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Waldheims Stadtkern für Radwege ungeeignet

Eine Konzeption, die Alltagswege für Radler fördern könnte, wird vom Stadtrat abgelehnt. Es gibt zu viele Unwägbarkeiten.

Katrin Beulich ist mit ihrem Fahrrad auf dem Waldheimer Bahnhofsberg unterwegs. Einen Radweg gibt es dort nicht. Ein solcher wäre an dieser Stelle aber auch nicht förderfähig und schwer umsetzbar.
Katrin Beulich ist mit ihrem Fahrrad auf dem Waldheimer Bahnhofsberg unterwegs. Einen Radweg gibt es dort nicht. Ein solcher wäre an dieser Stelle aber auch nicht förderfähig und schwer umsetzbar. © Dietmar Thomas

Gut gedacht, aber schlecht gemacht –¨mit diesen Worten umschreibt Waldheims Bauamtsleiter Dirk Erler das neue Programm zur Radverkehrsförderung, das vom Bundesministerium für Verkehr aufgelegt worden ist. Länder und Kommunen könnten darüber Bundesmittel in Höhe von 75 Prozent abrufen.

„Für Waldheim ist das Programm jedoch nicht geeignet“, so Erler. Das habe eine umfangreiche Prüfung ergeben. Ein Grund sei die Tallage Waldheims. In fast jede Richtung müssten von den Radfahrern größere Steigungen überwunden werden. Grund Nummer zwei ist ein noch schwerwiegender: Rein touristisch genutzte Radwege sind über das Programm gar nicht förderfähig.

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Touristische Radwege nicht förderfähig

„Es geht dabei allein um den innerstädtischen Radverkehr“, so Erler. Ziel des Programms sei es, den Berufs- und Alltagsverkehr zu großen Teilen aufs Fahrrad zu verlegen. „Straßenbegleitende oder auch eigenständige Radwege, Fahrradzonen oder Radwegbrücken in der Innenstadt zu schaffen, ist aufgrund der vorhandenen Infrastruktur in Waldheim nahezu ausgeschlossen“, so Erler.

Geprüft worden sei durch die Kommune, ob Radwege zum Bad nach Gebersbach im Zuge der Staatsstraße 32 oder nach Massanei entlang der S 36 förderfähig wären. „Diese erfüllen aber die Fördervoraussetzungen nicht, weil sie keine selbstständigen Radwege sind, sondern straßenbegleitend an Staats- und Kreisstraßen anliegen“, erklärte der Bauamtsleiter.

Konzeption würde fast 40.000 Euro kosten

Um überhaupt in den Genuss von Fördermitteln zu kommen, müsste die Kommune überdies eine Radverkehrskonzeption anfertigen lassen. Dafür hat sich die Kommune ein Angebot der Firma Uhlig und Wehling Ingenieurgesellschaft in Mittweida eingeholt. Dieses Büro hat laut Erler bereits die Radwegekonzeption für den Landkreis Mittelsachsen erstellt.

Das Angebot beläuft sich auf eine Summe von knapp 40.000 Euro. Diese Summe wäre zwar ebenfalls mit 75 Prozent förderfähig. Die Ausgaben für die Planungskosten müsste die Kommune jedoch vorfinanzieren und außerplanmäßig bereitstellen, da das Zeitfenster für die Umsetzung von Vorhaben bis 2023 äußerst eng gesteckt ist. „Selbst wenn die Kommune die 75 Prozent Förderung bekommen würde, blieben immer noch rund 10.000 Euro als Eigenanteil übrig – nur für das Konzept“, so Erler.

Der Bauamtsleiter und die Stadträte sprachen sich aber für die Prüfung einzelner Maßnahmen aus, mit denen der Radverkehr in Waldheim verbessert werden könnte. Gedacht werde dabei unter anderem an Fahrradständer oder Ladestationen für E-Bikes. „Wir sind dahingehend für Ideen und Anregungen offen, auch im Hinblick auf das Heimatfest im Jahr 2023“, so Erler. Entsprechende Vorhaben könnten im Doppelhaushalt 2021/22 berücksichtigt werden.

Trotzdem etwas für Radwege tun

Unabhängig davon sollen weiterhin Fördermöglichkeiten für Radwege geprüft werden, die auch in Waldheim umsetzbar sind. „Mit dem Zschopautalradweg sind wir touristisch schon ganz gut aufgestellt“, so Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Gut wäre es, wenn endlich die Umsetzung des Radweges ins Gebersbacher Bad gelänge, um den die Stadt seit 2004 kämpft. Dort läuft derzeit das dritte Planfeststellungsverfahren durch das Landesamt für Straßenbau- und Verkehr (Lasuv). Wann neue Erkenntnisse vorliegen, sei offen, so Lasuv-Sprecher Franz Grossmann am Dienstag.

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