der Anwalt des Westewitzers sein Mandat niedergelegt. Wie sich herausstellt, geschah dies auf Bitte des Angeklagten selbst.

Grundsätzlich besteht in einem Strafprozess die Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen. Wenn der Tatvorwurf mehr umfasst als ein Vergehen, ist ein Anwalt aber zwingend vorgesehen.

„Straftaten, die der Gesetzgeber mit einer Mindeststrafe von mindestens einem Jahr Freiheitsentzug belegt, gelten als Verbrechen und erfordern die Vertretung durch einen Anwalt vor Gericht. Diese sogenannte notwendige Verteidigung ist in § 140 der Strafprozessordnung (StPO) geregelt und sieht vor, dass gegen den Angeklagten nur dann verhandelt werden darf, wenn dieser einen Verteidiger hat“, heißt es auf dem Internetportal klugo.de.

Strafmaß über einem Jahr

Der Angeklagte hat ein Strafmaß zu erwarten, das deutlich über einem Jahr liegt. Das teilt die Staatsanwältin auf Nachfrage von Richterin Zöllner mit. Die Vorsitzende kommt deshalb nicht umhin, die Bestellung eines Pflichtverteidigers zu veranlassen und die Verhandlung neu anzusetzen. Wann der neue Termin ist, steht noch nicht fest.

Auf einen Einwand des Angeklagten hin wird der Aufwand sogar noch größer. Er gibt zu, dem Mädchen die Nachrichten, Fotos und Videos geschickt zu haben. „Angefasst habe ich sie aber nicht. Das hat sie auch gegenüber meiner Freundin bestätigt“, sagt er. Das bedeutet, dass nun auch das Mädchen als Zeugin geladen werden soll. Zudem soll der Sozialtherapeut als Zeuge vernommen werden.

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