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Warum Erstklässler eine interaktive Tafel brauchen

Die Stadt Waldheim setzt den Digitalpakt Schule um. Im Stadtrat entbrennt darüber eine Grundsatzdebatte.

Die Schulen in Waldheim, das Foto zeigt die Grundschule, sollen im Rahmen des Digitalpaktes mit interaktiven Tafeln ausgestattet werden.
Die Schulen in Waldheim, das Foto zeigt die Grundschule, sollen im Rahmen des Digitalpaktes mit interaktiven Tafeln ausgestattet werden. © Dietmar Thomas

Waldheim. Um die Ausstattung der Waldheimer Schulen mit interaktiven Tafeln hat es in der jüngsten Sitzung des Waldheimer Stadtrates eine lebhafte Debatte gegeben. Letztendlich beschlossen die Räte, den Eigenanteil für das aktuelle Haushaltsjahr in Höhe von 7.550 Euro aus der Rücklage zu finanzieren. Aufmerksame Zuhörerin war die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann, die der Sitzung als Gast beiwohnte.

Im Haushaltsjahr 2021 sollen für die Grundschule und die Förderschule jeweils fünf, für die Oberschule vier interaktive Tafeln sowie das erforderliche Zubehör angeschafft werden. Für Förder- und Oberschule soll zudem ein Server installiert werden. Zudem soll die Oberschule acht Personal Computer (PC) erhalten.

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Die Gesamtkosten belaufen sich auf 94.600 Euro, die Höhe des Fördergeldes beträgt 86.200 Euro. Rein rechnerisch ergibt sich ein Eigenanteil von 8.400 Euro. Für die Grundschule war dieser jedoch schon im Haushaltsplan eingearbeitet, sodass sich eine Summe von 7.550 Euro ergibt.

Kritik am Förderprogramm

Die Umsetzung des „Digitalpakts Schulen“ ist bis 2024 ausgelegt. Ein entsprechendes Konzept haben die Stadträte im September des vergangenen Jahres beschlossen.

Die Schulen konnten ihre Wunschlisten abgeben. „Wir konnten das nicht 1:1 umsetzen, aber doch annähernd“, sagte Hauptamtsleiterin Mandy Schützel. Sie merkte an, dass es auch für die Ausstattung der Lehrer sowie die Installation und Wartung der Technik Fördergeld gibt. Dadurch werde der Eigenanteil der Stadt gesenkt.

Kritik am Förderprogramm „Digitalpakt Schulen“ übte Stadtrat Andreas Liebau (CDU): Waldheim bekomme etwa 450.000 Euro Fördergeld. Um dieses ausgeben zu können, müsse die Stadt über 600.000 Euro an Eigenmitteln aufbringen. „Das ist für mich nicht tragbar“, sagte Liebau.

Christian Wesemann (AfD) kündigte an, dass sich seine Fraktion bei der Stimmabgabe enthalten werde. „Die digitalen Tafeln weisen sicher viele Vorteile auf. Aber ist es sinnvoll für die Kinder, wenn sie vormittags mithilfe der interaktiven Tafeln unterrichtet werden und nachmittags dann vielleicht auch wieder zu Hause vor dem Computer sitzen?“, fragte Wesemann. Des Weiteren seien die Folgekosten für Reparaturen und Wartung zu bedenken. „Wir verschließen uns nicht der Digitalisierung, aber es gibt doch einige Bedenken“, so Wesemann.

Einsatz moderner Technik im Lehrplan verankert

Mandy Schützel gab zu, dass es in der Verwaltung diese Bedenken auch gegeben habe. „Aber es ist tatsächlich so, dass im Lehrplan der 1. Klasse die Arbeit mit digitalen Tafeln verankert ist“, so Schützel. Die Lehrerschaft habe sich zudem für die Anschaffung der Tafeln ausgesprochen.

Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) sieht die Folgekosten ebenfalls als Problem. „Es wird noch Entscheidungen geben müssen, wie das in den nächsten Jahren gehandhabt werden soll“, sagte Ernst auch in Richtung von Veronika Bellmann. Das Thema betreffe alle Städte und Gemeinden.

Mike Mende (AfD) hält es für falsch, dass schon in der 1. Klasse mit interaktiven Tafeln gearbeitet wird. „Die Kinder sollten erst mal ordentlich lesen und vor allem schreiben lernen mit Stift und Papier“, sagte Mende.

Tobias Busch (CDU) findet es gut, dass der nächste Schritt zur Digitalisierung gegangen wird. „Ist aber auch die nötige Infrastruktur vorhanden, damit die Technik auch eingesetzt werden kann?“, fragte Busch. Dies sei der Fall, so Mandy Schützel.

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