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Weshalb Astrid Heinrich „verduftet“

Die Inhaberin schließt ihr Geschäft Aqua Vital an der Bäckerstraße. Das hat allerdings nichts mit Corona zu tun.

Sobald es möglich ist, öffnet Astrid Heinrich das Geschäft Aqua Vital an der Bäckerstraße wieder. Allerdings nur für einen kurzen Zeitraum. Dann schließt sie den Laden für immer.
Sobald es möglich ist, öffnet Astrid Heinrich das Geschäft Aqua Vital an der Bäckerstraße wieder. Allerdings nur für einen kurzen Zeitraum. Dann schließt sie den Laden für immer. © Lars Halbauer

Döbeln. Der Duft der unzähligen Seifen dringt auch durch die Maske. In den Regalen stehen noch die als Weihnachtsgeschenk verpackten Cremes und Duschbäder. Wie die meisten anderen Geschäfte ist auch das Aqua Vital an der Bäckerstraße geschlossen. Nur für ein kurzes Gespräch schließt Inhaberin Astrid Heinrich die Ladentür auf – und bald für immer zu.

16 Jahre lang hat sie den Laden geführt. Dass sie ihn damals eröffnet hat, war einem Zufall zu verdanken. Und eigentlich kommt die 65-Jährige aus einer ganz anderen Branche. „Ich habe Chemie studiert und von meinem Vater etwas Besonderes geerbt. Ich habe eine Affinität zu Substanzen und Düften. Ich kann sie sehr gut unterscheiden“, erzählt Astrid Heinrich.

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Kopfmensch mit Bauchgefühl

Trotzdem blieb sie nicht in der Chemie, sondern arbeitete nach dem Studium zehn Jahre lang in Leipzig in der IT-Branche. Dann kam die Wende. Sie wechselte zur Westdeutschen Landesbank Düsseldorf, kam später aber doch zurück in den Freistaat, wo sie die Sachsen LB mit aufgebaut hat. Dort schaffte sie es bis zum Leiter der Bankorganisation.

„Das war eine tolle Sache“, meint sie und fügt hinzu: „Ich bin ein rational denkender Mensch.“ Gleichzeitig hört sie aber auch auf ihr Bauchgefühl. Und so manches Mal in ihrem Leben habe das ihr gesagt, dass mehr nicht erreichbar ist.

Neustart nach Österreich-Urlaub

Zu solch einer Zeit entdeckte sie mit ihrem Mann während eines Urlaubs in Österreich die Benediktiner Seifenmanufaktur. „Dort gab es nur handgemachte Seifen. Der Laden war hübsch, bunt und es duftete“, erinnert sie sich.

Als sie das Geschäft wieder verlassen hatten, habe ihr Mann ihr angesehen, dass sie soeben einen Entschluss gefasst hatte. „Er hat mich darin bestärkt und gemeint: Du schaffst das.“ Es folgte eine zielgerichtete Rundreise durch Deutschland. Astrid Heinrich sah sich „Seifenläden“ an und wusste zum Schluss genau, was sie wollte, aber auch, was nicht.

Eröffnung zum Tag der Sachsen

Zum Tag der Sachsen in Döbeln im Jahr 2004 eröffnete sie ihr erstes Geschäft an der Fronstraße. Dieses hatte sie, wie auch das folgende so eingerichtet, dass der Kunde, der es betritt, das Angebot mit allen Sinnen wahrnimmt – den Duft, die Farben, die Musik, die Einrichtung – und sich wohlfühlt.

Der neue Besitzer des Kaufhauses benötigte 2013 für die Rossmann-Filiale die Fläche von Aqua Vital. Astrid Heinrich musste umziehen. Sie hatte bereits einen Laden am Obermarkt im Blick, als das Hochwasser kam. Danach entschied sie sich für das ehemalige Blumengeschäft Radisch an der Bäckerstraße. In Abstimmung mit dem Vermieter wurde der Laden umgebaut und sie durfte zur Präsentation ihrer Waren auch die Passage zwischen Bäcker- und Ritterstraße nutzen.

Sortiment verändert und erweitert

Über die Jahre hat die Geschäftsfrau das Sortiment verändert und gleichzeitig erweitert. Anfangs waren es nur die Benediktiner-Seifen. „Inzwischen ist für jeden etwas dabei“, meint sie. Für Kinder, für den Opa etwas Indikatives wie Eukalyptus, etwas zum Duschen, für die Sauna, Frottierwaren, bis hin zu Schals und Strümpfen. Von den Kunden besonders geschätzt werden die liebevollen Verpackungen.

Bei den Waren habe es eine dauernde Veränderung gegeben. Das habe zum einen an den Kundenwünschen gelegen. Zum anderen habe sie sich bei den Lieferanten, Herstellern und auf Messen oft neue, tolle Ideen geholt. Die haben nicht nur Kunden aus der Region angesprochen. Auch aus der Landeshauptstadt kamen sie, um in dem Döbelner Laden einzukaufen. Für die langjährige Treue ist die Inhaberin den Kunden sehr dankbar.

Räumungsverkauf bis Ende Juni

In dem Geschäft stehen inzwischen nicht mehr nur Waren aus Österreich in den Regalen, sondern auch aus Deutschland, Polen, England und Frankreich. Allerdings werden die Kunden nur noch kurz die Gelegenheit haben, im Aqua Vital einzukaufen. Bereits vor einem Jahr reifte bei Astrid Heinrich der Entschluss, den Laden zu schließen, um in den Ruhestand zu gehen. Darüber informierte sie ihre Angestellte, hob deren Arbeitsvertrag aber erst auf, nachdem diese einen neuen Job gefunden hatte. „Man muss doch loyal mit seinen Mitarbeitern umgehen“, sagt sie.

Sobald es möglich ist, möchte Astrid Heinrich das Geschäft wieder öffnen – für einen Räumungsverkauf mit entsprechenden Rabatten. Die Waren sollten spätestens bis zum 30. Juni an die Frau oder den Mann gebracht sein. Dann läuft der Mietvertrag aus. Allerdings, und darauf legt sie Wert, darf der Laden in dieser Zeit nur mit Abstand und mit Maske betreten werden. Letztere darf auch zum „Schnuppern“ an der Seife nicht abgesetzt oder heruntergezogen werden.

Aber auch wenn sich der Ladenschlüssel ein letztes Mal im Schloss gedreht hat, ist für Astrid Heinrich noch nicht ganz Schluss. „Die Auflösung wird noch einige Zeit beanspruchen“, meint sie. Und da sie immer noch einen ganz besonderen Bezug zu Zahlen besitzt, hat sie in all den Jahren nicht nur ihre Buchhaltung selbst erledigt, sondern wird auch den Jahresabschluss für das Geschäft erstellen.

Mehr Natur und Kultur

Außerdem will sie die neu gewonnene Freizeit nutzen, um mit ihrem neuen Lebenspartner noch mehr in der Natur unterwegs und aktiv zu sein. „Wir sind schon mit dem Schlauchboot die Elbe hinunter gepaddelt und Stromschnellen hinunter gefahren“, erzählt sie.

Um mit ihrem Partner gemeinsam das Fliegenfischen ausüben zu können, hat sie bereits die Fischereiprüfung absolviert und gehört nun zu einem Verein der Fliegenfischer an der Göltzschtalbrücke. Auch die Fahrräder seien schnell ins Auto gepackt, sodass die beiden andere Regionen auf zwei Rädern erkunden können.

„Ich mag auch die Kultur sehr“, sagt Astrid Heinrich. Deshalb wird sie das Anrecht im Döbelner Theater behalten und den Freunden des Theaters treu bleiben, obwohl sie inzwischen in der Region Leipzig wohnt.

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