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Weshalb Holz zur Rarität wird

Der Preis des Materials ist sprunghaft gestiegen. Die Ursachen sind vielfältig und die Leidtragenden nicht nur die Firmen.

Sebastian Weimert, Geschäftsführer der Firma Weimert Bedachung in Döbeln, im Holzlager. Das ist noch etwas besser gefüllt als bei manch anderen Unternehmen, das mit Holz arbeitet.
Sebastian Weimert, Geschäftsführer der Firma Weimert Bedachung in Döbeln, im Holzlager. Das ist noch etwas besser gefüllt als bei manch anderen Unternehmen, das mit Holz arbeitet. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Das Holzlager der Firma Weimert Bedachung ist noch recht gut gefüllt. „Wir haben es relativ zeitig gemerkt, und uns noch einmal eingedeckt“, sagt Geschäftsführer Sebastian Weimert.

Er spricht vom rasanten Anstieg der Holzpreise. „Erst haben wir 300 Euro pro Kubikmeter bezahlt, dann 600 Euro und jetzt sind es 900 Euro“, erzählt er. Zudem haben sich die Lieferzeiten enorm verlängert – wenn überhaupt noch Holz angeboten wird. „Früher hatten wir Dachlatten innerhalb von zwei Tagen nach der Bestellung. Jetzt bekommt der Großhändler irgendwann Ware aus dem Sägewerk in Österreich. Dann müssen wir zuschlagen, weil das Holz sofort wieder ausverkauft ist, und niemand weiß, wann die nächste Lieferung zu erwarten ist“, so Weimert. Den Preis müsse die Firma bezahlen und dann notgedrungen an den Kunden weitergeben. Denn eine Alternative gibt es nicht.

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Die Gründe für die Holzknappheit sind vielfältig. Zum einen liegen sie in der Natur beziehungsweise am menschengemachten Klimawandel – je nachdem, von welcher Perspektive man das Problem betrachtet. Die Folge sind Stürme, Dürren und Borkenkäfer, die dem Wald zu schaffen machen. Wie der Staatsbetrieb Sachsenforst Ende Februar mitteilte, habe diese Mischung seit Oktober 2017 rund 82.000 Hektar des sächsischen Waldes geschädigt.

USA und China kaufen Markt leer

Auf zusätzlichen 7.500 Hektar sind Freiflächen entstanden. Das hat eine Analyse von Satellitendaten durch das Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft von Sachsenforst ergeben. Damit sind 17 Prozent des gesamten Waldes in Sachsen von den Schäden betroffen. Das entspricht fast dreimal der Fläche der Landeshauptstadt Dresden. Und ein Ende des Schadgeschehens sei derzeit noch nicht absehbar, so der Staatsbetrieb.

Was in Deutschland der Borkenkäfer ist, ist in Nordamerika der Latschenkäfer. Er frisst momentan in Kanada, dem größten Holz-Exporteur der Welt (gefolgt von Russland und Schweden), die Wälder kahl. Die beiden Wirtschaftsriesen USA und China haben deshalb ihre Fühler nach Europa ausgestreckt und kaufen den hiesigen Holzmarkt leer.

Dabei müssen sie nicht so wählerisch sein wie die deutschen Firmen. „Die Amerikaner haben einfachere Regeln zum Holzeinbau“, erklärt Weimert. In Deutschland seien diese Regeln sehr spezifisch, wodurch viel Holz aussortiert werden müsste. Es gibt Sortierklassen, CE-Kennzeichen, mit denen das Holz als tragendes Bauteil zugelassen wird, und das Material muss unter 20 Prozent Holzfeuchte technisch getrocknet sein. „Die USA und China nehmen unbehandelte Baumstämme mit einem großen Querschnitt. Da lohnt es sich, ein Containerschiff vollzumachen“, meint der Geschäftsführer.

Nur noch kurzzeitige Preisbindung

Gegenüber den Kunden sei die Dachdeckerfirma vorsichtiger geworden. „Wir versuchen, die Stammkunden vorrangig zu bedienen und begonnene Objekte zu beenden. Außerdem sei es in bestimmten Bereichen, wie im Industrie-Hallenbau, ruhiger geworden. Das heißt, aus dieser Richtung erhält das Unternehmen derzeit weniger Aufträge.

Preislich könne sich das Unternehmen ohnehin nicht mehr langfristig festlegen und binden. Entscheide sich ein Kunde nicht innerhalb von drei Wochen, müsse die Dachdeckerfirma mit einer Preisklausel arbeiten und das Angebot gegebenenfalls anpassen.

Bestellstopp ausgerufen

Holz sei aber nur der Anfang. Mit Stahl und Dämmkunststoffen gehe es weiter, meint Sebastian Weimert. Ein Hersteller habe bereits für viele Kunststoffabdichtungsbahnen einen Bestellstopp ausgerufen. Sebastian Weimert plädiert in dieser Situation dafür, bestimmte Werkstoffe mit einem Exportzoll zu belegen, um sie uninteressant zu machen.

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Probleme mit Material hat die Firma, die bereits seit 1898 existiert, schon einige Male erlebt. Seniorchef Eckhard Weimert erinnert die Materialknappheit an die DDR-Zeit. „Im vergangenen Jahr gab es keine Mineralwolle“, erklärt Sebastian Weimert. „Aber so grundlegend und übergreifend auf mehrere Produkte hatten wir es noch nie“, fügt er hinzu. Die Folge sei, dass allein zehn Prozent der Dachdeckerunternehmen in Deutschland Kurzarbeit angemeldet hätten.

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