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Waldheim: Muttertag mit Herz und Distanz

Wegen der Corona-Pandemie kann der Feiertag nur mit Abstand begangen werden. Die Herzlichkeit soll aber nicht auf der Strecke bleiben.

Sängerin Mirella hat die Bewohner der Alloheim Seniorenresidenz „ Am Eichberg“ in Waldheim am Mittwoch mit einem musikalischen Programm unterhalten.
Sängerin Mirella hat die Bewohner der Alloheim Seniorenresidenz „ Am Eichberg“ in Waldheim am Mittwoch mit einem musikalischen Programm unterhalten. © Dietmar Thomas

Waldheim. In der Alloheim-Seniorenresidenz „Am Eichberg“ in Waldheim ist der Muttertag ein bisschen vorverlegt worden. Zumindest teilweise. Denn bereits am Mittwoch hat „Mirella“ dort mit einem kleinen Konzert für die Unterhaltung der Frauen gesorgt.

Die Sängerin, die eigentlich bei Partys und Events auf tritt, hat vor allem Schlager in ihrem Repertoire. Damit dürfte sie den Nerv der Bewohnerinnen im Alloheim getroffen haben. Eigentlich sollte es ein Hofkonzert werden. Bei dem schlechten Wetter war das allerdings nicht möglich. Deshalb wurde kurzerhand improvisiert und die Bewohner fanden sich nach Wohnbereichen getrennt im Foyer ein.

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Gerade ist wegen der Corona-Pandemie die Situation weder für Bewohner und Angehörige noch für die Mitarbeiter einfach. Trotz kleinerer Besuchslockerungen sind die Bewohnerinnen besonders betroffen, die ja normalerweise mit ihrer gesamten Familie den Muttertag feiern würden, teilen Manuela Wolf-Ulbricht und Nico Schönfelder, die Residenzleiter der Waldheimer Alloheime „Am Eichberg“ und „Zur Schillerhöhe“mit.

Alltag soll abwechslungsreich sein

„Wir versuchen trotz der Einschränkungen, den Alltag so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten und auch kleine Höhepunkte wie jetzt den Muttertag zu begehen, wenn auch auf Distanz“, sagt Ramona Möbius, Leiterin soziale Betreuung im Heim „Am Eichberg“. „Zum Muttertag gehören für mich aber eigentlich die Kinder dazu.“

Aus diesem Grund dürfen im Alloheim an diesem Sonntag ausnahmsweise zwei Kinder ihre Mütter besuchen. „Wir testen im Fünf-Minuten-Takt und mit mehr Personal“, so Ramona Möbius. Bereits im Vorfeld haben sich die Mitarbeiter auch für diejenigen Kinder etwas überlegt, die nicht zu Besuch kommen dürfen.

„Viele haben ja mehr als zwei Kinder. Die haben für ihre Mütter ein paar Zeilen geschrieben, die wir am Sonntag bei einer kleinen Feierstunde in den Wohnbereichen vorlesen“, sagt Ramona Möbius.

Die meisten der insgesamt 80 Bewohner der Seniorenresidenz sind im Übrigen Frauen. „Im Moment wohnen bei uns 17 Männer, für die es in der kommenden Woche eine kleine Vatertagsfeier gibt“, so die Leiterin für soziale Betreuung.

Auch die Mitarbeiterinnen im Blick

Aber auch die Mitarbeiterinnen der beiden Waldheimer Alloheime sollen anlässlich des Muttertages ein ganz besonderes Dankeschön erfahren, mit dem ihre Arbeit gewürdigt werden soll.

„Im Blick haben wir anlässlich des Muttertages auch die Mitarbeiterinnen der Residenzen, die in der fortdauernden Corona-Pandemie jeden Tag Unglaubliches leisten“, so Nico Schönfelder und Manuela Wolf-Ulbricht. „Am Eichberg“ zum Beispiel sind 90 Prozent der 59 Mitarbeiter Frauen, die meisten von ihnen auch Mütter.

Eine davon ist Kerstin Höbelt. Die 51-jährige Harthaerin arbeitet seit drei Jahren als Servicekraft im Alloheim „Am Eichberg“ und kümmert sich liebevoll um die Bewohner. Sie bereitet unter anderem das Frühstück vor, teilt Wäsche aus, desinfiziert Betten und Nachttische. „Die Arbeit und der Umgang mit den Bewohnern macht mir großen Spaß“, sagt sie. Kerstin Höbelt braucht Menschen um sich herum. Sie hat vier Kinder. Zwei von ihnen wohnen noch in ihrem Haushalt.

Kerstin Höbelt ist Mutter von vier Kindern. Sie arbeitet als Servicekraft in der Alloheim Seniorenresidenz „Am Eichberg“ in Waldheim und bringt eine Bewohnerin zum Muttertagskonzert.
Kerstin Höbelt ist Mutter von vier Kindern. Sie arbeitet als Servicekraft in der Alloheim Seniorenresidenz „Am Eichberg“ in Waldheim und bringt eine Bewohnerin zum Muttertagskonzert. © Dietmar Thomas

Schichtarbeit ist Kerstin Höbelt nicht fremd, auch wenn sie derzeit nur teilzeitbeschäftigt ist. „Ich habe zuvor in einem anderen Beruf 17 Jahre in Schichten gearbeitet“, erzählt sie. Trotzdem haben sie und ihr Mann den Alltag mit den drei Söhnen und der Tochter stets gut meistern können.

„Unsere Kinder sind schon früh sehr selbstständig gewesen“, erzählt Kerstin Höbelt. Die jüngste Tochter erledigt mit ihren 13 Jahren jetzt die Aufgaben im Homeschooling so gut wie alleine. „Und früher haben die Großen eben mal das Mittagessen gekocht, wenn es nicht anders ging.“

Als die Kinder noch klein waren, habe ihre Familie auch von den Großeltern der Kinder Unterstützung erhalten. Denn auch ihr Mann ist Schichtarbeiter „Aber eigentlich ist alles eine Frage der Organisation“, so die Harthaerin.

Anlässlich des Muttertages beglücken sie ihre Kinder meist mit einem Geschenk, für das alle Kinder zusammenlegen. Am schönsten ist es für die 51-Jährige aber, wenn sie mit ihrer Familie gemeinsame Zeit verbringen kann – etwa bei Ausflügen in den Kletterwald oder zum Wasserski nach Rossau. Aber auch das ist wegen Corona derzeit nicht oder nur mit Einschränkungen möglich.

Trotz Distanz keine Einsamkeit

Nico Schönfelder und Manuela Wolf-Ulbricht sind sich sicher: „Auch wenn die Bewohnerinnen am Muttertag nicht im großen Angehörigenkreis zusammen sein können, werden bei uns ganz sicher keine Einsamkeitsgefühle aufkommen.“

Die Pflegeteams organisieren intern in kleinen Gruppen Feierstunden im festlichen Rahmen – wie eben das Vorlesen der Angehörigen-Briefe in der Residenz am Eichberg. „Unsere Mitarbeiter sind sehr kreativ, wenn es darum geht, unseren Bewohnern trotz der Einschränkungen in der Corona-Krise eine Freude zu bereiten“, sagen Wolf-Ulbricht und Schönfelder. „Den Muttertag werden wir allen Müttern unter unseren Senioren und im Team auf jeden Fall versüßen“, versprechen sie.

Familienfreundliche Dienstpläne nicht immer machbar

Wie Ramona Möbius erklärt, versuche die Heimleitung, die Dienstpläne möglichst familienfreundlich zu gestalten. „Das ist aber leider nicht immer möglich, besonders in Anbetracht des bestehenden Personalmangels“, sagt sie. Nach wie vor werden immer noch Pflegefachkräfte aber auch Pflegehelfer gesucht.

Froh ist Ramona Möbius darüber, dass es in der Einrichtung am Waldheimer Eichberg bislang keinen einzigen Corona-Fall gegeben hat. Sie hofft, dass das so bleibt – und dass nach über einem Jahr Corona-Einschränkungen bald wieder Normalität in den Heimalltag einziehen kann.

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