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Waldheims Finanzchefin geht in Rente

Barbara Wesler hat 37 Jahre im Rathaus gearbeitet. Dort musste sie manchmal auch Entscheidungen treffen, die nicht jedem gefallen haben.

Barbara Wesler hat sich 37 Jahre lang um Waldheims Finanzen gekümmert. Jetzt beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt.
Barbara Wesler hat sich 37 Jahre lang um Waldheims Finanzen gekümmert. Jetzt beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt. © Lars Halbauer

Waldheim. So richtig kann es Barbara Wesler noch gar nicht realisieren. 37 Jahre ihres Lebens hat sie ihr Weg an jedem Arbeitstag ins Waldheimer Rathaus geführt. Dort war sie seit 1983 die Frau fürs Geld. Sie leitete das Sachgebiet Haupt- und Finanzverwaltung.

Mit dem Ende des Jahres geht die Waldheimerin offiziell in den Ruhestand, baut derzeit noch Urlaubstage ab. Wie eine Rentnerin fühlt sie sich nicht. „Aber ich denke, das geht heutzutage vielen so“, meint die 63-Jährige. Immer wieder habe sie sich in den zurückliegenden Tagen gefragt: „Bin ich wirklich schon so alt, dass ich in Rente gehe?“, sagt sie und lacht.

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Im Jahr 1983 hatte die gelernte Wirtschaftskauffrau gerade ihr Fernstudium als Finanzökonom abgeschlossen, da wurde beim damaligen Rat der Stadt Waldheim die Stelle der Stadträtin für Finanzen frei. So hieß ihre Funktion zu jener Zeit. „Ich habe mich beworben und wurde angenommen“, sagt Barbara Wesler.

Mit ihrem Ehemann hatte sie bis dahin in Döbeln gewohnt, zog dann aber nach Waldheim um und lebt bis heute in der Zschopaustadt, die sie mit ihrer Arbeit nicht unwesentlich mitgestaltet hat.

Barbara Wesler trat in die Fußstapfen von Rosel Martin, die damals in die Rente ging und die genau wie Barbara Wesler heute ihr ganzes Arbeitsleben für Waldheims Finanzen zuständig war.

Am ersten Arbeitstag zur Festabnahme

An ihren ersten Arbeitstag erinnert sie sich noch ganz genau. „Wir mussten hoch auf den Eichberg zur Abnahme des Eichbergfestes, das wenige Tage später gefeiert wurde. Damals wurden die Eintrittsgelder noch manuell abkassiert. Dafür waren wir unter anderem zuständig“, sagt sie.

Die Jahre der Wende verbindet sie mit vielen schönen Erinnerungen. „Es war eine tolle Zeit voller Aufbruchsstimmung“, sagt sie, auch, wenn es für alle Mitarbeiter eine riesige Herausforderung gewesen sei.

Nach der Wende bei Null angefangen

„Wir haben quasi bei Null angefangen.“ Gesetze und Richtlinien, nach denen sie plötzlich arbeiten sollte, seien ihr bis dahin vollkommen fremd gewesen. „Aber in dieser euphorischen Zeit war auch vieles möglich, was heute undenkbar wäre“, sagt sie. Mit den Bürgermeistern habe sie immer gut zusammengearbeitet.

Gern erinnert sich Barbara Wesler auch an die Unterstützung durch Waldheims Partnerstadt Landsberg. „Den ersten Haushaltsplan für Waldheim haben wir gemeinsam in Landsberg ausgearbeitet. „Bis spät abends haben wir im Rathaus über den Zahlen gesessen“, sagt sie. „Das war ein Kraftakt“, aber danach sei sie unheimlich stolz und erleichtert gewesen, wie im Übrigen jedes Mal, wenn sie den Haushaltsplan für Waldheim hat vorlegen können.

Nicht selten hätten die Ratssitzungen, in denen es um den Etat ging, bis Mitternacht gedauert. „Wir haben viel diskutieren und erklären müssen, warum die eine oder andere Investition nun eben gerade nicht möglich ist."

Mit gemischten Gefühlen denkt sie an die Zeit der Hochwasser 2002 und 2013 zurück. „Für die Betroffenen war das eine sehr schlimme Zeit.“ Andererseits seien dadurch aber auch Investitionen möglich geworden, für die sonst vielleicht kein Geld da gewesen wäre.

Arbeit mit Zahlen von Anfang an geliebt

Wieso sie so gerne mit Zahlen arbeitet, weiß Barbara Wesler nicht. Schon während des Studiums habe sie liebend gerne Bilanzen erstellt. „Ich finde das unheimlich spannend.“

In ihrem neuen Lebensabschnitt will sich Barbara Wesler mit all dem beschäftigen, wozu sie bisher keine oder nur wenig Zeit hatte. „Ich habe früher viel Handarbeiten gemacht, das werde ich wieder hervorkramen“, sagt sie. Und auch dem Lesen will sie sich wieder verstärkt zuwenden.

Künftig mehr Zeit für Enkel und Hobbys

Nicht zuletzt will sie die freie Zeit ihren drei Enkeln widmen. „Auch wenn der große schon 16 und die Zwillinge zehn Jahre alt sind, kommen sie gerne zu den Großeltern“, sagt sie. Darüber hinaus hofft Barbara Wesler, dass die Beschränkungen hinsichtlich der Corona-Pandemie bald der Vergangenheit angehören und sie mit ihrem Mann wieder verreisen kann.

Froh ist die 63-Jährige darüber, dass in Mandy Schützel eine Fachbereichsleiterin für die Haupt- und Finanzverwaltung gefunden worden ist, „die so ähnlich tickt, wie ich“, sagt sie. Überdies weiß sie mit Kristin Voigtländer auch die Leitung des Bereichs Finanzen in guten Händen.

Am Donnerstag ist die Kämmerin, wie ihre Stelle umgangssprachlich genannt wird, auch vom Bürgermeister und dem Stadtrat offiziell verabschiedet worden. Alle Fraktionen brachten zum Ausdruck, dass sie die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Barbara Wesler sehr geschätzt haben.

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