merken
PLUS Döbeln

In Ostrau hoppelt und rumpelt es

Die Karl-Marx-Straße ist in einem schlechten Zustand. Das wollen die Anlieger nicht mehr hinnehmen. Es geht um mehr.

Die Karl-Marx-Straße in Ostrau ist eine Staatsstraße. Eine Sanierung im Auftrag des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr ist in übersehbarer Zeit nicht vorgesehen.
Die Karl-Marx-Straße in Ostrau ist eine Staatsstraße. Eine Sanierung im Auftrag des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr ist in übersehbarer Zeit nicht vorgesehen. © Dietmar Thomas

Ostrau. Die Karl-Marx-Straße (S 35) in Ostrau ist eine Staatsstraße und in einem sehr schlechten Zustand. Und das nicht erst seit Kurzem. Bereits im Jahr 2017 berichtete der Döbelner Anzeiger, dass es diesbezüglich Kritik von allen Seiten gibt. Doch bei den Verantwortlichen im Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), das für die Staatsstraße zuständig ist, kommt die Kritik nicht an.

Kunden sind kaum zu verstehen

Immer wieder wird Bürgermeister Dirk Schilling (CDU) von Bürgern zum Zustand der Straße angesprochen.

Anzeige
Natururlaub im Land der 1000 Seen
Natururlaub im Land der 1000 Seen

Die Mecklenburgische Seenplatte bildet mit 1.117 natürlichen Gewässern das größte geschlossene Seengebiet Europas.

Ina Herrmann hat nicht nur ihre Apotheke an der Karl-Marx-Straße, sondern sie wohnt auch im Haus. „Es ist hundelaut hier. Wenn wir die Ladentür offen stehen haben, verstehen wir die Kunden nicht mehr“, so die Ostrauerin.

Sie würde sich eine abschnittsweise Oberflächensanierung wünschen. „Damit würde zum einen die Straße wieder in Ordnung kommen und zum anderen ist keine lange Vollsperrung notwendig. Das so etwas funktioniert, habe ich erst kürzlich in Italien gesehen“, sagte die Ostrauerin. Sollte noch lange mit der Sanierung gewartet werden, befürchtet sie, dass ein grundhafter Ausbau der Straße, verbunden mit einer Vollsperrung, nötig wird.

Lösung für den Schwerlastverkehr gefordert

Überhaupt gibt die Apothekerin zu bedenken, ob es nicht eine andere Lösung für den Schwerlastverkehr gibt, der durch den Ort rollt. Schließlich habe Ostrau einen Bahnanschluss. Ina Herrmann ist nicht die einzige Anwohnerin, die den Zustand für nicht mehr hinnehmbar hält.

Auch Marco Fromme wünscht sich, dass die Straße so schnell wie möglich in Ordnung kommt. Er überlegt schon, ob eine Unterschriftenaktion von Anwohnern dem Anliegen mehr Druck verleihen könnte. Diesen Gedanken hat auch Marcel Böhme.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram

Er will für sich, seine Familie und alle anderen Anwohner der Staatsstraße wieder mehr Lebensqualität. Böhme wohnt mit seiner Familie in einem Haus an der Karl-Marx-Straße. „Bei uns kommt der Schall, den die Laster und landwirtschaftlichen Fahrzeuge erzeugen, direkt am Kaffeetisch an“, so Marcel Böhme.

Sein Ziel sei es, dass die Geschwindigkeit für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf 30 Kilometer in der Stunde begrenzt wird und das durchs ganze Dorf. Das habe mehrere Vorteile. Die Sicherheit werde erhöht, die Haltbarkeit der Straße, wenn sie saniert wird, verlängert und der Lärm minimiert. „Der Luftzug der großen Fahrzeuge ist gigantisch. Man wird förmlich angesaugt“, so Böhme.

Es klappert Tag und Nacht

„Die Gullydeckel sind abgesackt. Wenn ein Laster darüber fährt, klappert es. Und das Tag und Nacht“, sagte Fromme. Und nicht nur die Autos verursachen störende Geräusche, auch das Geschirr in den Schränken bleibt nicht ruhig stehen, so Fromme.

  • Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]

Hinzu komme, dass die meisten Kraftfahrer die 50 Kilometer in der Stunde nicht eingehalten würden. Viele seien schneller unterwegs, auch die großen Fahrzeuge. Wegen des Krachs sei es nicht möglich, tagsüber die Fenster zu öffnen. Noch schlimmer sei es, wenn die B 169 wegen eines Unfalls gesperrt sei und viele Fahrzeuge die S 35 nutzen.

Sanierung nicht geplant

Auf Anfrage von Sächsische.de teilte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit: „Mit Blick auf die anhaltenden corona-bedingten Herausforderungen steht der Sächsische Haushalt 2021/2022 weiterhin unter erheblichem Druck. Dies betrifft auch die Finanzierungssicherheit für das angefragte Vorhaben. Die Maßnahme in Ostrau konnte somit nicht in das diesjährige Bauprogramm aufgenommen werden. Damit lässt sich derzeit noch keine Aussage zum Zeitraum einer Realisierung treffen, wir bitten um Verständnis.“

Das gibt es in Ostrau kaum. Deshalb hat sich Dirk Schilling auch an den SPD-Landtagsabgeordneten Henning Homann gewandt, der kürzlich bei seiner „Daheeme-Tour“ in Ostrau Halt machte. „Ich kann nicht zaubern. Aber ich kann einen gemeinsamen Termin im Wirtschaftsministerium ausmachen, um das Problem dort zu besprechen, wo entschieden wird“, sagte Homann.

Sollte es zu keinem Ergebnis kommen, hat Dirk Schilling schon einen Plan.

Mehr zum Thema Döbeln