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Waldheimer Bettenhaus wird abgerissen

Zuletzt diente das marode Haus neben dem Lindenhof nur noch den Waschbären als Unterschlupf. Früher sah das noch ganz anders aus.

Das ehemalige Bettenhaus am Lindenhof an der Mittweidaer Straße in Waldheim soll abgerissen werden. Bis Ende 1994 übernachteten dort noch die Teilnehmer von Schulungsseminaren der Post. Seitdem steht es leer.
Das ehemalige Bettenhaus am Lindenhof an der Mittweidaer Straße in Waldheim soll abgerissen werden. Bis Ende 1994 übernachteten dort noch die Teilnehmer von Schulungsseminaren der Post. Seitdem steht es leer. © Dietmar Thomas

Waldheim. Grau und trist steht der typische DDR-Bau an Waldheims Mittweidaer Straße direkt neben dem Lindenhof. Die Dachrinne ist nicht mehr richtig fest und hängt schon halb herunter. Im Mauerwerk befinden sich tiefe Risse. Zu retten ist das Haus nicht mehr.

Viele Jahre hatte das Gebäude als Bettenhaus des benachbarten Lindenhofs gedient. Es ist Mitte der siebziger Jahre erbaut worden. Der Waldheimer Heiko Hahnebach hat von 1990 bis 1994 das damalige Schulungs- und Seminarzentrum der Post geleitet. Er kennt sich auch in der Geschichte aus.

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„Die Deutsche Post hatte den Lindenhof im Jahr 1974 erworben“, erzählt Heiko Hahnebach. Der Hintergrund sei gewesen, dort eine Urlaubs- und Kinderferienlagerbetreuung für die Postmitarbeiter anzubieten.

Eine Möglichkeit zur Urlaubsgestaltung

Ferienplätze waren zu DDR-Zeiten Mangelware. Einen solchen zu ergattern, war beinahe wie ein Fünfer im Lotto. Die Post wollte damit ihren Mitarbeitern eine Möglichkeit zur Urlaubsgestaltung bieten.

Im Oktober 1975 sei dann mit dem Bau des Bettenhauses begonnen worden. Zwei Jahre später wurde es übergeben. Im Oktober 1977 zogen bereits die ersten Urlauber ein. „Das waren zunächst die am Bau Beteiligten“, so Heiko Hahnebach.

Im Sommer wurde es vorwiegend als Kinderferienlager genutzt. Rund 120 Kinder fanden pro Durchgang im Bettenhaus und dem Hauptgebäude Platz.

Gemeinschaftstoiletten auf dem Flur

Im ersten und zweiten Obergeschoss des Bettenhauses gab es je 16 Zimmer mit jeweils zwei Betten. Auch ein Waschbecken habe sich in den Räumen befunden. „Das war 1977 schon eine gehobene Ausstattung“, so Heiko Hahnebach. Wie zu jener Zeit üblich, waren die Gemeinschafts-Toiletten und -duschen auf den Etagen eingerichtet.

Nach der Wende sei die Nutzung des Gebäudes dahingehend ausgeweitet worden, dass nun auch interne Schulungen und interne Weiterbildungen der Post in den Räumlichkeiten im Lindenhof angeboten wurden.

Wegen der uneingeschränkten Reisemöglichkeiten, die sich den Bürgern mit der Wiedervereinigung boten, rückte die Nutzung als Urlaubsdomizil in den Hintergrund. „Dagegen gab es wegen der Umstrukturierung der Post einen großen Schulungsbedarf“, so Hahnebach.

Das Bettenhaus wurde zu dieser Zeit als Übernachtungsmöglichkeit für die Seminarteilnehmer genutzt. „Die kamen mitunter von weit her, teilweise auch aus den alten Bundesländern.“ Die Zimmer seien dann jedoch zumeist nur noch als Einzelzimmer vergeben worden.

Bauschäden wurden frühzeitig deutlich

Schon zu der Zeit, als Heiko Hahnebach das Haus leitete, waren die Bauschäden an dem Bettenhaus deutlich geworden. Er vermutet, dass das mit dem Baugrund zusammenhängt. „Die rechte Seite des Hauses, welche dem Lindenhof zugewendet ist, steht auf felsigem Untergrund, die linke dagegen auf Erdreich.“

Damals sei wohl nicht beachtet worden, dass gewachsenes Erdreich immer noch arbeitet. Auch die Sprengung des Pfaffenbergtunnels 1990 könnte zu weiteren Setzungserscheinungen und Schäden an dem Haus geführt haben. „Untersucht worden ist das damals nicht. Es sind nur Vermutungen“, so Hahnebach.

1994 war der Bedarf an Schulungen und Weiterbildungen nicht mehr gegeben und wenn doch, habe die Bundespost für die Teilnehmer Hotels angemietet. Deshalb habe das Unternehmen das Areal veräußert. Danach stand es viele Jahre leer. Seit 2016 tut sich im Lindenhof selbst wieder etwas. Tomáš Ondrušek will in dem ehemaligen Ballhaus ein Kunstzentrum einrichten.

Das alte Bettenhaus haben inzwischen Waschbären für sich entdeckt. „Der Eigentümer des Lindenhofs sieht sich außerstande, die Kosten für den Abriss zu übernehmen“, erklärte Waldheims Bauamtsleiter Michael Wittig den Stadträten. Deshalb wird sich die Stadt der Ordnungsmaßnahme auf der Grundlage eines sogenannten Duldungsvertrages annehmen.

Gebäude ist ein Schandfleck in Waldheim

Wie Michael Wittig erklärte, weise das Haus irreparable Schäden auf, die mit einer Modernisierung nicht beseitigt werden können. Das Gebäude stelle einen städtebaulichen Mangel und Missstand dar. Investoren, die sich für eine eventuelle Umnutzung des Gebäudes interessieren, konnten nicht gefunden werden. Auch eine Nutzung und Sanierung des Gebäudes durch den Eigentümer sei nicht möglich, so Wittig.

Die durch den Abriss entstehende Freifläche soll begrünt werden. Das diene der Aufwertung des Stadtbildes und damit auch der Verbesserung des Wohnumfeldes. Finanziert werden soll die Ordnungsmaßnahme mit Fördermitteln aus dem Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“.

Insgesamt sind etwas mehr als 80.000 Euro dafür notwendig. Ein Drittel davon muss die Kommune tragen, den größten Teil der Kosten übernehmen Bund und Freistaat.

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