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Gänse aus Wermsdorf wieder beliebt

Trotz geschlossenem Restaurant läuft der Betrieb von Eskildsen gut. Aber Chef und Team machen nicht nur die Corona-Auflagen zu schaffen.

Heimische Gänse sind auch in diesem Jahr zum Weihnachtsfest begehrt. Über 10.000 Gänse wurden in der Gänsefarm Eskildsen in diesem Jahr gezüchtet.
Heimische Gänse sind auch in diesem Jahr zum Weihnachtsfest begehrt. Über 10.000 Gänse wurden in der Gänsefarm Eskildsen in diesem Jahr gezüchtet. © Symbolbild dpa

Wermsdorf/Döbeln. Die Gänsezucht Eskildsen in Wermsdorf gehört für viele zu den Ausflugszielen in der Vorweihnachtszeit. Nicht nur, um sich vor Ort mit dem Weihnachtsbraten einzudecken, sondern auch um mit Kollegen, Freunden oder der Familie Gänsesuppe und Weihnachtsgans zu essen.

Doch das Restaurant muss in diesem Jahr wie alle anderen gastronomischen Einrichtungen auch, geschlossen bleiben. Als Alternative bietet Eskildsen den Gänsebraten zum Mitnehmen an. Doch kommen die Kunden trotzdem nach Wermsdorf? Reicht die Nachfrage aus, um die gezüchteten Tiere auch verkaufen zu können?Über 10.000 Gänse sind nach Angaben von Geschäftsführer Lorenz Eskildsen für die Weihnachtszeit 2020 gezüchtet worden. „Die Planung der Weihnachtsgänse lief von vornherein auf Vorjahresniveau“, sagt er. Bezüglich der Konserven seien bisher 70 Prozent der Vorjahresmenge produziert worden. „Der Rest kann jetzt nach Bedarf nachproduziert werden.“

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Gäste holen sich den Braten nach Hause

Eskildsen befürchtet nicht, dass der Absatz an Weihnachtsgänsen 2020 geringer ausfällt als in den Vorjahren und damit Tiere übrig bleiben. „Nein, im Gegenteil. Was bleibt den Menschen? ‚Homecooking ist die neue Location‘, wie man so schön sagt und Regionalität ist extrem gefragt“, so der Geschäftsführer.

Die Schließung der gastronomischen Einrichtungen treffe das Unternehmen nicht so schwer. „Wir sind nicht gastronomielastig. Unser Fokus liegt in Sachsen im Absatz auf dem Endverbraucher. Überregional arbeiten wir eng mit dem Lebensmitteleinzelhandel zusammen“, beschreibt Eskildsen. Der Gänsebraten zum Mitnehmen werde gut angenommen. Schließlich hätten die Verbraucher derzeit kaum eine Wahlmöglichkeit.

Doch auch bei Eskildsen müssen die Kunden in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen. Der Preis für die heimischen Gänse sei ein klein wenig gestiegen, äußerte sich der Junior-Chef, der seit 1990 die Geschäfte bei Eskildsen leitet. Als Gründe dafür verweist Eskildsen auf die Anforderungen durch die Hygienekonzepte und deren erheblichen Aufwand.

Erhebliche Belastung für die Mitarbeiter

Doch während das Geschäft auch in der Pandemie blüht, stellt diese eine große Belastung für die Mitarbeiter dar. „Man stellt sich permanent die Fragen: Wie geht es weiter, passiert uns etwas, werden Kollegen positiv getestet? Was wird, wenn große Teile der Belegschaft ausfallen? Können wir die eigenen Gaststätten öffnen? Werden unserer enormen Kosten für Sicherheitskonzepte bezahlbar sein? Kommt die Vogelgrippe, werden wir den enorm steigenden Anforderungen der Behörden gerecht?“, beschreibt Eskildsen das, was ihn und seine Mitarbeiter derzeit am meisten beschäftigt.

Es kreist ihnen eben nicht nur die Corona-Pandemie im Kopf herum, sondern auch noch die Gefahr durch die Vogelgrippe. „Der Weg vom Tier hin zum Lebensmittel, die Vermarktung in der eigenen betrieblichen Gastronomie, der Hofladen und dann noch mit einem Vogel zu arbeiten, der die Grippe bekommen könnte… Dies setzt alle einer extremen Belastung aus, die manchen an seine Grenzen treibt“, so Esklidsen.

Für den Fall der Fälle gebe es einen Plan B. Ohne diesen würde sich das Unternehmen nicht auf diesem Geschäftsfeld tummeln können, meint der Chef. „Insgesamt sind in unserem Unternehmen drei EU- Schlachtbetriebe aktiv. Tag und Nachtschichten könnten, in Absprache mit den Behörden, eingerichtet werden und geben uns eine gewisse Sicherheit“. Personell seien interne Verschiebungen möglich. „Das gesamte Team ist 100 Prozent einsatzbereit, motiviert und auch flexibel. Das bedeutet uns sehr viel“, schließt der Geschäftsführer.

Wieder zu trocken für Forellen

Aber nicht nur Gans kommt in der Region Döbeln im Dezember auf den Teller. Auch Forellen und Karpfen werden dieser Tage gern gegessen. Als Züchter vor Ort hat sich die Familie Schnek aus dem Töpelwinkel einen Namen gemacht. Auch bei der Forellenzucht sei die Nachfrage nach den Tieren bereits groß. „Der Verkauf lief an den vergangenen Wochenenden sehr gut“, sagt Jörg Schnek.

Die Züchter hoffen, dass der Direktverkauf vor allem an Weihnachten und Silvester noch etwas mehr nach oben geht, weil die Gaststätten geschlossen sind. Genügend Fische seien da, so Schnek. Die Absatzmenge, die sonst die Gastronomen bekommen, werde schon jetzt durch den Direktverkauf abgedeckt. „Wer Essen gegangen ist, der kocht jetzt selber“, hat auch Schnek beobachtet. Unterm Strich bleibe für den Betrieb sogar durch den Direktverkauf mehr hängen als durch die Abgabe an die Restaurants.

Zwischen 450 und 500 Gramm Lebendgewicht bringen die Forellen jetzt auf die Waage. So wie es die Sachsen laut Schnek mögen. „Im Westen wird anders gegessen. Da reicht ein Gewicht von 250 Gramm“, informiert der Züchter. Für die Forellen sei es aber auch in diesem Jahr wieder zu trocken gewesen. Dafür war es wenigstens nicht so heiß wie im Vorjahr. „Trotzdem ist die Zucht, auch von den Verlusten her, nicht so optimal gelaufen.

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Im Vergleich zum Vorjahr haben wir die Menge schon reduziert“, berichtet Jörg Schnek. Die Karpfen, die der Betrieb aus der Nachbarschaft zukauft, seien in diesem Jahr dafür sehr gut gewachsen. „Für sie war das Jahr von den Temperaturen her optimal.“Aber auch bei Schnek muss der Kunde 2020 ein klein wenig mehr für den Fisch bezahlen. Um 50 Cent pro Kilo sei der Preis gestiegen, sagt Jörg Schnek.

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