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Wann wird der Radweg endlich fertig?

Nach zehn Jahren ist die Trasse zwischen Waldheim und Rochlitz immer noch nicht ganz fertig. Radler sind stinksauer, die Bürgermeister machtlos.

Ingo Stroh (77) aus Waldheim ist viel mit dem Rad unterwegs. Gern würde er von Waldheim bis Rochlitz durchfahren. Doch in Hartha ist Schluss mit der geplanten Strecke. Nach Asphalt folgt dann eine zugewachsene, alte Bahntrasse (Hintergrund).
Ingo Stroh (77) aus Waldheim ist viel mit dem Rad unterwegs. Gern würde er von Waldheim bis Rochlitz durchfahren. Doch in Hartha ist Schluss mit der geplanten Strecke. Nach Asphalt folgt dann eine zugewachsene, alte Bahntrasse (Hintergrund). © Erik-Holm Langhof

Waldheim/Hartha/Geringswalde. Ingo Stroh ist sauer. Sauer auf das Landesamt, sauer auf die Radweg-Gegner, sauer darauf, dass der Radweg aus seinem Wohnort Waldheim auch nach zehn Jahren nicht komplett bis Rochlitz fertiggestellt ist. Gern würde der 77-jährige Rentner einmal die knapp 20 Kilometer lange Radtour durchfahren, doch kurz hinter Hartha ist schon Schluss mit dem asphaltierten Stück.

„Mich ärgert, dass es der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und auch die Landesregierung immer wieder einen schnelleren Ausbau von Radwegen fordern, aber wenn es um die Umsetzung geht, dann hapert es“, so der Waldheimer.

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„Die Strecke ist optimal, verläuft auf einem schon früher genutzten Bahnstück und ist auch für alle Radfahrer sicher. Aber der jetzige Flickenteppich kann so nicht bleiben.“

Zauneidechsen sind Grund für Verzögerungen

2011 hat das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, das auch für Straßen-, Rad- und Fußwegbau zuständig ist, den Bau eines straßenbegleitenden Radweges an der B175 und S36 entlang, unter Nutzung der ehemaligen Bahnstrecke Waldheim bis Rochlitz, genehmigt.

Bauherr ist seither das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), mit Unterstützung der sechs anliegenden Kommunen, die die Stücke auf ihrem Kommunalgebiet gekauft haben und nach der Fertigstellung die Unterhaltung sowie Pflege übernehmen werden.

Doch schon früh wurde klar, dass es auf der Strecke durch die Natur, vor allem in der Fröhne zwischen Hartha und Geringswalde sowie in weiteren Stücken zwischen Geringswalde und Rochlitz, zu umweltspezifischen Problemen kommen könnte. Während das Stück zwischen Waldheim und Hartha im April 2019 sowie das Stück zwischen Fröhne und Geringswalde im Mai 2020 fertiggestellt werden konnten, ist die Trasse durch das Waldstück westlich von Hartha immer noch in Planung.

Auf Anfrage teilt Lasuv-Sprecher Franz Grossmann mit, dass „aus artenschutzrechtlichen Gründen Variantenuntersuchungen zur Nutzung der Bahnstrecke, alternative Wegführungen oder Ackerflächen und die anschließende Abwägung aller Belange notwendig“ sind.

Konkret, so bestätigen es die Bürgermeister von Hartha und Geringswalde, gehe es um Zauneidechsen, die sich wohl im Gebiet der ehemaligen Bahnstrecke befinden sollen.

Baubeginn westlich von Hartha nicht absehbar

„Durch den Einwand einer Umweltschutzorganisation muss nun erst einmal dieses Tiervorkommen vor Ort untersucht werden“, sagt Harthas Rathauschef Ronald Kunze (parteilos). Auch der Lasuv-Sprecher bestätigt, dass im Zuge des Genehmigungsverfahrens seitens der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Mittelsachsen die Untersuchung gefordert wurde.

„Die Zauneidechse ist im europäischen Maßstab eine streng geschützte Art“, so Franz Grossman. Daher sei unter anderem ein Artenschutzgutachten erstellt worden.

Westlich von Hartha ist Schluss: Der Radweg ist in Richtung Geringswalde unterbrochen und wird umgeleitet.
Westlich von Hartha ist Schluss: Der Radweg ist in Richtung Geringswalde unterbrochen und wird umgeleitet. © Erik-Holm Langhof

„Um nicht gegen die artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände zu verstoßen, sind das Ablesen der Tiere, die Schaffung von Ersatzlebensräumen und die Umsiedlung der Population vor Baubeginn erforderlich.“

Das führe zu einem längeren Planungs- und Bauablauf. Insgesamt könne so „aufgrund der Abhängigkeit vom Verlauf des Baurechtsverfahrens noch kein belastbarer Termin für den Baubeginn benannt werden“, so Grossmann.

Radweg vor Natur- und Tierschutz?

Für Ingo Stroh und Ronald Kunze unverständlich. „Wenn wir ehrlich sind: Die Eidechsen gab es wahrscheinlich schon zu Zeiten des Eisenbahnbetriebs. Sollten sie nun noch da sein, dann ziehen sie sich zurück beim Bau und kommen später auch wieder zurück“, meint der Harthaer Bürgermeister. „Bei so einem Bau gibt es geltende Gesetze. An die müssen wir uns halten, das ist klar.“

Doch Kunze könne verstehen, wenn Außenstehende für so lange Planungs- und Bauzeiten kein Verständnis aufbringen können. Der Radweg sei nicht nur für Touristen wichtig, sondern auch für Schüler und Arbeitnehmer, die in Hartha oder Geringswalde tätig sind und die sichere Verkehrsverbindung zwischen beiden Städten nutzen wollen. „Die Ausweichroute derzeit, die zum Teil über stark befahrene Straßen führt, ist keine Alternative“, meint Ronald Kunze.

Ähnlich sieht das der Waldheimer Ingo Stroh. Er war bereits in Geringswalde und Hartha in den Stadtratssitzungen, nutzte ebenfalls die Möglichkeit zum Gespräch mit beiden Bürgermeistern. Doch er weiß auch, dass die Städte nichts, außer warten können.

„Ich denke, wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Ich habe die Hoffnung, dass ich selbst noch einmal mit dem Fahrrad von Waldheim nach Rochlitz und zurückfahren kann. Schauen wir mal“, so der Rentner.

Er regte zudem bei beiden Stadtverwaltungen an, für die Übergangszeit Schilder aufzustellen, die die Radler über die derzeitige Ausweichstrecke leiten.

Doch aus Kostengründen wird dies zumindest von Harthaer Seite nicht passieren, wie Bürgermeister Kunze sagt. Er hoffe jedoch, dass das Projekt schnellstmöglich umgesetzt und für den Radverkehr freigegeben werden kann.

Stück für Stück zum Ziel

Sein Amtskollege von Geringswalde, Thomas Arnold (parteilos), fordert ebenfalls die schnelle Fertigstellung und Inbetriebnahme. Ihm zufolge, sei es wichtig naturschutzrechtliche Belange und den Nutzen dieser Strecke abzuwägen.

„Für mich hat hier der Radweg eindeutig einen höheren Stellenwert“, so Arnold. Er will an der ursprünglichen Strecke auf der ehemaligen Bahnstrecke festhalten. Andere diskutierte Routen seien nicht zielführend.

Hoffnung hat er, dass auch bald der Ersatz für die fehlende Brücke im Klosterbachtal kommt. Diese verbindet dann zwei bereits geöffnete Abschnitte des Radwegs. „Für den Ersatzneubau des Bauwerks laufen die Planungen noch und ein Baubeginn kann noch nicht seriös benannt werden“, teilt Lasuv-Sprecher Franz Grossmann mit.

In Altgeringswalde fehlt eine Brücke. Die wurde mit dem Rückbau der Bahnstrecke entfernt. Nun muss wieder eine neue für den Radverkehr gebaut werden.
In Altgeringswalde fehlt eine Brücke. Die wurde mit dem Rückbau der Bahnstrecke entfernt. Nun muss wieder eine neue für den Radverkehr gebaut werden. © Dietmar Thomas

Insgesamt ist somit klar, dass auch in den kommenden Monaten nicht mit einem überraschenden Baustart für die fehlenden Teilstrecken des Radwegs von Waldheim nach Rochlitz zu rechnen ist.

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Der Pressesprecher des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr zieht folgendes Fazit: „Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass genauso wie beim Bau von Straßen auch bei der Realisierung von Radwegen die umweltfachliche Gesetzgebung allgemein und für das jeweilige Vorhaben konkrete Vorgaben und Forderungen der Umweltbehörden in vollem Umfang einzuhalten und zu erbringen sind, um die Planrechtfertigung und baurechtliche Durchsetzbarkeit zu erlangen.“

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Unabhängig davon will das Lasuv dennoch für Abschnitte, wo ein formales Baurecht vorliegt, eine zügige Realisierung und Verkehrsfreigabe anstreben. Dadurch ergeben sich zeitweise bauliche Lücken, aber Stück für Stück ergänzt sich der Radweg dann.

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