merken
PLUS Döbeln

Wie eine Brille für Urlaubsgefühl sorgt

Das Alloheim in Waldheim setzt im Pflegealltag auf digitale Technik. Daran haben auch die Senioren großen Spaß.

Sonja Kluska (rechts) lässt sich mithilfe der VR-Brille gern an den Ostseestrand entführen. Janet Bieber unterstützt die Seniorin bei der Handhabung des Gerätes.
Sonja Kluska (rechts) lässt sich mithilfe der VR-Brille gern an den Ostseestrand entführen. Janet Bieber unterstützt die Seniorin bei der Handhabung des Gerätes. © Dietmar Thomas

Waldheim. Als Sonja Kluska das Gerät zum ersten Mal gesehen hat, war sie etwas skeptisch. Doch mittlerweile ist es so, dass sie die VR-Brille (VR steht für virtual Reality – virtuelle Realität) sehr gern aufsetzt.

Mit der Brille kann die Seniorin zum Beispiel eine Reise an den Ostseestrand unternehmen, ohne ihr Zimmer im Alloheim Senioren-Residenz „An der Schillerhöhe“ in Waldheim zu verlassen. „Ich habe mir auch schon einen Film angeschaut, in dem erklärt wird, wie ein Dachdecker arbeitet“, berichtet die 92-Jährige.

Anzeige
Weil Sachsens Mitte alles zu bieten hat.
Weil Sachsens Mitte alles zu bieten hat.

So hilft sich die Region Döbeln selbst. Mit Hilfe einer großen Werbeaktion soll wieder Leben in Gastronomie, Einzelhandel und Kultur einziehen.

Entwickelt wurde die Brille von einem Schneeberger Unternehmen. „Diese Firma stellt 360-Grad-Videos für die Hotel-, Touristik- und Kreuzfahrtbranche her. Jetzt ist der Pflegebereich dazugekommen“, erklärt Alloheim-Leiter Nico Schönfelder.

Neue Perspektiven für die Pflegebedürftigen

Der Einsatz der virtuellen Welten eröffne neue Perspektiven für die Pflegebedürftigen. Für sie könne die virtuelle Realität stärkere Einbindung, höhere Lebensqualität und nicht zuletzt verbesserte Heilungsverläufe bedeuten, so Schönfelder. Gerade in Corona-Zeiten sei die Brille eine willkommene Abwechslung für die Senioren gewesen.

Die moderne Technik gewinne immer mehr Bedeutung, ersetze jedoch gerade im Pflegebereich nicht den Menschen. „Die Einbindung der technischen Möglichkeiten wird aber in der täglichen Arbeit immer wichtiger“, sagt Nico Schönfelder. Er nennt als Beispiel die mobile Sturzanalyse. Hochschulstudenten und die Krankenkassen haben eine Smartphone-App entwickelt, mit der ein kurzes Video vom Gangbild des jeweiligen Bewohners aufgenommen wird.

Digital geführtes Kennzahlensystem

Dazu gehört das Ausfüllen eines Fragebogens mit Angaben wie Erkrankungen, Medikamenten und Persönlichkeit. Danach erhält die Pflegefachkraft über die App einen Sturzrisikobericht mit konkreten Maßnahmen zur Prävention.

„Wir setzen auf ein breit angelegtes Qualitätsmanagement mit verbindlichen Richtlinien und Vorgaben sowie objektiven Bewertungskriterien durch ein digital geführtes Kennzahlensystem“, sagt Nico Schönfelder. Dabei werden die Beobachtungen der Mitarbeiter beispielsweise in Bezug auf chronische Wunden, Schmerzen, Gewichtsveränderungen oder Trinkverhalten aller Bewohner von den Pflegekräften digital über das Pflegedokumentationsprogramm erfasst und festgehalten. Dadurch könne auf eine große Menge an Daten zurückgegriffen und die Entwicklung jedes Einzelnen unter unterschiedlichen Aspekten beurteilt werden.

Mehr zum Thema Döbeln