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Gefahr an Waldheimer Wanderweg steigt täglich

Seit Ende Mai ist die schönste und kürzeste Verbindung zwischen Waldheim und Rauschenthal gesperrt. Wer das ignoriert, riskiert sein Leben.

Von der Kriebsteiner Straße aus und aus der Luft sind die abgestorbenen Bäume am Wanderweg Waldheim-Rauschental gut zu sehen. Etwa 200 müssen gefällt werden, um Fußgängern Sicherheit zu bieten.
Von der Kriebsteiner Straße aus und aus der Luft sind die abgestorbenen Bäume am Wanderweg Waldheim-Rauschental gut zu sehen. Etwa 200 müssen gefällt werden, um Fußgängern Sicherheit zu bieten. © Dietmar Thomas

Waldheim. Wer die Wanderschuhe geschnürt hat, wird ungern ausgebremst. Genau das passiert aber zwischen der Mittweidaer Straße und Rauschenthal. Absperrbaken stehen an den Eingängen des Wanderweges, und auch einen schriftlichen Warnhinweis auf die sich anschließenden Gefahren durch umsturzgefährdete Bäume gibt es.

Während die einen frustriert und teilweise schimpfend wieder umkehren, ignorieren die anderen die Sperrung schlichtweg. Bisweilen finden Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Baken zur Seite gerückt vor. In diesem Fall klingeln bei Dirk Erler, Waldheims Bauamtsleiter, die Alarmglocken.

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Umleitung ist länger und wenig attraktiv

Das könne schlimm enden, sagt Erler. Die eine Seite sei, die Warnung aus eigener Entscheidung in den Wind zu schlagen. Doch wer die Absperrungen wegräume, riskiere die Gesundheit anderer. „Es gibt sicher auch Leute von außerhalb, die die Verbindung nutzen wollen und nichts von der Sperrung wissen“, sagt er.

Daher appelliere die Verwaltung noch einmal, die Baken stehenzulassen und den Weg zu meiden. Sicher, diese Verbindung sei die kürzeste und landschaftlich reizvollste. Gleichwohl sei sie gegenwärtig die gefährlichste. Die „Umleitung“ führt über Neuschönberg – auf der normalen Straße. Und sie ist ein paar Kilometer länger als der Wanderweg.

Obwohl an den Absperrbaken noch einmal ausdrücklich auf die Gefahr hingewiesen wird, ignorieren einige die Warnungen. Andere rücken die Hindernisse einfach beiseite.
Obwohl an den Absperrbaken noch einmal ausdrücklich auf die Gefahr hingewiesen wird, ignorieren einige die Warnungen. Andere rücken die Hindernisse einfach beiseite. © Dietmar Thomas

Trotzdem wird dieser wohl in den nächsten Wochen nicht wieder gefahrlos zu nutzen sein, sondern gesperrt bleiben. Gründe dafür gibt es mehrere. Wie Dirk Erler berichtet, sei die Stadtverwaltung mit dem Privateigentümer des Waldes im Kontakt.

Der stehe generell in der Sicherungspflicht. Der Kommune obliegt diese im Bereich des Wanderweges. Auf den dort stehenden Bänken müssen Wanderer gefahrlos sitzen können. Das ist gegenwärtig nicht gewährleistet.

Waldheims Bauamtsleiter spricht von insgesamt rund 200 Bäumen, die gefällt werden müssen, bevor der Weg wieder freigegeben werden kann. „Der private Waldbesitzer ist dran und versucht, ein Forstunternehmen zu finden, das den Anforderungen gerecht werden kann“, sagt er. Die Stadt werde sich an den Kosten für das Fällen und Beräumen beteiligen: „Das ist überhaupt kein Thema“.

Mehrere Hürden zu nehmen

Doch allein am Geld liegt es offenbar nicht. Sowohl der Amtsleiter als auch der für die Region zuständige Förster von Sachsenforst, Dirk Tenzler, sprechen von mehreren Hürden. Eine ist, dass der Wanderweg relativ schmal ist. Mit Technik wie einem Harvester könne dort nicht gearbeitet werden.

Alternativen seien auch wegen der verhältnismäßig steilen Hänge zu beiden Seiten des Wanderweges zu finden. Ein nächstes Problem sei das Wegschaffen der gefällten Bäume. Weder in Rauschenthal noch an der Mittweidaer Straße gebe es die Möglichkeit, einen Polterplatz einzurichten und diesen mit Tiefladern anzufahren.

Ehe die Absperrungen wieder weggenmmen werden können, sind rund 200 abgestorbene Bäume, von denen Gefahr ausgeht, aus dem Wald zu schaffen. Die Lage des Grundstück erschwert das enorm.
Ehe die Absperrungen wieder weggenmmen werden können, sind rund 200 abgestorbene Bäume, von denen Gefahr ausgeht, aus dem Wald zu schaffen. Die Lage des Grundstück erschwert das enorm. © Dietmar Thomas

Hinzu kommt: Die Forstdienstleister haben eine Menge zu tun. Nahezu im gesamten Land gibt es Schadholz, das schnellstmöglich aus den Wäldern geschafft werden soll. Mit dieser Schwierigkeit sehen sich private Waldbesitzer und staatliche Forstverwaltungen nach jedem Sturmtief konfrontiert – oder im Moment eben wegen des enormen Borkenkäferbefalls und der Trockenheit.

Beides hat auch die Nadelbäume im Waldgebiet zwischen Waldheim und Kriebstein geschwächt und teilweise absterben lassen. Mittlerweile sind diese in ihrer Standsicherheit gefährdet: „Es ist nicht abzuschätzen, ob eine Krone bricht oder nicht“, so der Revierförster. Auch er hat trotz Sperrung schon Leute auf dem Weg gesehen. „Das ist gefährlich“, mahnt der Fachmann.

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Angesichts der vielen Unwägbarkeiten wagt Bauamtsleiter Erler keine Prognose, wann die Sicherungen erledigt sind, die Sperrung aufgehoben werden kann. Er hoffe, dass dies nach den Sommerferien passieren kann. Denn auch Kinder mit Ranzen hat er schon diesen Weg entlangradeln sehen.

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