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„Uns wird die Existenz genommen“

Ein Grundstück an der B169 soll der Ortsumgehung Heyda bei Waldheim weichen. Das erfahren die Betroffenen durch Zufall.

Susanne Dick und Jochen Mismahl vor ihrem Heim, das sie Stück für Stück ausgebaut haben. Nun könnten sie es wegen der Verlegung der B 169 östlich von Heyda verlieren.
Susanne Dick und Jochen Mismahl vor ihrem Heim, das sie Stück für Stück ausgebaut haben. Nun könnten sie es wegen der Verlegung der B 169 östlich von Heyda verlieren. © Dietmar Thomas

Waldheim. Die Nachricht hat sie kalt erwischt und sie können es immer noch nicht fassen. Susanne Dick und Jochen Mismahl verlieren wahrscheinlich ihr Haus und das Grundstück an der B 169. So sieht es zumindest die Planung für die Ortsumgehung Heyda vor.

„Ja, wir hatten 2011 Kontakt mit dem Straßenbauamt. Aber nur schriftlich. Das Amt teilte uns seine Kaufabsicht mit. Daraufhin hat meine Frau als Eigentümerin das Grundstück zum Kauf angeboten. Bis zur gesetzten Frist am 30. Oktober 2011 gab es keine Einigung. Also sind wir davon ausgegangen, dass sich das Problem erledigt hat“, sagte Jochen Mismahl.

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"Jede freie Minute und jeden Cent ins Haus gesteckt"

Genau über das Grundstück verläuft nun aber die neue Trasse. „Das ist eine Sauerei. Mit uns hat niemand noch einmal gesprochen“, sagte Jochen Mismahl. „Unser Haus und unser Grundstück sind unser Lebensmittelpunkt, unsere Existenz. Und da wird am grünen Tisch entschieden, dass alles platt gemacht wird, wir alles verlieren sollen“, so der Neuebersbacher.

2011 kaufte das Paar das Grundstück, auf dem sich ein Wohnhaus und zwei Scheunen befinden. Stück für Stück begannen sie mit dem Ausbau. 2018 konnten sie dann endlich einziehen. „Fast jeder kennt dieses Haus und hat gesehen, dass sich hier etwas tut“, sagte Mismahl.

„Wir haben jede freie Minute und jeden Cent hier hereingesteckt, alles selbst gemacht.“ Dabei hat der Brückenbauer nicht viel Zeit für Haus und Grundstück. Er ist von Montag früh bis Freitagabend unterwegs. Dann geht es am Wochenende von 5 bis 22 Uhr im und am Haus weiter.

Planer: "Verfallenes Gehöft wird überplant"

Was bisher geworden ist, kann sich sehen lassen. Vieles ist von außen nicht zu sehen. Zunächst haben es sich die beiden im Haus gemütlich gemacht. „Alles haben wir in Ordnung gebracht. Neue Leitungen für das Wasser und die Elektrik verlegt.“

Es ist dem Paar anzumerken, wie stolz es auf das Geschaffene ist. In diesem Jahr sollte die Fassade saniert werden. Doch nun müssen die beiden warten, was aus ihrem Grundstück wird.

Zurzeit heißt es noch in den Planungsunterlagen: „Mit der Fortführung der gestreckten Linienführung wird ein vorhandenes, verfallenes Gehöft völlig überplant.“ Doch eben dieses Gehöft ist in den vergangenen Jahren wieder zum Leben erwacht. Und das im wahrsten Sinne.

Anwohner hängen an ihrem Grundstück in Heyda

Das entlegene Grundstück hat das Paar bewusst gewählt. Es braucht viel Platz für seine Tiere. Und die sollen wiederum keinen Nachbarn stören. „Wir haben hier ein Kleinod für uns und unsere Tiere geschaffen“, so Jochen Mismahl.

Er und seine Partnerin legen viel Wert darauf, im Einklang mit der Natur zu leben. „Unsere Heidschnucken brauchen viel Platz. Unsere Hühner fühlen sich wohl, weil sie genügend Auslauf haben. Auch Katzen und Hunde leben auf dem Grundstück. Damit sich Bienen und andere Insekten ansiedeln, gibt es viele Pflanzen“, sagte Susanne Dick.

Wenn sie und ihr Partner über die Tiere sprechen, ist förmlich zu spüren, wie sehr ihr Herz an ihnen hängt. Nach dem Kauf des Grundstücks wurde dieses auch zuerst für die Tiere hergerichtet, später zog die Familie ein.

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Nicht nur Susanne Dick und Jochen Mismahl fühlen sich auf dem Grundstück wohl, sondern auch die Tiere. Zu ihnen gehören neben Heidschnucken auch Hühner.
Nicht nur Susanne Dick und Jochen Mismahl fühlen sich auf dem Grundstück wohl, sondern auch die Tiere. Zu ihnen gehören neben Heidschnucken auch Hühner. © Dietmar Thomas

„Als wir hier angefangen haben, gab es keine Wildvögel, nicht einmal Mäuse und nun ist es ein echtes Paradies für die Vögel geworden.“ Sie nennt noch viel mehr Gründe, warum ihnen das Grundstück so am Herzen liegt.

„Wir haben nicht nur einen Baum für meinen verstorbenen Großvater gepflanzt, sondern für jeden Menschen, den wir liebgewonnen haben“, so Susanne Dick. So sei zum Beispiel der Birnbaum der Oma-Baum und der Apfelbaum der Opa-Baum. „Wir hängen an diesen Dingen. So etwas kann man nicht einfach an einen anderen Ort umsetzen.“

"Mit allen Mitteln wehren, um Haus zu behalten"

Eigentlich hätten die Neuebersbacher gar nicht erfahren, dass der Plan, die Ortsumgehung von Heyda zu bauen, nun Realität wird. Der Umsicht von Guido Schönrock aus Neudorf ist es zu verdanken, dass die Familie die Chance hat, gegen die Planung in Einspruch zu gehen. Das ist noch bis zum 8. Juli möglich.

„Wir wollen uns mit allen uns möglichen Mitteln wehren, um unser Grundstück und unser Haus zu behalten. Ich kann schon nachts nicht mehr schlafen, wenn ich daran denke, was passieren könnte“, so Susanne Dick.

Sie und Jochen Mismahl sind Guido Schönrock dankbar, dass er sie über das Vorhaben informiert hat. „Ich bin selbst betroffen. Auf einem Stück meiner Weide soll der Radweg gebaut werden. Deshalb habe ich mich mit der Planung beschäftigt. Dabei stellte ich fest, dass das Grundstück der beiden überbaut werden soll“, so der Neudorfer. Seine Frau habe ihn dazu überredet, die Betroffenen aufzusuchen und sie zu informieren.

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Das Straßenbauamt wollte das Grundstück im Jahr 2011 kaufen. Es kam zu keiner Einigung mit der Eigentümerin, sagt das Amt.

Er und auch die Neuebersbacher finden es nicht in Ordnung, dass es zu solch einem Vorhaben keine Informationsveranstaltung gibt oder mit den Betroffenen gesprochen wird. Das Amt lege die Pläne einfach aus, und die Bürger müssen sich kümmern. „Das kann ich aber gar nicht, wenn ich die ganze Woche nicht da bin und das Wochenende am Haus arbeite“, so Jochen Mismahl.

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